Airlines lassen sich viel Zeit

Fluggäste warten immer noch auf Geld

Es gibt Passagiere, die seit März auf das Geld für ihr durch die Corona-Pandemie storniertes Flugticket warten. Nicht nur die Verbraucherzentrale Bremen sagt, dass es mit der Geduld nun vorbei sein sollte.
11.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Fluggäste warten immer noch auf Geld
Von Florian Schwiegershausen
Fluggäste warten immer noch auf Geld
Der Billigflieger Ryanair will bis Ende Juli das Geld für 90 Prozent aller stornierten Tickets ausgezahlt haben.

Ingo Wagner /dpa

So viel Ärger ums Fliegen war selten: Nach massenhaften Flugausfällen in der Corona-Krise warten Tausende Kunden noch Monate später auf die Ticket-Erstattung, die ihnen rechtlich zusteht. Verbraucherschützer und Flugrechtsportale sind sich einig, dass die Airlines mit wenigen Ausnahmen die Zahlungen absichtlich verzögert haben. Auch nach der Staatsrettung des größten Anbieters Lufthansa und einem neuen Gesetz zu möglichen Gutscheinen bleibt die Lage angespannt. Die Opposition verlangt ein schärferes Vorgehen staatlicher Stellen gegen die zahlungsunwilligen Fluggesellschaften.

In Folge der Corona-Pandemie war der Luftverkehr ab März nahezu zusammengebrochen, Flüge wurden storniert. Eigentlich müssen die Gesellschaften den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten. Die Lufthansa und andere Airlines hatten zunächst darauf gesetzt, Kunden mit Gutscheinen abzufinden.

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Dies scheiterte aber an der EU-Kommission. Anfang Juli wurde dann im Bundestag ein Gesetz beschlossen, wie solche Gutscheine gestaltet sein müssen. Annehmen muss sie aber niemand, Kunden können sich das Geld immer noch erstatten lassen.

Politiker fordern Bußgelder

„Jetzt spätestens muss ausgezahlt werden“, sagt Gerrit Cegielka, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Die Grünen verlangen ein schärferes Vorgehen des zuständigen Luftfahrtbundesamtes gegen säumige Airlines, im Zweifel auch mit Bußgeldern. Die Behörde zeigt sich zwar grundsätzlich bereit, wartet aber nach eigenen Angaben auf entsprechende Beschwerden. Der Grünen-Politiker Markus Tressel sieht die Bundesregierung in der Pflicht, eine schnelle Lösung zu finden, damit nicht Tausende Kunden einzeln den Rechtsweg beschreiten müssten.

So lange haben Flugrechtsportale nicht gewartet, wie Lars Watermann von EUflight.de berichtet: „Wir haben bereits mehr als 1000 Klagen eingereicht, entweder als Inkasso-Dienstleister für den Kunden oder auf eigene Rechnung. Erst recht nach den ersten beiden Urteilen zu unseren Gunsten haben wir keinerlei Zweifel mehr, sämtliche Fälle zu gewinnen. Wir kaufen alles an."

Der Verbraucherzentrale Bundesverband bestätigt den täglichen Kleinkrieg im Netz und an den Hotlines: Airlines erweckten immer noch den falschen Eindruck, dass man nur Gutscheine verlangen könne. Hinweise auf die Erstattungsmöglichkeit würden so gut versteckt wie möglich und sind zudem kompliziert formuliert, gelegentlich würden auch unberechtigte Stornogebühren gefordert – ein klarer Rechtsbruch.

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„Einen Gutschein erhält man innerhalb von Minuten, die Erstattungen sollen hingegen Monate dauern. Das kann es nicht sein“, sagt Watermann, der auch nach der Rettung des Lufthansa-Konzerns keine Besserung beobachtet hat. „Leider hat die Lufthansa auch nach der Rettung ihr Verhalten nicht geändert. Es wird mit allen möglichen Tricks, Haken und Ösen versucht, die Auszahlungen zu verhindern.“ Neben den Passagieren sind auch Reisebüros betroffen. Sie warten bislang ebenfalls häufig vergeblich auf das Geld der Airlines, müssen die eigenen Kunden aber befriedigen, sagt der Deutsche Reiseverband. Das gefährde die Existenz vieler Betriebe.

Lufthansa hat eingeräumt, mit dem Shutdown die automatische Erstattung über ihre Buchungssysteme abgeschaltet zu haben. Als Grund dafür nannte sie notwendige Einzelfallprüfungen. Seitdem würden aber die Personalkapazitäten ständig erhöht, um sämtliche Erstattungsanträge bearbeiten zu können. Der Konzern hat angekündigt, den Stau bis Mitte August zu beseitigen. Ende Juni stand mit rund einer Milliarde Euro aber noch rund die Hälfte der Erstattungen aus. Konkurrent Ryanair will Ende Juli 90 Prozent der Fälle vom Tisch haben. Zu langsam, findet Watermann: „Easyjet sind die Einzigen, die es gut machen.“

Zwei-Wochen-Frist setzen

Die Verbraucherzentrale Bremen rät Betroffenen, die Rückzahlung schriftlich und mit einer zweiwöchigen Frist einzufordern: „Reagiert die Airline gar nicht, haben Sie die Möglichkeit, ein gerichtliches Mahn- oder Klageverfahren zu führen." Rechtsexperte Gerrit Cegielka weist ausdrücklich darauf hin, das Schreiben an die Fluggesellschaft zu richten: "Das Reisebüro ist nur Vermittler. Nach Ablauf der zweiwöchigen Frist kann man die weiteren Schritte angehen. Auch wer keine Rechtsschutzversicherung hat, kann einen Anwalt beauftragen und die Kosten dafür im Verfahren geltend machen." Auf alle Fälle sei nun das Ende der Geduld erreicht.

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