Schlusslicht bei Stresstest

Gelassene Reaktion bei Hauptakteuren der NordLB

Von den acht analysierten Großbanken aus Deutschland landete die NordLB wegen ihrer für den Krisenfall vorausgesagten schwachen Eigenkapitalquote von nur 7,07 Prozent auf dem letzten Platz.
02.11.2018, 22:33
Lesedauer: 5 Min
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Gelassene Reaktion bei Hauptakteuren der NordLB
Von Peter Mlodoch
Gelassene Reaktion bei Hauptakteuren der NordLB

Die NordLB liegt zu 100 Prozent in der Hand öffentlicher Träger. Hauptanteilseigner ist das Land Niedersachsen.

Julian Stratenschulte/dpa

Die offizielle Verteidigungslinie stand schon seit Tagen fest. Keine große Überraschung, nicht sonderlich dramatisch, Probleme bekannt, aber Besserung längst in Sicht, so und ähnlich lauteten die vorbereiteten Durchhalteparolen bei den Verantwortlichen in Hannover, nachdem die Europäische Bankenaufsicht (EBA) am Freitagabend die Ergebnisse des Stresstests für die Norddeutsche Landesbank (NordLB) bekanntgegeben hatte.

Von den acht analysierten Großbanken aus Deutschland landete die NordLB wegen ihrer für den Krisenfall vorausgesagten schwachen Eigenkapitalquote von nur 7,07 Prozent auf dem letzten Platz. Sie war allerdings auch mit dem im Vergleich zur Konkurrenz dünnsten Kapitalpuffer ins Rennen gegangen. Die EBA hatte 48 Institute in 15 EU-Staaten und Norwegen unter die Lupe genommen. Insgesamt belegte die NordLB den viertschlechtesten Rang.

„Das Ergebnis trägt der Tatsache Rechnung, dass wir in den vergangenen Jahren bekanntlich in großem Umfang Risiken aus dem Schiffsportfolio abgeschirmt haben. Dies war notwendig und sinnvoll, drückt aber natürlich auf die Kapitalausstattung“, erklärte Vorstandschef Thomas Bürkle. „Deshalb ist das Ergebnis zugleich eine klare Bestätigung des Kapitalstärkungskurses, den wir gemeinsam mit unseren Eigentümern eingeschlagen haben und den wir konsequent vorantreiben.“

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„Das Land Niedersachsen ist sich seiner Verantwortung als Mehrheitseigentümer bewusst“, ergänzte der Aufsichtsratsvorsitzende, der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Man prüfe, wie sich das Land Niedersachsen im Rahmen seines Beteiligungsmanagements an einem tragfähigen und zukunftsfesten Konzept mittels einer Kapitalstärkung beteiligen könne.

„Die NordLB ist wichtiger Partner für den Mittelstand. Arbeitsplätze und Landesvermögen zu sichern, ist unsere Zielrichtung.“ FDP und Grüne forderten die rot-schwarze Landesregierung auf, angesichts der EBA-Zahlen schnell für Klarheit über die Reform der Bank zu sorgen. Vor einer notwendigen Kapitalspritze zwischen drei und vier Milliarden Euro ist mittlerweile die Rede.

Ihre gelassene Reaktion ziehen die Hauptakteure aus der Tatsache, dass die EBA für die Prüfung der Widerstandsfähigkeit der Banken gegen drohende Krisen die Bilanzen von Ende 2017 zugrunde gelegt hat. Damals verhagelten eben die vielen faulen Schiffskredite die Zahlen der NordLB; damals schlug auch noch die zum 1. September 2017 vollzogene Komplett-Einverleibung der Bremer Landesbank (BLB) voll durch. Aber: „Seitdem hat sich viel getan; die NordLB steht besser da als vor einem Jahr“, betonte das Ministerium.

Träger suchen seit Monaten nach Investoren

In der Tat: Die tatsächliche Kapitalquote ist im laufenden Jahr leicht auf 12,4 Prozent gestiegen. Das belastete Schiffsportfolio konnte schneller als geplant gesenkt werden; derzeit gelten noch Kredite über 7,7 Milliarden Euro als risikobehaftet. Der Prozess „One Bank“ mit dem angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen schreitet voran.

