Bremer Traditionsunternehmen Geschäftsführer der Firma Domeyer sind Unternehmer des Jahres

Die beiden Geschäftsführer des Bremer Mittelständlers Domeyer sind die Unternehmer des Jahres. Sie beliefern unter anderem Feuerwehren in der Region - vom Knopf für die Uniform bis zum Einsatzwagen.
22.05.2019, 19:42
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Geschäftsführer der Firma Domeyer sind Unternehmer des Jahres
Von Stefan Lakeband

Für eine Chefin eines Bremer Traditionsunternehmens sei sie recht exotisch, sagt Heidi Armbruster-Domeyer. Weder komme sie aus der Hansestadt noch gehöre sie zur leiblichen Familie. Dann auch noch der Doppelname. Trotzdem: Die 46-Jährige ist angekommen und fühlt sich wohl. Seit 2014 ist sie Geschäftsführerin von Domeyer, übernommen hat sie das Unternehmen von ihrem Schwiegervater.

Der hatte eigentlich den Plan schon aufgegeben, die Firma an die nächste Generation weiterzugeben. Sowohl Töchter als auch der Sohn wollten lieber etwas anderes machen. Interesse an dem Mittelständler, der unter anderem Feuerwehren ausrüstet und für den Brandschutz auf Luxusjachten und Kreuzfahrtschiffen zuständig ist, hatten sie zwar schon. Aber das Unternehmen gleich übernehmen? Lieber nicht. Dass Domeyer nun doch weiter in Familienhand ist, kann man als „glückliche Fügung“ bezeichnen. So nennt es Heidi Armbruster-Domeyer jedenfalls.

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Sie promoviert im Fach Ökonomie, merkt dann aber, dass ihr das Klein-Klein im Wissenschaftsbetrieb auf Dauer nicht gefallen wird. Sie möchte Abwechslung. Im Gespräch mit ihrem Schwiegervater, Enkel des Unternehmensgründers, merkt sie: Die Tätigkeit im Familienbetrieb kann ihr die Vielfalt bieten, die sie gerne hätte. Dann sagt der Schwiegervater die magischen Worte: Mach du das mal. „Da hab ich zugegriffen“, erzählt die zweifache Mutter.

Nach diesem Entschluss geht es in Zwei-Jahres-Schritten weiter: 2012 fängt sie im Unternehmen an; 2014 wird sie Geschäftsführerin, 2016 Gesellschafterin. Dass ihr Einstieg so geregelt lief, hat mehrere Gründe. Von Anfang an sei klar gewesen, dass sie die Geschäfte irgendwann leiten sollte. Auch der Schwiegervater sei eine große Hilfe gewesen. An seinem letzten Arbeitstag habe er die Firma komplett verlassen. „Er hat losgelassen und sitzt mir nicht im Nacken“, sagt Heidi Armbruster-Domeyer. Und dann gibt es da noch Fred Ollerdissen. Der Diplom-Ingenieur ist ebenfalls Geschäftsführer von Domeyer – und das schon seit 1998. Durch ihn habe es trotz des Wechsels an der Spitze die nötige Kontinuität gegeben.

Seit mehreren Generationen im Besitz

Diese reibungslose Unternehmensnachfolge ist es auch, die den Verband Die ­Familienunternehmer dazu bewogen hat, Heidi Armbruster-Domeyer und Fred ­Ollerdissen an diesem Mittwoch als Bremer Unternehmer des Jahres auszuzeichnen. ­„Domeyer ist ein Vorzeige-Familienunternehmen, das erfolgreich über mehrere Generationen ­hinweg übergeben wurde“, sagt der Re­gional­vorsitzende Michael Kleine. „Das muss man erst einmal schaffen.“ Jeder sei für einen Teil der Firma zuständig, und zwischen die Geschäftsführer passe kein Blatt, so harmonisch würden die Entscheidungen getroffen.

