Made in Bremen: Betrieb Uwe Röhrs Grüner heizen mit Brennstoffzellen

Der Betrieb Uwe Röhrs ist Spezialist für Heizung, Sanitär und Lüftung. Er setzt auf Digitalisierung – und auf Brennstoffzellentechnik. Die soll das Heizen umweltfreundlicher machen.
04.01.2020, 20:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Frieda Ahrens

In diesen eisigen Januartagen geht es kaum ohne sie – die Heizung. Zurück daheim dürfte für viele Menschen derzeit der erste Weg direkt zu ihr gehen, um wieder aufzudrehen. Heizsysteme stoßen aber oft umweltschädliche Stoffe aus, da Wärme meist durch Verbrennung erzeugt wird. Das Bremer Unternehmen Uwe Röhrs geht einen besonderen Weg, damit das Heizen grüner wird und nutzt Brennstoffzellen. Die gelten vor allem in der Automobilindustrie als Zukunfts­technik.

Um den Prozess zu verstehen, muss man einen kleinen Sprung zurück in den Chemieunterricht unternehmen: In einer Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser. Als Nebenprodukt entstehen Wärme und Strom. Bei der Autoindustrie wird der Strom als Antriebsenergie genutzt. Der Bremer Fachbetrieb für Heizung, Sanitär und Lüftung hat es dagegen natürlich auf die Wärme abgesehen.

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Der Treibstoff ist jedoch knifflig. „Reiner Wasserstoff birgt momentan noch ein paar Hürden“, sagt der heutige Chef des Unternehmens Stefan Röhrs. Zum einen gebe es bisher noch keine guten Rohrsysteme in Deutschland, die reinen Wasserstoff transportieren könnten. Sein Unternehmen arbeitet darum mit Wasserstoff aus Erdgas. Zum anderen hat die Brennstoffzelle – ganz bewusst – eine relativ geringe Leistung und kann deswegen alleine nicht die Heizlast eines Hauses decken. Der Betrieb verkauft die Brennstoffzellen-­Heizung darum nur in Kombination mit einem klassischen Brennwertgerät, welches auch mit Erdgas angetrieben wird.

Und warum die gewollte Bremse bei der Leistung? Die Technik funktioniert so: Wenn die Heizung aufgedreht wird, springt die Brennstoffzelle an. Parallel zur Wärme produziert diese dann immer Strom. Stefan Röhrs erklärt, dass es wirtschaftlicher sei, den Strom selbst zu verbrauchen, als ihn ins System einzuspeisen. „Wenn man den Strom selbst verbraucht, spart man 23 Cent pro Kilo. Wenn man ihn einspeist, kriegt man nur 5,5 Cent pro Kilo.“ Und aus diesem Grund, damit der Strom gut verbraucht werde, sei die Leistung der Brennstoffzelle so gering.

Kombination von Brennstoffzellen und Brennwertgerät

Ein großer Vorteil der Brennstoffzelle sei, dass sie sich als Stromproduzent innerhalb von zehn bis zwölf Jahren selbst finanziere. „Außerdem wird eine Installation mit min­destens 11.100 Euro staatlich gefördert“, sagt Röhrs. Das Unternehmen ist deutschlandweit eins der wenigen, das die Kombination von Brennstoffzellen und Brennwertgerät an­bietet.

Stefan Röhrs hat die Leitung des Betriebs 2015 von seinem Vater Uwe Röhrs übernommen. Seitdem ist das Geschäft gewachsen: „Ich hab das Unternehmen mit fünf Mann übernommen. Wir sind heute 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.“ Und alle seien relativ jung. Momentan hat die Firma sechs Auszubildende. Stefan Röhrs setzt auf die Digitalisierung: Das Unternehmen ist vergangenes Jahr dafür von der Handwerkskammer Bremen mit dem Preis „Innovatives Handwerk 2019“ in der Kategorie Technologie ausgezeichnet worden.

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Früher gab es im Betrieb eine Zettelwirtschaft. Röhrs erinnert sich: Ein Kunde rief an, sein Vater habe den Auftrag angenommen und am Computer eingetippt, den Auftrag dann ausgedruckt und einem Mitarbeiter übergeben. Am Ende musste der den Zettel wieder zurückbringen – und einen neuen mitnehmen. Dabei sei eine menschliche Fehlerquote unausweichlich gewesen. Wenn ein Zettel verloren ging, konnte der Auftrag nicht abgerechnet werden.

Heute haben alle Monteure ein Tablet. Auf dem befindet sich eine App mit Aufträgen, Terminen, Material, Lagerkapazitäten und Notdienstnummern. In der App könne jeder Mitarbeiter eintragen, was er mit den Kunden besprochen habe und wie weit er gekommen sei, sagt Röhrs. Bevor ein Kollege übernehme und zum Kunden fahre, könne er sich so auf den neusten Stand bringen. In einem Rechenzentrum laufen für den Spezialisten für Heizung, Sanitär und Lüftung drei Server.

Die persönliche Kommunikation bleibt auf der Strecke

Die Mitarbeiter tauschen sich ganz wesentlich über ihre Tablets aus. Die ganze interne Kommunikation passiere über die Geräte, sagt Firmenchef Stefan Röhrs. Darauf allein will er sich aber nicht verlassen. Denn ein Nachteil der Digitalisierung sei, dass die persönliche Kommunikation auf der Strecke bleibe: „Es gehen zwischenmenschliche Momente verloren.“ Das sei unter den Kollegen und auch zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Problem: Die Mitarbeiter fühlten keine Wertschätzung mehr.

Um gegenzusteuern gibt es in der Firma Uwe Röhrs deswegen jeden Freitag ein verpflichtendes Treffen für alle im Team: ohne zeitliche Begrenzung und ohne Fahrplan. „Die ersten Male habe ich noch ein bisschen mehr erzählt, weil keiner so richtig wusste, was das sollte. Und heute ist es so, dass ich kurz anfange, aber dann geht’s schon reihum los.“ In der Runde sollen Erfahrungen ausgetauscht werden, jeder darf von den Problemen seiner Arbeit berichten. Dadurch gebe es auch ungewollt einen Schulungseffekt untereinander.

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Das Unternehmen gehört der Familie seit 1981. Vater Uwe Röhrs hat es damals von Robert Schlemmer Junior übernommen. Gegründet wurde der Betrieb 1923. Das hundertjährige Jubiläum ist also schon in Sichtweite. Die Mutter von Stefan Röhrs hat ebenfalls im Unternehmen gearbeitet – genauso wie jetzt seine Frau. „Ein Familienunternehmen ist schön, man hat Vertrauen ineinander“, sagt Röhrs. Allerdings sei es keineswegs leicht: „Im privaten Bereich ist das immer Thema – unter allen Beteiligten.“

Einer der emotionalsten Momente sei es für ihn gewesen, als seine Eltern in Rente gingen und es ein großes Abschiedsfest gab. Wie blicken seine Eltern nun auf ihren Sohn als Nachfolger? „Hast du wirklich gut gemacht“, habe sein Vater ihm unlängst gesagt. „Mehr hat er nicht gesagt. Da wusste ich: Das ist das höchste Lob, was ich je erreichen kann.“

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