Produktion von Heimtiernahrung in Bremen und umzu Futter-Hersteller machen Milliardenumsätze

Bremen. Die Tierliebe der Deutschen hat sehr konkrete Folgen für das Bruttosozialprodukt in der Region. Die abermillionen Haustiere wollen gut gefüttert sein. In Bremen und umzu sitzen einige der erfolgreichsten Hersteller von Heimtiernahrung.
26.10.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Die Tierliebe der Deutschen hat sehr konkrete Folgen für das Bruttosozialprodukt in der Region. Die über acht Millionen Katzen, fünf Millionen Hunde sowie Abermillionen an Ziervögeln, -fischen und domestizierten Nagetieren der Nation wollen gut gefüttert sein. In Bremen und umzu sitzen einige der erfolgreichsten Hersteller von Heimtiernahrung. Allein diese lokalen Akteure setzen mittlerweile Milliardenbeträge um und beschäftigen Tausende Menschen.

Im Sekundentakt rollen Paletten voller Dosenfutter in das stadiongroße Hochregallager. Computergesteuerte Kräne greifen sich die Fracht und befördern sie beinahe geräuschlos auf eines der turmhohen Regale. Hunderttausende Tonnen Heimtiernahrung, in erster Linie Nassfutter für Hunde und Katzen, werden auf diese Weise bei saturn petfood am Bremer Güterverkehrszentrum zwischengelagert. Das Unternehmen gilt als einer der größten Nassfutterhersteller Europas und produziert in der Hansestadt Handelsmarken von Discountern und Drogerien.

Saturn petfood ist Teil der Heristo-Unternehmensgruppe aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde. Vor 20 Jahren entschied sich der Konzern, den Tierfutterhersteller in Bremen anzusiedeln. "Wir standen damals vor der Frage, ob wir uns nahe beim Kunden oder nahe an unseren Lieferanten niederlassen", sagt Heinz-Josef Elmerhaus, der das Unternehmen aufbaute und heute noch berät. Die Entscheidung sei schließlich zugunsten der Hansestadt ausgefallen, weil der essenzielle Rohstoff Fleisch dort direkt vor der Haustür gezüchtet werde. "Die norddeutsche Tiefebene hat die mit Abstand größte Mastdichte Europas", erklärt Elmerhaus. Aber auch die Nähe zum Güterverkehrszentrum sei für das Unternehmen, das teilweise Lieferfristen von 24 Stunden einhalten muss, ein entscheidender Faktor gewesen.

Der Umsatz von saturn petfood ist seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1989 ständig gewachsen. Mittlerweile erwirtschaftet das Unternehmen 450 Millionen Euro im Jahr und beschäftigt an seinem Bremer Standort 430 Mitarbeiter.

Der Wegbereiter des Marktes für Heimtiernahrung in Deutschland sitzt 50 Kilometer weiter südöstlich in Verden. Dort unterhält seit einem halben Jahrhundert der US-amerikanische Nahrungsmittelkonzern Mars seine größte Heimtiernahrungsfabrik in Kontinentaleuropa. Seit 2007 ist in der Allerstadt auch die Europazentrale des weltweit größten Tiernahrungsherstellers angesiedelt. Über 1000 Mitarbeiter produzieren dort Jahr für Jahr rund 250000 Tonnen Hunde- und Katzenfutter. Branchenkenner schätzen den Jahresumsatz der Unternehmenssparte auf rund eine Milliarde Euro.

Mars hat in den Deutschen erst das Bedürfnis geweckt, ihren Haustieren ein spezielles Futter anzubieten. Davor war es üblich, dass Hunde und Katzen Reste der menschlichen Mahlzeiten oder Schlachtabfälle verzehrten. Erst die Amerikaner bereiteten durch geschicktes Marketing den Markt für das heute übliche Heimtierfutter. Unter anderem hat das Unternehmen die Marken Whiskas, Pedigree, Sheba und Kitekat.

Im Schatten von Mars sitzt ebenfalls in Verden die Finnern GmbH & Co. KG. Konkurrenz will der 1983 gegründete Familienbetrieb mit seinen 20 Mitarbeitern dem großen Nachbarn allerdings nicht machen. Das Unternehmen besetzt eine Nische, indem es sich auf die Herstellung von besonders hochwertigem Tierfutter spezialisiert hat. So bekommen Haustiere, deren Besitzer sich für Finnern-Produkte entscheiden, Fisch aus Thailand, Pasteten aus Kanada oder Lammfleisch aus Neuseeland in den Napf. Die Firma beliefert ausschließlich den Fachhandel.

Ein weiterer Pionier der Heimtiernahrung ist Vitakraft. Vor über 160 Jahren legte Heinrich Wührmann in Heiligenrode bei Bremen den Grundstock für das heutige Unternehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich Vitakraft zu einem der wichtigsten Hersteller für Heimtiernahrung in Deutschland. Zwar produziert auch Vitakraft Snacks für Hunde und Katzen, profiliert hat sich das Unternehmen allerdings durch seine große Futter- und Zubehörauswahl für Nager, Fische, Pferde oder Vögel. Auch heute noch befindet sich das Unternehmen in Familienhand. In weltweit 20 Ländern ist Vitakraft mit Tochterfirmen oder Niederlassungen vertreten und erwirtschaftete zuletzt 300 Millionen Euro Jahresumsatz. Auf 2000 Beschäftigte ist die Belegschaft mittlerweile angewachsen. 900 Mitarbeiter hat das Unternehmen allein in Deutschland.

Der Markt für Heimtiernahrung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich umkämpfter geworden. Hatte etwa Mars lange Jahre beinahe eine Monopolstellung beim Nassfutter inne, müssen sich die Verdener heute einer wachsenden Konkurrenz erwehren. "Trotzdem kann man mit Heimtiernahrung nach wie vor gutes Geld verdienen", sagt ein Branchenkenner.

Beim Ringen um Marktanteile sind für die Unternehmen zwei Faktoren ausschlaggebend: Das Produkt muss sowohl das Tier als auch seine Besitzer überzeugen. Die eigentlichen Konsumenten sind dabei bisweilen einfacher zu überzeugen als deren Herrchen und Frauchen, weiß Heinz-Josef Elmerhaus von saturn petfood. Neue Produkte seines Unternehmens durchlaufen erst einmal sogenannte Akzeptanztests, bevor sie in den Handel kommen. Dabei bekommen Dutzende Tiere verschiedene Futtervarianten vorgesetzt. Marktreif ist ein Produkt erst dann, wenn es den meisten anderen Futterangeboten vorgezogen wurde.

Eine beinahe ebenso große Rolle spielen allerdings die Tierbesitzer. Da sie diejenigen sind, die die Kaufentscheidung treffen, gilt es in gewisser Weise auch ihren Geschmack zu treffen. Zum einen spielt dabei die Aufmachung von Verpackung und Werbung eine tragende Rolle. Andererseits muss aber auch das Futter selbst einige Standards erfüllen. "Es sollte auf jeden Fall appetitlich aussehen und nicht abstoßend riechen", erklärt Elmerhaus.

Der gelernte Metzger und Lebensmitteltechnologe hadert ein wenig mit dem negativen Image, das der Heimtiernahrung bisweilen anhaftet. Mitunter werde behauptet, im Nassfutter landeten Abfälle und minderwertiges Fleisch. Tatsächlich würden in den allermeisten Betrieben nur Rohstoffe verarbeitet, die auch als Lebensmittel für Menschen zugelassen seien. Gerade Katzen hätten ein feines Näschen, sagt Elmerhaus. "Die würden sofort merken, wenn wir ihnen schlechtes Essen vorsetzen."

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