Beeindruckt hat Kleine auch, wie Heidi Armbruster-Domeyer und Fred Ollerdissen die 60 Mitarbeiter führen. Regelmäßige Klausurtagungen mit den Führungskräften sorgten dafür, dass alle den Kurs der Geschäftsleitung leichter verstehen. Und nicht zuletzt die wirtschaftliche Entwicklung spreche für ein gesundes Unternehmen. Wer mit Heidi Armbruster-Domeyer über das Wachstum ihrer Firma spricht, der hört häufig das Wort „gesund“.

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„Wir orientieren uns am Markt, nicht an irgendwelchen Zielen“, sagt die Geschäftsführerin. Das heißt: Wachstum um jeden Preis gibt es bei Domeyer nicht – sondern eher da, wo sich gerade eine Nische auftut. So hat sich das Geschäft des Unternehmens seit der Gründung vor 100 Jahren zwar ausgeweitet, aber nicht grundlegend geändert.

1919, unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs, fängt Gründer Albert Diedrich Domeyer damit an, Brennschneider zu verkaufen. Die werden damals gebraucht, um die Marine abzurüsten. Domeyer übernimmt auch den Vertrieb der Lübecker Firma Dräger in der Region. Dräger ist mittlerweile börsennotiert und zählt immer noch zu den wichtigsten Lieferanten der Bremer. Wenig später wird das Angebot um Schutzkleidung für Feuerwehrleute erweitert, auch die Ausrüstung zum Atemschutz wird immer wichtiger.

Heute stattet Domeyer etwa 2000 Feuerwehren in Bremen und Niedersachsen aus, verkauft dabei alles – vom Knopf für die Uniform bis hin zum Feuerwehrwagen. Diese Sparte macht auch den größten Anteil am Umsatz aus. Der liegt bei insgesamt 19 Millionen Euro.

"Wir wollen uns für die Zukunft gut aufstellen"

Daneben rüstet Domeyer Kreuzfahrtschiffe und Luxusjachten mit Brandschutzsystemen aus, vertreibt Zubehör an Berufstaucher, plant Brandschutzkonzepte und hat sich auf die Wartung und Reparatur von Anlagen spezialisiert. Gerade beim vierten Standbein könne Domeyer seine Stärke als Partner vor Ort ausspielen, sagt Heidi Armbruster-Domeyer.

Und noch etwas sei ein entscheidender Vorteil: Etliche Domeyer-Mitarbeiter sind selbst Mitglied in einer Feuerwehr, häufig in den Umlandgemeinden. „Die verstehen natürlich am besten, was unsere Kunden brauchen“, sagt die Geschäftsführerin. Dass sie bei Notfällen alles stehen und liegen lassen müssen, um schnell am Einsatzort zu sein, ist für Heidi Armbruster-Domeyer selbstverständlich.

Tradition, davon zeugen etwa die historischen Feuerwehrhelme in Heidi Armbruster-Domeyers Büro, ist bei dem Mittelständler ein Teil des Geschäfts – aber längst nicht alles. „Wir schauen nicht viel in die Vergangenheit, sondern wollen uns für die Zukunft gut aufstellen“, sagt die Geschäftsführerin. Es gehe nicht um die 100 Jahre, die schon waren, sondern um die 100, die kommen.

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Die weiteren Preisträger

Neben Domeyer wurden am Mittwoch auch noch zwei weitere Unternehmen ausgezeichnet. Joost den Haan und Nils Oehlmann haben für ihr Start-up Plan Blue den Preis als Gründer des Jahres bekommen. Plan Blue will mithilfe von Hyperspektralkameras den Meeresboden einfangen. Eine Software soll dann automatisch den Meeresboden identifizieren und analysieren. Damit lassen sich dann präzise Aussagen über den Zustand des Bodens treffen. Der Sonderpreis 2019 geht an die Firma Cellumation. Sie hat den Celluveyor entwickelt, eine Art Förderband, das auf sechseckigen Modulen basiert und Ware in alle Richtungen transportieren kann. Die Preise wurden am Mittwochabend auf der Unternehmer-Gala in der Sparkasse Bremen übergeben.

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