Weißmantel & Vogelsang vertritt Ufo

Flugbegleiter-Gewerkschaft vertraut auf Bremer Anwaltskanzlei

Die Urabstimmung bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo lief bis Freitag um Mitternacht. Wenn Ufo mit der Lufthansa in Frankfurt verhandelt, vertraut sie dabei auf eine Bremer Anwaltskanzlei. Wie es dazu kam.
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Flugbegleiter-Gewerkschaft vertraut auf Bremer Anwaltskanzlei
Von Florian Schwiegershausen
Flugbegleiter-Gewerkschaft vertraut auf Bremer Anwaltskanzlei

David Schäfer arbeitet in Bremen bei der Kanzlei Weißmantel & Vogelsang. Zusammen mit seinem Kollegen Jonas Dalby unterstützt er die Flugbegleitergewerkschaft Ufo in Tariffragen und die Mitglieder auch in arbeitsrechtlichen Fragen.

Schwiegershausen

Die Lufthansa und ihre Mitarbeiter befinden sich in schwierigen Zeiten. Die Fluggesellschaft versucht gerade bei ihrem Personal am Boden und in der Kabine, die Höhe der Gehälter zu drücken. Erst vergangenen Donnerstag brach die Lufthansa die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi zu den Löhnen für das Bodenpersonal ab. Die Airline verlangt nach eigenen Angaben von den verschiedenen Beschäftigtengruppen Einsparungen von 20 Prozent der Personalkosten.

Zur gleichen Zeit rief der Vorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo seine Mitglieder zur Urabstimmung über den Sanierungs-Tarifvertrag auf. Der ausgehandelte Vertrag sieht bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen vor, sofern sich die wirtschaftliche Situation nicht dramatisch verschlechtere. Gerade für langjährige Mitarbeiter bedeuten dieser Tarifvertrag Einschnitte von 20 Prozent und mehr. Dennoch empfahl der Ufo-Vorstand, diesem Kompromiss zuzustimmen. Das taten die Ufo-Mitglieder: Mit einem Ergebnis bei 87,9 Prozent nahem die Lufthanseaten aus der Kabine dieses Krisenwerk an.

Hoher Gesprächsbedarf

David Schäfer von der Bremer Fachkanzlei für Arbeitsrecht, Weißmantel & Vogelsang, sagt, dass gerade in den unsicheren Tagen kurz vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa Ende Juni bei den Ufo-Mitgliedern der Gesprächsbedarf wegen rechtlicher Fragen groß gewesen sei. Denn zwar verhandelt die Gewerkschaft mit der Lufthansa in Frankfurt. Aber die Rechtsanwaltskanzlei, auf die Ufo dabei vertraut, befindet sich in Bremen in der Langenstraße. Anwalt David Schäfer sagt, dass diese Verbindung zu Weißmantel & Vogelsang über viele Jahre gewachsen sei: „Die Kanzlei hatte von Anfang an eine hohe Flugaffinität.“ Die Gründer Liesel Weißmantel und Dirk Vogelsang haben laut Schäfer schon sehr früh begonnen, im Flugbereich die Arbeitnehmerseite zu vertreten. Die ersten Kontakte gab es zur Pilotenvereinigung Cockpit, nachdem die sich gegründet hatte. Dirk Vogelsang hatte sich in dem Zusammenhang auch mit dem Tarifrecht beschäftigt. Aus heutiger Sicht sagt Schäfer: „Das war die Entwicklung, dass immer mehr Berufe ihre eigene Gewerkschaft gründeten. Das war bei den Lokführern so, bei den Medizinern und eben auch bei der Flugsicherung.“ Vogelsang half von Anfang an mit, die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) zu gründen. Dadurch stand die Kanzlei schon von je her auf dem Luftfahrtpfeiler.

