Werk in Bremen Frist für Borgward läuft ab

Bis Ende des Jahres ist im Güterverkehrszentrum ein Grundstück für Borgward reserviert. Bislang sieht es aber nicht danach aus, dass das Unternehmen noch zugreift. Steht das Borgward-Werk vor dem Aus?
17.12.2018, 21:56
Lesedauer: 3 Min
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Frist für Borgward läuft ab
Von Stefan Lakeband

Der Bau eines Borgward-Werks in Bremen wird immer fraglicher. Weil das Unternehmen noch immer keine Entscheidung getroffen hat, ob es eine Fertigung in Bremen bauen will oder nicht, unternimmt das Land nun den nächsten Schritt. Die Reservierung für das Grundstück im Güterverkehrszentrum (GVZ) wird zum Jahreswechsel aufgehoben. Damit ist der Weg frei für andere Interessenten.

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die für die Vermarktung von Gewerbeflächen zuständig ist, bestätigt die Frist. „Das Grundstück ist noch bis Ende des Jahres reserviert“, sagt Sprecherin Andreas Bischoff. Danach könne das Areal auch an andere Unternehmen vermarktet werden. „Wir sind aber weiter an einer Ansiedlung von Borgward interessiert“, ergänzt Tim Cordßen, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD).

Baubeginn wurde immer weiter nach hinten verschoben

2017 hatte sich Borgward nach längerer Suche dazu entschieden, auf dem 140 000 Quadratmeter großen Grundstück im Bremer Südwesten ein Werk zu errichten, um vorgefertigte Autoteile aus China zusammenzubauen. „Unsere Fertigung in Bremen wird das weltweite Kompetenzzentrum für Elektromobilität“, sagte der damalige Borgward-Chef Ulrich Walker. Zudem sollten auf dem Areal im GVZ auch eine Teststrecke und ein Borgward-Museum entstehen; 100 Arbeitsplätze hätten dadurch geschaffen werden sollen.

Passiert ist in den vergangenen Jahren jedoch fast nichts: Eigentlich sollte der Bau des Werks Anfang 2018 beginnen, nächstes Jahr hätten dann die ersten Borgwards vom Band rollen sollen. Der geplante Baubeginn wurde aber immer weiter nach hinten verschoben – und in diesem Sommer dann komplett infrage gestellt. „Wenn wir uns für eine Fertigung in Deutschland entscheiden, wird Bremen der Standort sein“, sagte ein Unternehmenssprecher im August dem WESER-KURIER. Die Einschränkung durch das Wort „Wenn“ hatte es zuvor noch nicht gegeben.

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Erst hieß es, die chinesische Regierung müsse den Bau der Fertigung noch prüfen, da ab einer bestimmte Höhe Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland genehmigt werden müssen. Dann wurde zusätzlich der Handelsstreit zwischen der EU, China und den USA angeführt, wodurch eventuell Zölle auf die Fahrzeuge von Borgward fällig würden. Außerdem sucht der Mutterkonzern Foton gerade einen neuen Mehrheitseigner für Borgward.

67 Prozent der Traditionsmarke stehen aktuell zum Verkauf. Bevor der gefunden ist, dürfte eine Entscheidung zum Bau des Bremer Werks unwahrscheinlich sein. Trotzdem sei das Interesse der Firma Borgward an einem Standort in Bremen groß, sagt Cordßen. Das habe die Foton-Führung bei einem Treffen mit Wirtschaftssenator Günthner und WFB-Chef Andreas Heyer Ende August in Peking noch einmal bekräftigt.

Wechsel des Vorstandsvorsitzenden

Bei dieser Zusammenkunft habe man aber auch festgelegt, dass das Grundstück noch bis Ende des Jahres für den Autobauer reserviert sein soll. „Allen Seiten ist klar, dass man so eine Reservierung nicht unendlich lange aufrechterhalten kann“, sagt Cordßen. Im Nachgang habe der Wirtschaftssenator auch noch einmal einen Brief an den Foton-Vorstand geschrieben und versichert, dass ein Aufheben der Reservierung nicht bedeute, dass man in Bremen kein Interesse mehr an Borgward hätte.

Borgward selbst war am Montag telefonisch nicht erreichbar und hat eine Anfrage per E-Mail vom Freitag unbeantwortet gelassen. Zuletzt hatte man jedoch immer betont, Bremen sei der richtige Standort für eine Fertigung. Inwieweit eine wichtige Personalie Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen die Hansestadt hat, ist unklar: Anfang November hatte Philip Koehn als Vorstandsvorsitzender nach nur fünf Monaten gekündigt – aus „persönlichen Gründen“ wie aus dem Umfeld des Unternehmens heißt. Sein Nachfolger ist ­Xiuzhan Zhu. Der Chinese lebt seit 20 Jahren in Deutschland und ist seit dem Start der Borgward-Gruppe im Jahr 2015 dabei. Er ist bestens mit den Bremen-Plänen des Autobauers vertraut.

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Im Sommer dieses Jahres hatte das erste Modell der wiederbelebten Markte, der BX7 TS, Premiere auf dem deutschen Markt. Konkrete Verkaufszahlen nennt das Unternehmen nicht. Man sei zufrieden, war zuletzt lediglich zu hören. Zum zweiten Modell, das im Dezember auf den deutschen Markt hätte kommen sollen, gab es bislang noch keine offizielle Ankündigung. Auch die Pläne, Autos künftig über eine Internetplattform des Mietwagenkonzerns Sixt zu verkaufen, haben sich zerschlagen. Die Zusammenarbeit mit Sixt stehe nicht mehr im Fokus, sagte ein Borgward-Sprecher Ende November.

Auch auf dem Heimatmarkt China haben sowohl der Mutterkonzern als auch Borgward selbst offenbar Probleme. So hat Foton zuletzt deutlich weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor. Borgward hat zudem Verluste gemacht. In den ersten neun Monaten des Jahres waren es laut Foton 215 Millionen Euro. Zwar hat das Unternehmen in China im September und Oktober mehr als 5500 Autos verkauft und sich damit etwa 150 Prozent im Vergleich zu den Vormonaten gesteigert. Allerdings waren die Verkäufe zuvor auch deutlich gesunken.

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