Geschäft in Pandemie geschrumpft

Dämpfer für Bremer Raumfahrtkonzern OHB

Die Corona-Krise bringt auch in der Raumfahrt einiges durcheinander. Wie sehr, das zeigt sich am Bremer Familienunternehmen OHB.
11.08.2020, 12:29
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Von Stefan Lakeband
Dämpfer für Bremer Raumfahrtkonzern OHB

Das Archivfoto zeigt, wie OHB-Techniker im Reinraum in Bremen Tests an den Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo machen.

Ingo Wagner/dpa

Die Corona-Krise bringt auch in der Raumfahrt einiges durcheinander. Wie sehr, das zeigt sich am Bremer Familienunternehmen OHB. Ihm machte vor allem zu schaffen, dass an seinem Standort in Norditalien – eine Region, die besonders schlimm von der Pandemie betroffen war – zeitweise nicht gearbeitet werden konnte.

Diese und andere Einschränkungen schlagen sich nun im Ergebnis für das erste Halbjahr nieder, das OHB am Dienstag vorlegte. Am deutlichsten zeigt sich der Effekt beim Umsatz: Der ist im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2019 um zehn Prozent zurückgegangen – von fast 412 Millionen Euro auf nun etwa 370. Hoffen lässt aber eine andere Kennzahl.

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Das operative Ergebnis vor Abzügen wie Steuern wurde in den ersten sechs Monaten minimal gesteigert und liegt nun bei 36,6 Millionen Euro. Noch im Februar hatte OHB für 2020 mit einer Gesamtleistung von 1,1 Milliarden Euro und einem Vorsteuerergebnis von 88 Millionen Euro gerechnet. Ob diese Prognose beibehalten werden kann, ist noch nicht klar. Die Lage sei in der Pandemie so unsicher, dass man diese Kennziffern derzeit „weder bestätigen noch widerrufen“ könne, heißt es in einer Mitteilung.

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Wegen der unsicheren Lage hat OHB schon vor Monaten Maßnahmen ergriffen, um das Geschäft abzusichern. So wurde die Dividende für die Aktionäre gestrichen und verbleibt damit im Unternehmen. Gleichzeitig hätten interne Sparmaßnahmen gegriffen.

Alle Hürden hat das Unternehmen damit aber noch nicht beseitigt. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat die Augsburger OHB-Tochter MT Aerospace Probleme durch die Mitarbeit an der neuen Ariane-6-Rakete (wir berichteten). Denn durch die Corona-Pandemie hat sich der Erstflug der europäischen Trägerrakete immer weiter nach hinten verschoben – das belastet den Zulieferer. Gleichzeitig habe sich der Markt so stark gewandelt, dass es so aussieht, als könne die ursprünglich erwartete Zahl an Aufträgen nicht erreicht werden. „Wenn der Umsatz fehlt, müssen wir an den Kosten drehen“, sagte MT-Aerospace-Chef Hans Steininger im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Konkret heißt das: Etwa 100 Beschäftigte könnten von den Einsparungen betroffen sein, viele davon in Augsburg, einige auch am Standort Bremen.

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Insgesamt sei die Lage der Luft- und Raumfahrt aber stabiler als in anderen Branchen, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Die Raumfahrtprojekte seien langfristig angelegt, die Auftraggeber meist Staaten oder Institutionen.

So hat OHB erst vor wenigen Wochen einen wichtigen Vertrag mit der europäischen Weltraumagentur Esa unterzeichnet. Für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus – neben dem Satellitennavigationsprogramm Galileo das zweite Flaggschiff der europäischen Raumfahrt – baut das Bremer Unternehmen zwei Satelliten, die erstmals den durch menschliche Aktivitäten verursachten Ausstoß von Kohlenstoffdioxid gezielt messen sollen. Der Gesamtwert des Auftrags liegt bei rund 445 Millionen Euro. Mithilfe dieser Daten sollen Politiker Entscheidungen treffen, um etwa auf den Klimawandel zu reagieren. Finanziert wird das Programm von der EU und der Esa. Der feste Auftragsbestand des Konzerns ist aber mit 1,5 Milliarden Euro deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum. Da hatte OHB Aufträge im Wert von zwei Milliarden Euro in den Büchern.

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