Galileo-Satelliten

Galileo-Auftrag geht nicht an Bremer Raumfahrtkonzern OHB

Bei der Vergabe für den Bau der zweiten Generation der Galileo-Satelliten fürs europäische Navigationssystem mit einem Volumen von einer Milliarde Euro ist der Bremer Raumfahrtkonzern OHB leer ausgegangen.
20.01.2021, 21:05
Lesedauer: 3 Min
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Galileo-Auftrag geht nicht an Bremer Raumfahrtkonzern OHB
Von Peter Hanuschke

„Klar, sind wir enttäuscht und auch überrascht“, sagte OHB-Sprecher Günther Hörbst zur Nichtberücksichtigung des Bremer Raumfahrtkonzerns bei der Ausschreibung für den Bau der zweiten Generation der europäischen Galileo-Navigationssatelliten auf Nachfrage des WESER-KURIER. Das Unternehmen befinde sich deshalb aber nicht in Schockstarre. Zum einen müsse der bisherige Galileo-Auftrag mit noch zwölf zu bauenden Satelliten abgearbeitet werden, und zum anderen habe OHB volle Orderbücher mit einem Volumen von über zwei Milliarden Euro.

Dass das Bremer Raumfahrtunternehmen bei der Vergabe für den Bau der neuen Galileo-Generation leer ausgehen wird, hatte das börsennotierte Unternehmen am Mittwoch per Ad-hoc-Mitteilung öffentlich gemacht. OHB wurde laut Mitteilung durch die Europäische Raumfahrtagentur Esa im Namen der Europäischen Kommission darüber informiert, dass das Angebot der OHB System AG – ein Tochterunternehmen des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB SE – nicht erfolgreich war. Der Auftrag hat ein Volumen von 1,47 Milliarden Euro.

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Schon am Dienstag hatte OHB mit einer Ad-hoc-Mitteilung reagiert. Das „Handelsblatt“ hatte, wie berichtet, geschrieben, dass das OHB-Angebot nicht ausgewählt worden sei. OHB stellte daraufhin klar, dass dem Unternehmen davon nichts bekannt sei und keine entsprechende Vergabeentscheidung vorliege. Der Auftrag soll an den deutsch-französischen Airbus-Konzern und das ita­lienisch-französische Unternehmen Thales Alenia gehen. OHB hatte sich zuvor seit 2010 in drei Galileo-Ausschreibungsrunden durchgesetzt. Zum Esa-Auftrag gehörten sowohl die Entwicklung als auch Bau und Test von insgesamt 34 Satelliten. 22 davon befinden sich bereits im Weltraum und kreisen in etwa 23.000 Kilometern Höhe um die Erde.

Airbus und Thales Alenia Space wollten sich am Mittwoch nicht äußern. Man werde die offizielle Ausschreibungsverkündung, die für den 29. Januar terminiert ist, abwarten und nicht das vorläufige Signal – die Nachricht kam per Post – der EU-Kommission, hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung. Formal befindet sich das Ausschreibungsverfahren bis zu diesem Termin im Status Angebotsphase, in der innerhalb einer Zehn-Tage-Frist beteiligte Unternehmen Einsprüche gegen das Ergebnis vorbringen könnten. Die EU-Kommission geht damit unkomplizierter um: Wer den Auftrag bekommen hat, steht ganz offiziell auf ihrer Homepage.

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Man müsse das Ergebnis akzeptieren, so Hörbst. Überrascht sei man, „weil wir überzeugt davon waren, dass wir ein konkurrenzfähiges Angebot abgegeben hatten“. Das sei sicherlich ein Rückschlag, aber das Unternehmen sei breit aufgestellt im Satellitenbau, sei an vielen europäischen Raumfahrtprogrammen beteiligt und habe sich im Bereich Kommerzialisierung des Datengeschäfts neue Geschäftsfelder erschlossen.

Enttäuscht sei OHB aber nicht nur, weil es um ein ansehnliches Auftragsvolumen gegangen sei, so Hörbst. Die Galileo-Satelliten gehörten einfach mit zur Firmen-Identität. „Der Auftrag zu Entwicklung und Bau der Satelliten hatte uns vor über zehn Jahren in die europäische Dimension der Raumfahrtunternehmen katapultiert“, so Hörbst.

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Sicher, dass der Auftrag an Airbus und Thales Alenia geht, sollen sich beide Unternehmen bis zum Schluss nicht gewesen sein, heißt es aus dem Umfeld. Beide Konzerne sind seit Jahren Schwergewichte im Satellitenbau. Und die Raumfahrtdivision des europäischen Flugzeugbauers Airbus Defence and Space war zwar seinerzeit OHB bei der Ausschreibung unterlegen, hatte aber dennoch eine enge Beziehung zur ersten Galileo-Generation: Das englische Tochterunternehmen SSTL belieferte OHB mit der auch als Herzstück bezeichneten Navigationsnutzlast, die etwa auf Atomuhren und Navigationssignalgeneratoren basiert.

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Zur Sache

Aktie unter Druck

Der Aktienkurs von OHB ging aufgrund der Niederlage des Unternehmens gegen Airbus und Thales Alenia Space hoch und runter und bewegte sich am Mittwoch zwischen 39,20 und 42,60 Euro (Schlusskurs). In den Tagen zuvor kam es vor der Esa-Entscheidung noch zu einer Rallye am Freitag von 38,50 Euro bis zum Rekordkurs von 49,85 Euro. Am Montag lag der Aktienkurs des Bremer Unternehmens noch bei 49 Euro, kam aufgrund der „Handelsblatt“-Meldung aber schon am Dienstag im Tagesverlauf unter Druck und ging in der Nähe des Tagestiefs mit einem Schlusskurs von 43,35 Euro ins Xetra-Handelsende.

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