Schäfer selbst ist nun seit mehr als 15 Jahren in der Kanzlei tätig. „Diese Emanzipation der Branchengewerkschaften durfte ich von Anfang an in der Flugsicherung mit betreuen“, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht. Daneben sei die Flugbegleitergewekschaft Ufo entstanden und es habe sich ein Kontakt entwickelt. Wenn dann eine solche Spartengewerkschaft gegründet ist und wächst, muss sie sich irgendwann überlegen, was sie im eigenen Hause machen will und was sie extern vergibt. So sagt Schäfer, dass die VC Cockpit inzwischen einen eigenen Stab an Mitarbeitern für das Tarifrecht habe, weshalb die Kanzlei hier nicht mehr gebraucht werde.

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Grundsätzlich geht es bei einer Gewerkschaft auch um die Leistungsfähigkeit der Organisation, wie der Anwalt erläutert: „Sie muss auch in der Lage sein, die Mitglieder auch zum Arbeitskampf zu führen und dies zu organisieren und dann auch die Verträge durchzusetzen, die man erstreitet.“ Bereits bei der Flugsicherung haben die Gerichte laut Schäfer gesagt, dass sie sich die rechtliche Expertise auch extern holen könne und nicht im eigenen Hause verfügbar sein müsse.

So hat die Bremer Kanzlei die Arbeitskämpfe der VC Cockpit 2009 begleitet sowie die nicht stattgefundenen Arbeitskämpfe der Flugsicherung. Von 2012 bis 2014, als es zu den ersten Kabinenstreiks bei der Lufthansa kam, waren Weißmantel & Vogelsang ebenso im Hintergrund für die Gewerkschaft Ufo dabei. Der Arbeitskampf führte im Sommer 2014 zur Tarifvereinbarung „Agenda Kabine“. Um die rechtliche Absicherung kümmerte sich damals David Schäfer, Dirk Vogelsang kümmerte sich um die Tarifarbeit und nahm auch an den Schlichtungen teil. In den verschiedenen Auseinandersetzungen kam es auch zu Gesprächen mit Schleswig-Holsteins ehemaliger Ministerpräsidentin Heide Simonis oder dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup.

Ein Verbindungsbüro in Frankfurt

Durch die enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften übernahm die Bremer Kanzlei schließlich auch den Mitgliederrechtsschutz bei den Fluglotsen und den Flugbegleitern. Ein Verbindungsbüro besteht deshalb am Frankfurter Flughafen. Das diene dazu, um vor Ort Präsenz zu zeigen. Vieles laufe hier heutzutage über Mail, sodass man den Klienten durchaus nicht zu Gesicht bekomme.
Das sei aber völlig in Ordnung, sagt Schäfer: „Gerade die Flugbegleiter sind durch ihre Arbeit hypermobil und viel unterwegs. Daher kontaktieren sie uns meist elektronisch und erwarten dann aber auch oft eine schnelle Antwort. Das können wir aber leisten.“ Das führe aber eben dazu, dass es laut Schäfer den Flugbegleitern egal ist, dass die Kanzlei in Bremen ihren Sitz hat. Kommt es zu Prozessen vor dem Arbeitsgericht, ist das dann oft in Frankfurt wegen des Firmensitzes der Lufthansa.

Für die Arbeit ist Schäfer viel unterwegs und fliegt dabei auch viel. Dabei hat er in der Kabine schon einige Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter getroffen, die er vertreten hat: „Wenn ich dann den Nachnamen auf dem Namensschild lese und mich an den Namen erinnere, sage ich ihnen das, weil wir ja oft nur per E-Mail kommuniziert haben und uns nie persönlich begegnet sind.“ Für Schäfer ist das dann ein schönes Gefühl: „Ich sehe, die Person arbeitet noch immer in der Kabine, also habe ich die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung für sie erfolgreich geführt.“ Jetzt rund um die Urabstimmung habe es von den Ufo-Mitgliedern weniger Anfragen gegeben. Schäfer und seine Kollegen sind auf alles vorbereitet – auch auf den schlimmsten Fall, dass die Lufthansa trotz aller Verträge Mitarbeiter entlassen will.

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