Am 30. September ist es soweit

"Gorch Fock" wird an Marine übergeben

Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ soll am 30. September an die Deutsche Marine übergeben werden. Damit endet eine über fünfjährige Sanierungs-Odyssee mit einer Kostenexplosion von zehn auf 135 Millionen Euro.
08.06.2021, 18:46
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Von Peter Hanuschke
"Gorch Fock" wird an Marine übergeben

Das Segelschulschiff "Gorch Fock", das zuletzt bei der Lürssen-Werft in Lemwerder zu Ende saniert wurde, soll am 30. September der Deutschen Marine übergeben werden.

Christian Kosak

Die über fünfjährige Sanierung des Marine-Segelschulschiffs „Gorch Fock“ nähert sich dem Ende: Die Bremer Werftengruppe Lürssen teilt mit, dass die über 60 Jahre alte Bark am 30. September der Deutschen Marine übergeben werden soll. "Bereits Anfang September werden wir das Segelschulschiff im Rahmen einer Werftprobefahrt ins Marinearsenal Wilhelmshaven verlegen", so Werftsprecher Oliver Grün. "In Wilhelmshaven erfolgen zusätzlich zur finalen Endausrüstung weitere interne Erprobungen und Abnahmen durch den Öffentlichen Auftraggeber." Zuletzt hatte die Marine die "Alexander von Humboldt II" als Ersatz für ihre Ausbildungsfahrten genutzt.

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Die Sanierung der "Gorch Fock" hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem Fiasko entwickelt: Die Kosten für die 63 Jahre alte „Gorch Fock“ waren explodiert von geplanten zehn Millionen Euro auf 135 Millionen Euro. Immer wieder wurde der Fertigstellungstermin verschoben. Seit Ende 2015 wurde an dem Segelschulschiff gewerkelt. Die Querelen um die Sanierung hatten sogar die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Erklärungsnot gebracht. Ursprünglicher Auftragnehmer war die Elsflether Werft AG, die bei diesem Projekt  in die Insolvenz ging. Gegen die früheren Chefs wurden Strafverfahren wegen des Verdachts der Unterschlagung von Millionen-Beträgen eingeleitet. Im Oktober 2019 hatte die Lürssen-Gruppe die insolvente Elsflether Werft übernommen und damit auch den Auftrag zur Generalüberholung.

Mittendrin in diesem Sanierungsskandal war auch die Bremerhavener Werft Bredo Dockgesellschaft. In ihrem Dock lag das Segelschiff während seiner Sanierung von 2016 bis Juni 2019. Beauftragt war die Werft als Subunternehmen mit Sanierungsarbeiten am Schiffsrumpf. Geld hatte sie nach eigenen Aussagen nicht in vollem Umfang von der Elsflether Werft bekommen, womit sich später noch das Landgericht Bremen beschäftigte. Große Teile der Mittel vom Bund sollen die ehemaligen Werftvorstände veruntreut haben – die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelte auch gegen zwei zivile Mitarbeiter der Marine, die der Bestechlichkeit verdächtigt werden.

Die Bredo-Werft hatte das Schiff 2019 auch nur ausgedockt gegen die Zusage, dass ihre Ansprüche über 10,5 Millionen Euro gerichtlich geprüft werden. Der Rechtsvertreter des Bundes vertrat in dem Zivilrechtsstreiist die Ansicht, dass allein das Subunternehmen das Insolvenzrisiko trägt und die Bundeswehr alle Dockkosten bereits gegenüber dem früheren Generalauftragnehmer, der Elsflether Werft, beglichen hatte. Im Juni vergangenen Jahres hatte das Gericht letztlich beiden Parteien einen Vergleich über 2,35 Millionen Euro vorgeschlagen, weil es weder in der Klage der Bredo Werft noch in der Gegenklage des Bundes vollständig Aussicht auf Erfolg sah.

Wie komplex und pannenvoll die Sanierungsgeschichte der "Gorch Fock" war, lässt sich auch daran erkennen, dass nach letztem Stand Gläubiger 78 Millionen Euro von der Elsflether Werft AG forderten. Den Betrieb auf der über 100 Jahre alten Elsflether Werft hatte die Lürssen-Gruppe Ende vergangenen Jahres eingestellt und einen Käufer gegen Gebot für die 95 000 Quadratmeter große Liegenschaft an der Unterweser gesucht.

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