Made in Bremen

Giganten aus Stahl

Sie sind Giganten aus Stahl, sie bewegen hunderte von Tonnen. Mit Goliathkränen setzen Schiffsbauer Megafrachter und Kreuzfahrtschiffe zusammen. Kocks Ardelt Kranbau stellt unter anderem diese Riesekräne her.
22.06.2019, 20:05
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Von Jean-Pierre Fellmer
Giganten aus Stahl

Die Goliath-Kräne stehen in Werften auf der ganzen Welt, unter anderem in Vietnam.

Kocks Ardelt Kranbau

Ihre Kräne stehen in den Häfen rund um den Globus – in China, den Vereinigten Staaten, Japan oder Russland. Jeder Bremer dürfte einen Gegenstand besitzen, der schon einmal von ihren Maschinen verladen wurde – wahrscheinlich sogar jeder Deutsche. Sie sind so groß wie Hochhäuser, ihre großen Brüder in den Werften so groß wie Wolkenkratzer. In den Docks der Welt setzen sie Megafrachter und Kreuzfahrtschiffe zusammen. Die Giganten aus Stahl heben Hunderte Tonnen, sie selbst wiegen Tausende.

Die Rede ist von den Hafenkränen der Kocks Ardelt Kranbau GmbH. Das Unternehmen baut Kräne für den Containertransport, die Be- und Entladung von Frachtschiffen und den Schiffbau in Werften. Die Kranbauer erledigen bis auf die Fertigung der Bauteile alle Arbeitsschritte selbst. Nachdem die Ingenieure den Auftrag erhalten haben, konzipieren sie den Kran nach den Bedürfnissen des Kunden, prüfen die Konstruktion, beaufsichtigen den Transport, montieren die Bauteile vor Ort und nehmen den Kran schließlich in Betrieb.

Marktführer auf der Werft

Die Kranbauer haben drei Niederlassungen in Deutschland: In Eberswalde nahe Berlin liegt der Schwerpunkt auf Drehkränen, in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen auf Portalkränen und in Bremen auf Containerbrücken. In der Hansestadt sind die Kranbauer erst am vergangenen Montag von der Weserstraße in Bremen-Nord an ihren neuen Standort an der Universität gezogen.

In welche Dimensionen der Kranbau im 21. Jahrhundert vorgedrungen ist, lässt sich am Beispiel der Goliaths zeigen. Diese Kräne haben die Form eines Schwebebalkens, sind bis zu 120 Meter hoch und haben Spannweiten von über 200 Metern. „Um sich das vorstellen zu können: Wir haben einen Kran gebaut, unter den kann man das Weserstadion stellen, ohne dass er die Seiten oder die Decke berührt“, sagt Thomas Kinscher, Einkaufs- und Ausbildungsleiter bei Kocks Ardelt Kranbau.

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Im Hafen von Jinghae in Südkorea steht einer dieser Goliaths, er wiegt 4800 Tonnen und kann 1500 Tonnen Gewicht heben. Nicht nur die Größe und Kraft der Goliaths sind beeindruckend, auch der Kaufpreis ist es: Ab 30 Millionen Euro gibt es die Kräne, das Ende der Preisskala ist nach oben offen. „Bei den Werftkränen sind wir Weltmarktführer“, sagt Kinscher. Bevor jedoch die Kranbauer von Kocks Ardelt mit ihren Maschinen den Himmel eroberten, fing es vor langer Zeit im Kleinen an.

Die Geschichte des Unternehmens hat seinen Ursprung in der Werkstatt des Klempnermeisters Carl Francke. 1872 eröffnete er sie in Bremen, 1875 wurden daraus die Francke-­Werke. Die bauten unter anderem Anlagen zur Gasproduktion und später auch Kräne. 1952 übernahm der Ingenieur Friedrich Kocks das Unternehmen und gab ihm seinen Namen. In den 1960er-Jahren hat Kocks den Trend des Containerhandels frühzeitig erkannt. „Kocks Krane waren die ersten, die in Europa Containerbrücken herstellten“, sagt Jürgen Pieken, Projektleiter bei Kocks Ardelt Kranbau. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Besitzer, war zwischenzeitlich Teil einer Salzgitter-Tochter, später der Vulkan AG. „Der Name Kocks blieb aber immer erhalten“, sagt Kinscher. Aus mehreren Kranbauunternehmen ging 2018 die Kocks Ardelt Kranbau GmbH hervor.

Israel ist die Ausnahme

Die Unternehmensphilosophie der Kocks Ardelt GmbH ist Qualität und Kundenzufriedenheit. „Wir fertigen nach Maß an, unsere Kräne sind Unikate“, sagt Kinscher. Die Firma ist eines der führenden europäischen Unternehmen im Bau von Containerbrücken. Die Konkurrenz aus dem Ausland, vor allem aus China, sei jedoch seit den 1980er-Jahren gewachsen. „Wenn jemand einen Hafen plant und zum Beispiel acht neue Containerbrücken auf einen Schlag braucht, wird er die nicht bei uns kaufen“, sagt Kinscher.

Die Ausnahme ist Israel: Dort gibt es Kinscher zufolge nur eine Containerbrücke, die nicht von Kocks stammt. „Uns haben die Israelis mitgeteilt, dass man im Hebräischen statt Containerbrücke einfach nur Kocks sagt.“ Die deutschen Kräne seien zwar teurer, dafür aber auch zuverlässiger und langlebiger. Das zeigt ein Projekt von Salzgitter im Hansaport in Hamburg: „Wir haben für die damals einen Schiffsentlader gebaut. 20 Jahre später haben sie genau den gleichen Kran noch mal bestellt, weil er so gut funktioniert.“

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Die Kranteile werden nur noch selten in Deutschland produziert. Im Ausland gehe das günstiger, zudem könne man sich den Schwerlasttransport sparen, sagt Kinscher. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Service. „Wir reparieren Kräne, bauen sie um oder demontieren sie an einem Ort, um sie an einem anderen wieder aufzubauen“, sagt Pieken. Die Expertise im Kranbau sei so entwickelt, dass Kocks Ardelt auch für Kräne fremder Marken repariere und dafür Ersatzteile liefere. Laut Pieken will man dieses Geschäftsfeld ausbauen. Kinscher ergänzt: „Wir können jeden Kran in Deutschland reparieren.“

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