Entwicklungszentrum Ecomat

Forschen für neue Werkstoffe

Richtfest am neuen Entwicklungszentrum Ecomat in Bremen: Ab Frühjahr 2019 sollen 500 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft dort einziehen und die Schlüsseltechnologie Leichtbau weiterentwickeln.
25.05.2018, 17:56
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Forschen für neue Werkstoffe
Von Peter Hanuschke
Forschen für neue Werkstoffe

Ab Frühjahr 2019 sollen etwa 500 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft ins neue Entwicklungszentrum Ecomat in der Airport-Stadt einziehen und die Schlüsseltechnologie Leichtbau weiterentwickeln.

Kuhaupt

Bislang wurde schwer gearbeitet – die Betondecken sind eingezogen, der Rohbau steht. Künftig soll es im neuen Gebäude an der Cornelius-Edzard-Straße in direkter Nähe zu Airbus in der Airport-Stadt aber viel "leichter" zugehen: Im neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum Ecomat (Center for Eco-efficient Materials & Technologies) sollen ab Frühjahr 2019 etwa 500 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft aus verschiedenen Bereichen und Disziplinen gemeinsam unter einem Dach an neuen Entwicklungen zur Schlüsseltechnologie Leichtbau arbeiten und forschen. Am Donnerstag wurde Richtfest gefeiert – "der letzte große Meilenstein, bevor im Frühjahr wie geplant der Betrieb losgeht", sagte Michael Göbel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB).

Die WFB ist Investor des Projekts. Die Investitionen über etwa 58 Millionen Euro sollen über die Vermietung refinanziert werden. Hauptmieter ist Airbus. Aktuell liegt der Vermietungsgrad laut WFB bei 85 Prozent. "Wir verhandeln mit weiteren Interessenten", so Göbel. Etwa 22000 Quadratmeter stehen fürs Experimentieren und Forschen zur Verfügung. Neben der Airbus-Gruppe als zentralem Hauptmieter und dem Faserinstitut Bremen gehören industrielle Partner wie Daimler, mittelständische Unternehmen wie die Broetje-Automation GmbH und wissenschaftliche Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu den künftigen Nutzern.

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Das Ecomat sei das zentrale wirtschaftspolitische Vorhaben des Landes Bremen mit hoher Bedeutung für den Standort, sagte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), bevor der Richtkranz per Kran nach oben gezogen wurde. "Leichtbau ist in Deutschland eines der Zukunftsthemen, das wir hier in Bremen vorantreiben können." Bremen sei dafür prädestiniert. Denn Leichtbau sei eine Schlüsseltechnologie sowohl für die Luft- und Raumfahrt als auch für den Auto-, Schiff- und Windanlagenbau – alles Industrien, die in Bremen stark vertreten seien.

"Das Gebäude des Ecomats ist die Hülle fürs Gehirn", sagte Günthner und griff damit den Vergleich auf, den Airbus-Standortleiter André Walter bei der Grundsteinlegung vor eineinhalb Jahren benutzte. Und das Hirn arbeite bereits jetzt schon, sagte Walter. Die verschiedenen Programme seien schon gestartet, damit im Frühjahr gleich richtig losgelegt werden könne.

Wann erste Forschungsergebnisse zu erwarten seien, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten, sagte Walter auf Nachfrage des WESER-KURIER. Über Entwicklungszeiten zu spekulieren, sei schwierig. "Wir können die Gesetzmäßgikeiten der Naturwissenschaften ja nicht einfach austricksen." Grundsätzlich könne man aber sagen, dass es etwa zwei bis drei Jahre dauere, bis ein neuer Werkstoff, der nahe an der industriellen Reife sei, in einen Produktionsprozess integriert werden könne. Dieser Zeitraum werde für umfangreiche Tests und Auswertung der Daten benötigt.

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"Erst, wenn wir absolut sicher, dass dieser Werkstoff die Anforderungen erfüllt, kann es losgehen", so Walter. Gerade im Flugzeugbau sei das zwingend notwendig. "Wir können ja nicht mal eben rechts ranfahren und mal eben etwas korrigieren." Walter ist auf jeden Fall überzeugt davon, dass das Ecomat einen wichtigen Beitrag leisten wird, die Schlüsseltechnologie für den Standort Deutschland zu sichern.

Senator Günthner betonte in diesem Zusammenhang auch noch einmal die überregionale Bedeutung des Vorhabens: „Mit einem gemeinschaftlichen Positionspapier haben die norddeutschen Länder unter Bremer Federführung das Thema erfolgreich im Koalitionsvertrag des Bundes platziert." Um dieses wichtige Innovationsfeld auch in den nächsten Jahren zu stärken, werde Bremen im Rahmen seiner Vorsitzfunktion Leichtbau zum Leitthema der Konferenz der Wirtschaftsminister aus Bund und Ländern im nächsten Jahr machen.

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