Sorge um Bremer Bankenlandschaft Gewerkschaft warnt vor Filialsterben

Die Gewerkschaft Ver.di ist in Sorge: Nach ihrer Ansicht bauen die Banken in Bremen nicht nur immer mehr Personal ab, sondern reduzieren auch nach und nach die Zahl ihrer Filialen. Eine Umfrage bei den Instituten stützt diese These.
03.09.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Gewerkschaft warnt vor Filialsterben
Von Maren Beneke

Die Gewerkschaft Ver.di ist in Sorge: Nach ihrer Ansicht bauen die Banken in Bremen nicht nur immer mehr Personal ab, sondern reduzieren auch nach und nach die Zahl ihrer Filialen. Eine Umfrage bei den Instituten stützt diese These – auch wenn die meisten Banken versichern, weiter auf die Geschäftsstelle als Beratungsplattform setzen zu wollen.

Die Gewerkschaft Ver.di sorgt sich um die Zukunft des Filialnetzes der Bremer Banken. Nach ihren Beobachtungen gibt es für Kunden immer weniger Möglichkeiten, Dienstleistungen der Geldinstitute in Anspruch zu nehmen. „Die Bankenlandschaft verändert sich massiv“, sagt Markus Westermann, bei Ver.di in Bremen zuständig für den Bereich Finanzdienstleistungen. Durch die Zusammenlegung der Geschäftsstellen verschiedener Banken habe es in den vergangenen Jahren „ein Filialsterben“ gegeben – nicht nur zulasten der Kunden sondern auch der Mitarbeiter.

Westermann begründet den Wandel unter anderem mit den neuen Anforderungen an die Bank von heute. „Aus Geschäftsstellen werden Kompetenzzentren, dort findet hauptsächlich nur noch Beratung statt“, sagt er. Und mit den Umwälzungen ist seiner Ansicht nach ein Jobabbau einhergegangen. Stellen wie die des Kassierers seien längst ausgestorben, Bankmitarbeiter hinter den Schaltern gebe es kaum noch. „Immer mehr Arbeitsplätze wurden gestrichen“, sagt Westermann, „aber so behutsam, dass kaum jemand es bemerkt hat“.

Berechnungen der Gewerkschaft zufolge wurden in Bremen in den vergangenen fünf Jahren bankenübergreifend fünf Prozent der Jobs abgebaut – nicht über betriebsbedingte Kündigungen, sondern vor allem über Fluktuation oder Vorruhestandsregelungen.

Diese Entwicklung zeichnet sich beim Bankhaus Neelmeyer bereits seit Längerem ab. 2009 gab das Kreditinstitut seine Geschäftsstelle in der Hastedter Heerstraße auf, kurz darauf auch den Standort Oldenburg. Vor drei Jahren dann ein weiterer Schnitt: Das Unternehmen trennte sich auf einen Schlag von der Hälfte seiner Filialen: die Geschäftsstellen in Vegesack, Horn und in der Neustadt wurden geschlossen. Personaleinsparungen standen nach damaligen Angaben des Bankhauses aber nicht im Mittelpunkt der Umstrukturierung. Lediglich zehn bis 15 Stellen der insgesamt 300 Arbeitsplätze sollten abgebaut werden, betriebsbedingte Kündigungen wurden damals ausgeschlossen.

„Das Durchschnittsalter unserer Belegschaft ist relativ hoch. Wir gehen davon aus, dass wir den Abbau durch Fluktuation und den vorzeitigen Ausstieg von Mitarbeitern erreichen“, sagte der frühere Neelmeyer-Vorstand Christoph Raitelhuber vor fünf Jahren. Seit 2011 hat es keine Veränderungen mehr im Filialnetz des Geldinstituts gegeben. Derzeit arbeiten nach dessen Angaben noch circa 290 Mitarbeiter für das Unternehmen. Zur weiteren Entwicklung in der Filialstruktur wollte das Bankhaus Neelmeyer keine Stellung nehmen. Gleiches gilt für die Commerzbank, die nach eigenen Angaben keine gesonderten Zahlen für Bremen bereithält.

