Banken in Bremen und Niedersachsen

Geldinstitute werben um Vertrauen

Bremen. Seit der Finanzkrise kämpft die Bankenbranche um ihr Image: Das Vertrauen in gute Beratung ist verspielt. Jetzt hoffen die Geldhäuser, dass der jüngste Deutsche-Bank-Skandal die Branche nicht erneut in Mitleidenschaft zieht.
14.12.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Julia Basic und Peter Hanuschke

Bremen. Bank ist nicht gleich Bank. Aber seit der Finanzkrise hat die gesamte Branche mit einem Imageproblem zu kämpfen: Das Vertrauen in gute Beratung hat sie verspielt – mal mehr, mal weniger.

Verschiedene Bankhäuser haben in der Vergangenheit deshalb Millionenbeträge in Imagekampagnen gesteckt. Jetzt hoffen sie, dass der jüngste Deutsche-Bank-Skandal nicht die Branche in Mitleidenschaft zieht.

Schwer überprüfbare Markenbotschaften wie Sympathie sind dreimal so relevant für eine stabile Kundenbeziehung wie die messbare Qualität von Angeboten – das war ein Ergebnis der Studie "Die Marken-DNA von Kreditinstituten" des IMWF-Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung.

Die Deutsche Bank landete bei dieser Image-Untersuchung im Juli im Mittelfeld. Deutlich besser schnitten die regional agierenden Genossenschaftsbanken ab. Dass der jüngste Skandal bei der Deutschen Bank negative Auswirkungen auf die gesamte Branche haben könnte, das befürchtet Ina Malinowski, Sprecherin der Bremer Landesbank, nicht: "Wir sind eine bodenständige Regionalbank und in solche Geschäfte nicht involviert. Das wissen unsere Kunden und sie können das differenzieren."

Gestern gingen die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank weiter. 25 Beschäftigte des Instituts werden verschiedener Delikte wie Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung beschuldigt. Auch Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause sind im Visier der Justiz. Sie sollen rund 300 Millionen Euro zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Umweltzertifikaten erhalten haben.

Ulf Brothuhn, Vorstand der Bremischen Volksbank, sagt zum Banken-Image: "Die gesamte Branche hat an Vertrauen verloren, denn die Berichterstattung der Medien hat keinen Unterschied zwischen Banken, Sparkassen und Volksbanken gemacht." Es sei wichtig, "dass die Kunden den feinen Unterschied zwischen den Großbanken und uns erkennen." Wenn jetzt die Deutsche Bank daherkomme und sage, "wir sollen uns warm anziehen, weil sie jetzt auch ihr Herz für den Mittelstand entdeckt hat, dann kann man sich nur wundern." Denn jetzt stehe die Steuerfahndung vor ihrer Tür. "Und wegen solcher Aktionen müssen wir uns das Vertrauen der Kunden jeden Tag neu erarbeiten."

Zum Deutsche-Bank-Skandal sagt Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel: "Mich überrascht das überhaupt nicht – ich habe schon immer gesagt, dass es mit diesen Karussell-Geschäften, also dem Handel mit Umweltzertifikaten, Probleme geben wird." Dieser Handel sei einfach nicht kontrollierbar. Es wäre bedauerlich, wenn jetzt alle Banken durch diesen Vorfall abgestraft würden. "Gerade die Banken in Bremen haben solche Instrumente, wie sie sich die Deutsche Bank gebastelt hat, nicht."

"Die Kunden in Bremen beurteilen das Auftreten unserer Mitarbeiter vor Ort, und deshalb müssen wir uns wie ein ehrbarer Kaufmann präsentieren", sagt Stefan Burghardt, stellvertretender Vorsitzender des Bremer Bankenverbandes. "Wenn wir so nicht immer aufgetreten wären, hätten wir jetzt große Probleme." Natürlich seien die Krise und das damit einhergehende Reputationstief noch nicht ausgestanden. Von einem Grundmisstrauen spüre man in Bremen aber nichts.

Das Image sei insgesamt nicht gut und werde durch solche Vorfälle nicht besser, so Nils Andresen, Sprecher der Bremer Sparkasse: "Dennoch haben wir uns vergleichsweise wacker geschlagen." Das liege sicherlich auch am Geschäftsmodell, "nah am Kunden zu sein, sich regional und an der Realwirtschaft zu orientieren. Außerdem haben wir gar keine Investmentsparte."

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