Lloyd-Werft Großjacht „Solaris“ bekommt ihr Heck

Die Mega-Jacht „Solaris“, die auf der Lloyd-Werft gefertigt wird, hat ihr Heck bekommen. Das Schiff soll einmal eine Länge von 140 Metern haben und ist angeblich für den Milliardär Roman Abramowitsch.
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Von Christian Eckardt

Bis 2020 ist die Bremerhavener Lloyd-Werft ausgelastet - dafür sorgt die Überholung des Forschungsschiffs „Polarstern“ und vor allem die Großjacht „Solaris“, für die am Donnerstag die Hecksektion angeliefert wurde. Acht Jahre sind vergangen, seit die Werft das erste 115 Meter lange Jachtprojekt „Luna“ an den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch ablieferte.

Inzwischen ist die Lloyd-Werft offenbar wieder ins Bewusstsein des überschaubaren gut betuchten Kreis des Großjachten-Klientels geraten. Apropos Abramowitsch: Auch die etwa 140 Meter lange „Solaris“ – mit der Fertigstellung wird nicht vor 2020 gerechnet – soll an den russischen Milliardär abgeliefert werden, heißt es schon länger in Branchenkreisen. Eine Bestätigung seitens der Lloyd-Werft gab es dazu aber bislang immer noch nicht.

Auf den weltweit größten Jachtmessen

Derzeit arbeiten die Konstrukteure der Lloyd-Werft auch an einem weiteren größeren Jachtprojekt. Das Schiff soll eine Länge von etwa 100 Metern haben. Die Pläne sollen bis zum Jahresende ausgearbeitet sein und dann dem Eigner vorgestellt werden. In diesem Jahr war die Lloyd-Werft auch schon zwei Mal in Monaco vertreten – dort auf den weltweit größten Jachtmessen.

Dass die Lloyd-Werft zusammen mit der italienischen Jachtneubauwerft Wider aus Ancona in Monaco vertreten war, kommt nicht von ungefähr: Seit April 2017 gehört Wider-Yachts über das Unternehmen Exa Limited zu 100 Prozent zu Genting Hong Kong – die Unternehmensgruppe, die 2015 die Lloyd-Werft übernommen hatte. Schon seit über einem Jahr gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Werften. Wobei sich beide nicht in die Quere kommen: Auf der Wider-Werft werden Luxusjachten bis zu einer Länge von 50 Metern produziert, die Lloyd-Werft ist auf Längen darüber ausgelegt.

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Dass beide Werften sich gemeinsam in Monaco präsentierten, ist nur folgerichtig: Seit Jahresanfang wird Wider-Yachts auch von Bremerhaven aus geleitet: Lloyd-Werft-Chef Rüdiger Pallentin ist mittlerweile auch Geschäftsführer der kleinen italienischen Werft und reist mehrfach im Monat an die Adria. Ziel sei es, beide Werften noch enger miteinander zu verbinden.

Am gemeinsamen Stand war auch ein brandaktuelles Anschauungsobjekt von Wider-Yachts zu besichtigen: die 50 Meter lange etwa 30 Millionen Euro teure Luxusjacht „Cecilia“ vom Typ Wider 165, die Platz für bis zu zwölf Passagiere bietet. Für den Innenausbau der „Cecilia“ hatte die Lloyd-Werft schon einen Mitarbeiter für die Bauaufsicht abgestellt, der das Projekt sieben Monate vor Ort begleitete.

Breit aufgestellte Traditionswerft

Beim aktuellen Lloyd-Werft-Projekt geht es offenbar auch voran: Nachdem im April das rund 1300 Tonnen schwere Vorschiff beim zur Rönner-Gruppe gehörenden Projektpartner Stahlbau-Nord (SBN) fertiggestellt worden war, wurde vor ein paar Tagen von SBN ein etwa 20 Meter langer und über acht Decks hoher Mittschiffs-Segementblock per Ponton bei der Lloyd-Werft abgeliefert.

Außerdem wurde danach auch schon der 15 Meter hohe Schornstein für das Jachtprojekt bei SBN im Bremerhavener Fischereihafen fertiggestellt und mithilfe des Schwimmkrans „BHV Athlet“ zur Lloyd-Werft überführt. Zusammengefügt werden die Teile für die einmal rund 140 Meter lange Jacht „Solaris“ im komplett eingerüsteten Schwimmdock 3.

Aktuell erfolgte am Donnerstag an der Schwerlastpier bei SBN das sogenannte Roll-out für die Hecksektion des Jachtprojekts „Solaris“. Mithilfe von mehreren selbstfahrenden Schwerlastmodulen wurde die etwa 3000 Tonnen schwere und rund 70 Meter lange Stahlsektion, die in den vergangen Monaten in der „Lunehalle“, der ehemaligen Produktionshalle des Offshore-Produzenten Weserwind entstand, auf den Schwerlastponton „Offshore BHV 1“ verschoben.

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Dieser Ponton wird dann zur Lloyd-Werft im Bremerhavener Überseehafen geschleppt. Dort wird die sieben Decks hohe Sektion in das Schwimmdock 3 der Werft verschoben und mit der dort befindlichen Vorschiffs- und Mittschiffssektion zusammengesetzt. Die jetzt gefertigte Sektion verfügt bereits über die Motorenanlage, zudem sind die beiden Azipod-Antriebspropeller bereits installiert. Für die Verschiffung vom Fischereihafen zur Lloyd-Werft kam hier wieder der 2011 gefertigte Schwerlastponton „Offshore BHV 1“ zum Einsatz.

Dass auch das Geschäft mit Edeljachten für die Lloyd-Werft offenbar bedeutender wird, unterstreicht einmal mehr, wie breit die Traditionswerft aufgestellt ist, was sicherlich dazu beiträgt, auch Rückschläge leichter kompensieren zu können: Denn eigentlich hatte die Gentinggruppe die Lloyd-Werft gekauft, um dort Kreuzfahrtschiffe zu bauen. Doch daraus wurde bekanntlich nichts: Dieses Geschäft findet in drei ehemaligen Werften von Nordic Yards an der Ostsee statt, die Genting 2016 übernommen hatte.

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