Mittelstand in Bremen und Niedersachsen wieder optimistisch Firmen sind bereit für den Aufschwung

Bremen. Die mittelständischen Unternehmen in Bremen und Niedersachsen sehen die Wirtschaftskrise als beendet an. Sie gehen wieder optimistisch in die Zukunft und erwarten für 2011 den Durchbruch. Das geht aus einer Studie der Commerzbank unter bundesweit 4000 Unternehmen hervor.
22.04.2010, 19:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Die mittelständischen Unternehmen in Bremen und Niedersachsen sehen die Wirtschaftskrise zunehmend als beendet an. Sie gehen wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft und erwarten für 2011 den Durchbruch. Das geht aus einer Studie der Commerzbank unter bundesweit 4000 Unternehmen hervor. Mittelständler aus der Region Weser-Ems investieren darüber hinaus auch wieder stark. Ein Trend, der auch vom Bremer Zweig der bundesweit agierenden Wirtschaftsauskunftei Creditreform bestätigt wird.

Stefan Burghardt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Commerzbank Bremen, macht das an Zahlen aus dem Mittelstandsfonds seines Instituts fest. Für die Region Bremen-Oldenburg stehen in diesem Jahr zusätzlich 250 Millionen Euro zur Verfügung. Derzeit würden Kreditanfragen in Höhe von 130 Millionen Euro geprüft, sagt Burghardt. 'Das ist überraschend viel und deutlich mehr als im Bundesschnitt. Wir hatten ursprünglich für das gesamte Jahr mit dieser Summe gerechnet.'

Die Anfragen kommen dabei vor allem aus der Bauwirtschaft. Laut Burghardt verhandelt die Bank derzeit mit 20 Unternehmen, die Aufträge für große bis sehr große Projekte erhalten haben. Außerdem würden viele Mittelständler aus der Region die Gelegenheit nutzen, über Zukäufe zu wachsen. 'Die Firmen sehen in der Krise die Chance, günstig einzukaufen', sagt Burghardt. Insgesamt, sagt der Bremer Commerzbank-Chef, würde derzeit viel investiert. 'Die Mittelständler bereiten sich auf den Aufschwung vor.'

Das bestätigt auch Kolja Ostrowski, Geschäftsbereichsleiter Nord beim Bremer Technik- und Management-Dienstleister Brunel. 'Die Tendenz ist eindeutig. Die gesamte Region erstarkt im Moment, weil die Firmen wieder den Mut haben, Geld in die Hand zu nehmen und in die Entwicklung von Produkten zu investieren.' Brunel habe die Auswirkungen der Krise gut überstanden und blicke positiv in die Zukunft. 'Wir haben bundesweit im ersten Quartal 300 Mitarbeiter eingestellt, allein in Bremen waren es rund 20. Die Entwicklungen,die wir in Deutschland beobachten, geben sehr großen Anlass zum Optimismus.'

Ein Optimismus, der den Mittelstand in Deutschland in großer Zahl erfasst zu haben scheint. Denn zwei Drittel aller befragten Unternehmen geben laut Commerzbank-Studie an, keinen Anlass zu sehen, sich wegen der Krise strategisch neu zu orientieren. Commerzbank-Vorstand Markus Beumer wundert sich: 'Und das, obwohl es zum Teil Umsatzrückgänge von 80 Prozent gab. 19 Prozent der Unternehmen glauben zudem, aus der Krise gestärkt hervor zu gehen. Das ist überraschend.'

In Bremen und Niedersachsen setzen die Firmen wie auch bundesweit nun eher auf Kostendisziplin und Profitmaximierung als auf Wachstum. Für knapp die Hälfte der Mittelständler aus der Region ist deshalb Kostensenkung bei Zulieferern das wichtigste Thema. 33 Prozent wollen ihre Umsätze aber auch durch langfristigere Liefer- und Zulieferverträge absichern. Nur 13 Prozent geben, dass für sie nach der Krise ein überdurchschnittliches Wachstum die oberste Priorität hat.

Insgesamt sind die Erwartungen der Mittelständler aus Bremen und Oldenburg 'überraschend positiv', sagt Burghardt. Das hänge aber auch damit zusammen, dass die Unternehmen der Region besser durch die Krise gekommen seien als im Rest der Republik. 'Die Firmen haben sehr gut reagiert', sagt der Bank-Chef.

Traditionell befragt auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform halbjährlich knapp 300 mittelständische Firmen in Bremen zu ihren Erwartungen und Aussichten. Ergebnis: 'Die Stimmung hellt sich deutlich auf', sagt die Bremer Creditreform-Geschäftsführerin Verena Seddig.

Nach dem desaströsen Jahr 2009, als zur Wirtschaftskrise auch noch ein langer, harter Winter kam, musste jedes zweite Unternehmen zum Teil dramatische Umsatz- und Ertragsrückgänge verkraften, besonders betroffen waren der lokale Handel und das Baugewerbe, weniger die Dienstleistungsbranche oder das verarbeitende Gewerbe. Nur jeder achte Mittelständler konnte mehr Einnahmen erzielen. Eine der erfreulichen und überraschenden Nachrichten für die Experten von Creditreform: Zwei Drittel aller Firmen hätten ihre Mitarbeiter gehalten, 'da hat das Instrument der Kurzarbeit eine wichtige Rolle gespielt', meint Horst Wehrse, Abteilungsleiter Wirtschaftsinformation bei Creditreform.

Noch sei zwar ein anhaltender Aufschwung an der Weser nicht festzustellen und die Folgen der Rezession seien weiter spürbar. Folglich beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit schlechteren Noten als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Nur ein Drittel bewertete die Lage mit gut oder sogar sehr gut. Aber: 'In die nähere Zukunft wird wieder mit mehr Optimismus geblickt', so Seddig.

Bestes Beispiel: Die Bauwirtschaft. Im vergangenen Jahr noch gebeutelt wie kaum einen andere Branche, spucken diese Betriebe jetzt besonders kräftig in die Hände. Zwei von fünf Firmen rechnen mit Umsatzzuwächsen, jede achte hat bereits neue Leute eingestellt. Im Dienstleistungssektor und beim verarbeitenden Gewerbe ist die Quote mit gut 20 Prozent einstellungswilliger Betriebe sogar noch besser.

Vor allem aber ziehe quer über alle Branchen die Investitionsbereitschaft spürbar an, 'in dem Maß hätten wir auch damit nicht gerechnet', sagt Verena Seddig. Zwei Fünftel aller Unternehmen wollen ordentlich Geld in die Hand nehmen. Mehr als die Hälfte aller Ausgaben sei für eine Erweiterung der Produktionskapazitäten geplant, das zeige, dass die Wirtschaft wieder mit steigenden Auftragseingängen rechne und wachsen wolle.

Ein Problem bleibt nach Ansicht von Creditreform die finanzielle Ausstattung vieler Unternehmen. Der dramatische Rückgang der Erträge habe den oftmals geringen Eigenkapital-Puffer stark angegriffen.

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