Von den 1250 Jobs, die bis Ende 2020 wegfallen sollen, sei bereits ein Drittel „fest eingetütet“, sprich durch Altersteilzeit oder Aufhebungsverträge geregelt, heißt es aus der Bank. „Die Integration der BLB befindet sich auf einem guten Weg“, sagte ein Sprecher. In die EBA-Belastungsprobe flossen diese Faktoren allerdings ebenso wenig ein wie der gegenwärtige „Transformationsprozess“ der Bank.

Seit Monaten suchen die Träger nach Investoren, die in das Institut einsteigen und dazu die benötigten Mittel mitbringen. Derzeit läuft ein Bieterverfahren mit mehreren Interessenten – laut Finanzkreisen sind die öffentlich-rechtliche hessisch-thüringische Helaba, die Commerzbank, ein Hedgefonds sowie die drei Finanzinvestoren Apollo, Ceberus und Advent im Rennen. Im Gespräch ist außerdem eine von den Sparkassen bevorzugte Fusion zu einer „Mega-Landesbank“ aus NordLB, Helaba, der Landesbank Baden-Württemberg und dem Fondsdienstleister Deka.

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Vom künftigen Modell hängt ab, ob das Land Niedersachsen seine Mehrheit behalten kann. Dies hatte ­Finanzminister Hilbers Anfang August im Interview mit dem WESER-KURIER noch als Ziel ausgegeben, um den Einfluss auf das für die heimische Wirtschaft wichtige Geldinstitut zu sichern. Bis Ende des Jahres soll eine endgültige Entscheidung fallen. „Das Bieterverfahren mit potenziellen Investoren verläuft planmäßig und vielversprechend“, betonte Vorstand Bürkle.

„Das Land muss die Chance für einen echten Neustart nutzen“, forderte FDP-Finanzexperte Christian Grascha. Dieser sei nur mit einem Investor von außen – ob privat oder eine andere Landesbank – möglich. Notfalls müsse Niedersachsen dafür auch seine Mehrheitsbeteiligung opfern. Auf keinen Fall dürfe das Land wieder eigene Haushaltsmittel in die NordLB pumpen, warnte der liberale Landtagsabgeordnete. „Die Zeit von Bankenrettungen mit Steuergeld muss endlich vorbei sein.“

Christian Grascha kritisierte erneut den Kauf der BLB. „Dadurch hat sich die Schieflage der NordLB verschärft und sind die Probleme gewachsen. Er appellierte an Bank und Ministerium, umgehend ihre genauen Vorstellungen über die Zukunft des Instituts kundzutun: „Wenn alles nur im Ungefähren bleibt, führt das nicht zu einer Beruhigung der Kapitalmärkte.“

"Priorität sollte eine Zusammenarbeit mit anderen Landesbanken haben"

Auch der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Stefan Wenzel, rief Finanzminister Hilbers dazu auf, schnell das Konzept für die Neuaufstellung vorzulegen. „Priorität sollte eine Zusammenarbeit mit anderen Landesbanken haben“, meinte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Landtags. Das schwache Ergebnis im Stresstest komme nicht unerwartet.

„NordLB und Bremer Landesbank haben sich zwischen 2004 und 2012 an Schiffskrediten schwer verhoben.“ Insgesamt habe das Krisenszenario der EBA aber auch ergeben, dass „die Eigenkapitalpuffer der Banken generell zu niedrig“ seien, erklärte Wenzel. Keine Bank dürfe sich in Zukunft mehr auf das Motto „too big to fail“ („Zu groß zum Scheitern“) verlassen. Es sei daher richtig, dass mittlerweile eine Abwicklungsbehörde geschaffen worden sei.

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Zahlen, Daten, Fakten

Die NordLB liegt zu 100 Prozent in der Hand öffentlicher Träger. Hauptanteilseigner ist das Land Niedersachsen mit 59,13. Prozent. Dem Sparkassenverband Niedersachsen gehören 26,36 Prozent, dem Land Sachsen-Anhalt 5,57 Prozent.

Den Rest teilen sich der Sparkassenbeteiligungsverband Sachsen-Anhalt mit 5,28 Prozent und der Sparkassenbeteiligungs-Zweckverband Mecklenburg-Vorpommern mit 3,66 Prozent.

Der Vorsitzender des fünfköpfigen Vorstands ist seit dem 1. Januar 2017 der Volkswirt Thomas Bürkle. Den Posten des Aufsichtsratschefs stellt traditionell das Land Niedersachsen.

Seit Amtsantritt der rot-schwarzen Regierung vor einem Jahr übt Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) die Kontrollfunktion aus. Sein Vize im Aufsichtsgremium ist der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbands Thomas Mang.

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