Made in Niedersachsen Für einen besseren Schlaf

Die Firma Thomas in Bremervörde entwickelte 1957 den ersten Lattenrost der Geschichte. Heute hat sich der Lattenrost als Standard in vielen Haushalten etabliert. Wie Rückenschmerzen zur Idee führten.
10.09.2017, 06:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Serena Bilanceri

Manchmal werden große Erfindungen aus der Not heraus geboren. Im Fall des Lattenrostes war es der Rückenschmerz, der den Erfindungsgeist von den Möbeltischlern Karl und Wilfried Thomas und dem Schweizer Ingenieur Hugo Degen 1957 anregte.

Karl Thomas, der 1935 in Bremervörde den Betrieb „Karl Thomas Möbelwerkstätten“ gegründet hatte, kam nach dem Bandscheibenvorfall einer Bekannten auf die Idee, einen rückenfreundlichen Bettenrost zu entwickeln. Bis in die 50er Jahre benutzte man in Deutschland und der Schweiz oft Federroste oder Sprungfederrahmen mit Drahtgeweben oder Stahlfedern als Stütze für die Matratze.

Diese Konstruktionen waren jedoch nicht sonderlich günstig für den Rücken, da die Flexibilität fehlte, erzählt Boris Thomas, Enkel des damaligen Erfinders. Mithilfe von Orthopäden entwickelte schließlich das Team um Thomas und Degen den Lattenrost, der in seiner ursprünglichen Variante aus Holzleisten bestand. Er wurde schließlich unter der Marke „Lattoflex“ auf den Markt gebracht.

Ein Drittel aller verkauften Lattenroste hat einen Motor

Heutzutage werden Lattenroste in verschiedenen Versionen und aus mehreren Materialen produziert. So kann in einigen Modellen das Kopf- oder das Fußteil verstellt werden. Außerdem sind in manchen Varianten die Holzleisten durch flexiblere, kleinere Plastikteile ersetzt worden.

Und mit den technischen Entwicklungen kam auch die Motorisierung der Rahmen, die per Fernsteuerung verstellt werden können. „Etwa ein Drittel aller Lattenrosten, die wir verkaufen, hat einen Motor“, sagt Boris Thomas. Nicht nur die Alterung der Gesellschaft trage zu dessen Beliebtheit bei.

Immer mehr Menschen würden gern das Bett nutzen, um fernzusehen oder den Laptop zu benutzen. Dabei sei die Möglichkeit, die Position des Kopfteils mit Fernbedienung oder Smartphone fernzusteuern, von Vorteil. Aus dem damaligen Betrieb ist heute eine Unternehmensgruppe entstanden.

Familienunternehmen in dritter Generation

Doch wer auf dem Weg dorthin nicht aufpasst, der riskiert die Einfahrt zum Produktionsstandort der „Thomas GmbH + Co. Sitz- und Liegemöbel“ mitten im niedersächsischen Grün zu verpassen. Zwischen Bäumen und Feldern, am Rande von Bremervörde liegt die Firma, die den Schlaf vieler Deutschen im Kleinen revolutioniert hat.

Thomas, der das Familienunternehmen in dritter Generation leitet, erzählt immer wieder gern die Geschichte seines Opas und der Erfindung des Lattenrosts. Am Eingang hängen noch die alten Werkzeuge aus Holz und Eisen, mit denen Karl Thomas Anfang des 20. Jahrhunderts Möbel angefertigt hat.

Heute werden die einzelnen Teile in China produziert und in Deutschland je nach Modell und Kundenwunsch zusammengebaut. Der Lattenrost wird hauptsächlich immer noch unter der Marke Lattoflex vertrieben, genauso wie ein großer Teil der Matratzen, die in dem Standort zusammengestellt und genäht werden. „Ungefähr 3500 Varianten stellen wir her“, sagt Boris Thomas.

180 Mitarbeiter am Standort Bremervörde

In den Hallen der Firma stapeln sich Schaumstoffplatten unterschiedlicher Farben. „Wir benutzen die verschiedenen Farben, um den Härtegrad zu unterscheiden, es ist einfacher“, erläutert Thomas. Je nach Körperteil, das darauf ruhen solle, stellen die Mitarbeiter sie dann zusammen. Anschließend werden sie an riesigen Nähmaschinen genäht.

„Etwa 180 Mitarbeiter hat das Unternehmen am Standort Bremervörde, weltweit sind es zusammen mit Tochterunternehmen 210“, so Thomas. In Deutschland hat sich der Lattenrost in den Jahren als führender Bettenrost etabliert. Mittlerweile ist die Unternehmensgruppe auch in Asien und den USA vertreten.

„Mehr als zehn Millionen Stück haben wir seit 1957 produziert“, merkt er an. Die Firma produziere mittlerweile nur auf Bestellung. „Aber die ersten zehn Jahre waren sehr schwer“, sagt er. In den 60ern sei das Interesse an Gesundheitsprodukten in diesem Bereich nicht sonderlich groß gewesen. Doch dann könnte sich die Technik etablieren.

Potenzial im Bereich Schlaftrekking

„Der Markt ist grundsätzlich gut entwickelt“, sagt Thomas. Schließlich nehme durch die Alterung der Gesellschaft auch die Zahl der Menschen mit Rückenproblemen zu. „Aber er sättigt sich langsam auch“, sagt er. Deshalb wolle er das Unternehmen zukünftig in zwei Richtungen steuern: Zum einen widme er sich verstärkt dem asiatischen und amerikanischen Markt, zum entwickle er neue Produkte für den europäischen Markt.

„Vor allem im Bereich Schlaftrekking gibt es ganz viel Potenzial“, sagt Thomas. Damit ist gemeint, Daten über die eigenen Schlafgewohnheiten zu sammeln. Das sei heutzutage ganz einfach, sagt Thomas. Das Problem sei nur, das viele nicht wissen, die Daten richtig anzuwenden. „Wie bekommt man aus den Daten Informationen, Tipps und Ratschläge, um den Schlaf zu verbessern?“ Das Ziel sei immer noch, genauso wie vor vielen Jahren, dass man erholsam schlafen könne.

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