Firmen geben knapp 3,5 Milliarden Euro für Werbeartikel aus Geschenke erhalten Freundschaft

Bremen/Hannover. Laut einer aktuellen Umfrage nutzt fast jeder Deutsche Werbegeschenke – und sei es nur der Kugelschreiber von der letzten Wahlkampfaktion. Der Markt für die kleinen – manchmal auch etwas größer ausfallenden Geschenke wächst seit Jahren.
14.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Joachim Göres

Laut einer aktuellen Umfrage nutzt fast jeder Deutsche Werbegeschenke – und sei es nur der Kugelschreiber von der letzten Wahlkampfaktion. Unternehmen wollen durch derlei Präsente auf sich aufmerksam machen. Der Markt für die kleinen – manchmal auch etwas größer ausfallenden Geschenke wächst seit Jahren.

Fast 3,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr für Werbeartikel ausgegeben. Das meiste Geld wird dabei in Bürobedarfsartikel und Textilien investiert, die mit dem Logo oder dem Namen des werbenden Unternehmens versehen und an Kunden verschenkt werden. „Werbeträger Nummer eins ist immer noch der Kugelschreiber“, sagt Patrick Politze, Präsident des Gesamtverbandes der Werbeartikelwirtschaft. Er stellte die aktuellen Branchenzahlen kürzlich auf der Fachmesse PSI Promotion World vor, die parallel zur Hannover Messe lief.

In einer Umfrage unter 1000 Personen zwischen 14 und 65 Jahren sagen 93 Prozent, dass sie Werbeartikel nutzen. Zwölf Prozent haben durch den Werbeartikel ein positiveres Bild von dem werbenden Unternehmen. 87 Prozent aller Unternehmen ab 250 Mitarbeiter nutzen Werbeartikel, bei Firmen bis neun Beschäftigte sind es 45 Prozent. Dabei werden vor allem Geschenke im Wert von maximal zehn Euro genutzt, um zum Beispiel bei Messen oder in Einkaufszentren auf sich aufmerksam zu machen. Wertvollere Gegenstände werden häufiger an wichtige Geschäftspartner verschenkt. „Das Marktvolumen für Werbeartikel ist in den letzten zehn Jahren gestiegen. Nur für Fernsehwerbung wird in Deutschland noch mehr Geld ausgegeben“, sagt Politze.

Viele Markenfirmen wie Kahla Porzellan, Niederegger Marzipan oder Moleskine Notizbücher sind Hersteller von Werbeartikeln. Bei der Hanseatischen Chocoladen GmbH Bremen gibt es sogar eine eigene Abteilung mit sechs Mitarbeitern, die sich für die Hausmarken Hachez und Feodora ausschließlich um das Werbeartikelgeschäft kümmern. „Das ist innerhalb des Unternehmens ein kleiner Bereich, der wächst“, sagt Abteilungsleiter Volker Ernst, ohne genaue Umsatzanteile zu nennen. Die Mindestabnahmemenge liegt bei 250 kleinen Täfelchen mit Werbeaufdruck des Kunden für 30 Cent das Stück – die werden dann etwa von Hotels als Betthupferl an die Gäste oder bei Geschäftseröffnungen an die Kunden verteilt. Die Lufthansa gehört mit Aufträgen über 400 000 Geschenkpackungen zu den Großen unter den 3000 Werbekunden. „Auf der Rückseite steht immer unser Name drauf. So werden Empfänger der Werbegeschenke auf unsere Marke aufmerksam, wovon wir dauerhaft profitieren“, sagt Ernst. Seine Abteilung übernimmt die Gestaltung der Verpackung nach den Vorgaben des Kunden. Zum Angebot zählt auch eine Holzkiste mit verschiedenen Hachez-Sorten und einer Flasche Wein für 30 Euro. „Solche aufwendigeren Präsente werden vor allem zu Weihnachten als Zeichen der Wertschätzung an gute Geschäftskunden verschickt“, so Ernst.

Für Pelikan aus Hannover ist die Fertigung von Kugelschreibern und Füllhaltern mit Werbeaufdruck ein wichtiges Standbein. „Wir profitieren nicht nur vom zusätzlichen Verkauf, sondern dieses Geschäft ist auch für unser Image gut. Wenn Porsche mit einem Schreibgerät von Pelikan wirbt, zeigt das auch die Wertschätzung eines Qualitätsherstellers für unsere Produkte“, sagt Clemens Jäckel, für den Vertrieb der Pelikan-Werbeartikel zuständig.

Für einige kleinere Firmen gehört die Herstellung von Werbeartikeln zum Hauptgeschäft. „Darauf entfällt 90 Prozent unseres Gesamtumsatzes“, sagt Mathias Fritsche, Geschäftsführer der Nature Balance GmbH aus Reeßum bei Ottersberg. Sie kann pro Tag bis zu 200 000 Samenbomben herstellen - kleine dunkle Samenkugeln , die sich bei Gartenfreunden großer Beliebtheit erfreuen. Zu den Kunden zählen die Bahn, Nationalparks, der DGB, aber auch Autohändler, Spielcasinos oder Red Bull – sie alle hoffen auf ein besseres Image durch die kostenlose Weitergabe des Saatgutes aus biologischem Anbau, das ihnen pro Stück 66 Cent kostet. „Wir bieten ausschließlich Bio-Samen an. Die Bio-Qualität ist wichtig für unsere Kunden, um sich von der Masse der Werbegeschenke abzuheben“, sagt Fritsche.

Werbeartikel werden auch gerne als besondere Anerkennung für verdiente Mitarbeiter eingesetzt. Diese sogenannten Incentives beurteilt Rolf Söder, Gründer des Mindmarketing Institutes, in einem Interview mit der Fachzeitschrift Dedica kritisch: „Stäbe von Personalern denken sich immer neue Belohnungen aus, um die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter akzeptabel zu halten. Besser wäre es darüber nachzudenken, wie Aufgaben und Abläufe so gestaltet werden können, dass Mitarbeiter zufrieden sind – und auf diese Weise ihre Motivation erhalten bleibt.“

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