Erhebungen der Deutschen Bundesbank belegen, dass die Zahl der Zweigstellen der deutschen Kreditinstitute insgesamt seit Jahren stetig sinkt: Seit dem Höchststand 1995 (67 930 Zweigstellen) bis Ende 2013 (36 196) hat sie sich fast halbiert. Wobei sich allerdings zugleich auch die Zahl der Banken in Deutschland deutlich verringert hat: von 3785 auf 2029. Aber nicht nur in Deutschland schwächeln die Filialen: Nach Berechnungen der Managementberatung A.T. Kearney schlossen Europas Privatkundenbanken 2013 mehr als 4500 Filialen – knapp dreimal so viele wie in früheren Jahren vor der Krise. Denn die Filiale ist für die Banken nach wie vor kostspielig.

In Bremen unterhält die Sparkasse Bremen mit 57 Geschäftsstellen das größte Filialnetz. In den vergangenen zehn Jahren hat das Finanzinstitut die Zahl der Zweigstellen – nach eigenen Angaben vor allem durch Zusammenlegung an größeren Standorten – um neun reduziert. „Das Filialnetz der Sparkasse Bremen hat sich in den letzten zehn Jahren dort verändert, wo neue Laufwege und Veränderungen in den Stadtteilen zu weniger Beratungsnachfrage führten“, sagt eine Sprecherin. Die Sparkasse habe Beratungsleistungen an Standorten gebündelt, wo Kunden diese Leistung verstärkt abriefen.

Gleichwohl hat in den vergangenen Jahren auch bei der Sparkasse ein Personalabbau stattgefunden: Waren 2003 im Jahresdurchschnitt noch 1850 Mitarbeiter für das Geldinstitut tätig, so sind es nach eigenen Angaben aktuell 1516. Die Sprecherin begründet dies mit „Verschlankungen in unseren Arbeitsabläufen“ sowie „der technischen Weiterentwicklung unserer IT-Systeme“. So seien etwa bestimmte Verwaltungstätigkeiten in Tochtergesellschaften ausgegliedert und Aufgaben an spezialisierte Unternehmen vergeben worden. An denen ist die Sparkasse Bremen als Gesellschafterin beteiligt.

Bei der Bremischen Volksbank haben sich nach Angaben eines Sprechers in den vergangenen Jahren viele ältere Mitarbeiter für Altersteilzeitmodelle entschieden. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: 2004 waren noch 143 Mitarbeiter für das Finanzinstitut tätig, heute sind es 117. „Die Tendenz insbesondere im Beratungsbereich geht seit 2012 aber wieder in Richtung Personalaufstockung“, sagt der Sprecher. So würden seit einigen Jahren Auszubildende kontinuierlich übernommen. Nach Angaben des Sprechers ist auch die Zahl der Geschäftsstellen in den vergangenen Jahren gestiegen: 2009 sei eine Filiale in Borgfeld dazugekommen, für das kommende Jahr sei eine Eröffnung im Weserpark geplant.

Nur wenige personelle Veränderungen hat es in den vergangenen zehn Jahren offenbar bei der Deutschen Bank in Bremen gegeben. Im Bereich Privat- und Firmenkunden arbeiten laut dem Geldinstitut heute mehr als 140 Angestellte, 2004 waren es genau 149. Auch an der Anzahl der Filialen hat sich demnach nichts geändert: Nach wie vor gibt es sieben Geschäftsstellen. Ein Sprecher der Bank macht aber darauf aufmerksam, dass sich der Kontakt mit den Kunden durch das steigende Angebot an multikanalen Zugangsmöglichkeiten – etwa durch Online-Banking – verändert habe. „Reine Transaktionsaufträge erfordern heute keinen Besuch mehr in der Filiale“, sagt der Sprecher.

Nach Angaben von Ver.di-Fachbereichsleiter Markus Westermann wird vor allem im Vertrieb Personal eingespart. „Wenn diese Arbeitsplätze – so wie in der Vergangenheit – in Zukunft nicht wieder besetzt werden“, so Westermann, „dann wird das Filialsterben weitergehen.“

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