Jahresbilanz

Güterumschlag in bremischen Häfen stagniert

Mehr Umschlag in Bremen, weniger in Bremerhaven: Die Bilanz der bremischen Häfen fällt äußerst gemischt aus. Sie zeigt aber auch: Kreuzfahrten boomen.
11.12.2017, 13:08
Lesedauer: 3 Min
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Güterumschlag in bremischen Häfen stagniert
Von Peter Hanuschke

Zum Jahresende wird in den bremischen Häfen ein seeseitiger Güterumschlag von 75 Millionen Tonnen erwartet – im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Minus von 100.000 Tonnen. Die erwartete Gesamtmenge setzt sich zusammen aus dem Umschlag der Hafenanlagen in Bremen-Stadt mit 13,1 Millionen Tonnen (plus 7,7 Prozent) und in Bremerhaven mit 61,9 Millionen Tonnen (minus 1,7 Prozent). Der Autoumschlag wird voraussichtlich bei 2,2 Millionen Fahrzeugen liegen – ein Plus von 8,9 Prozent gegenüber 2016.

Für den Containerumschlag wird mit 5,5 Millionen Standardcontainern (TEU) für 2017 gerechnet – ein Minus von einem Prozent zum Vorjahr. „Vielleicht liegen wir am Ende aber sogar noch über dem Vorjahresergebnis“, sagte Frank Dreeke, Vorstandvorsitzender der BLG Logistics Group, am Montag auf der Landespressekonferenz zur Jahres-Hafenbilanz. „Wir zählen noch."

Dass es doch noch ein Plus geben könne, liege an der Neuordnung der Containerliniendienste bei den Großreedereien in diesem Jahr. Aus den Fusionen der Großreedereien habe sich auch eine Neuordnung der Dienste ergeben. Und Bremerhaven habe von den neuen Fahrplänen erst in der zweiten Jahreshälfte stärker profitieren können.

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An der Bremer Lagerhausgesellschaft Aktiengesellschaft ist die Stadt Bremen mit 50,4 Prozent beteiligt – nach außen tritt das Unternehmen mit der Marke BLG Logistics auf. Dass der Containerumschlag in Bremerhaven stagniert - gleiches gilt für Hamburg - und im gleichen Zeitraum die Konkurrenz-Häfen Rotterdam und Antwerpen stabile Mengenzuwächse verzeichnen, dafür gibt es aus Sicht von Wirtschafts- und Häfensenator Martin Günthner (SPD) klare Gründe: „Die seeseitige Erreichbarkeit ist eine Stellschraube für die Wirtschaftlichkeit eines Hafens.“

Was Bremerhaven angeht, bleibe die Vertiefung der Außenweser deshalb ganz oben auf der hafenpolitischen Tagesordnung. Aus Sicht Günthners sind die ausstehenden Fahrrinnenvertiefungen an Außenweser und Elbe für die beiden deutschen Großcontainerhäfen Bremerhaven und Hamburg dringend notwendig, weil sich daraus sonst künftig noch massivere Wettbewerbsnachteile entwickeln würden.

Von den Fahrplänen der Linienreedereien abhängig

Die Schiffsgrößenentwicklung in Bremerhaven verdeutliche schon jetzt, dass der Containerterminal zunehmend von Großcontainerschiffen - 18000 TEU und mehr - angelaufen werde. Trotz nahezu gleichbleibendem Gesamtumschlag wurden mit 7770 Schiffsankünften in diesem Jahr 1,5 Prozent weniger Schiffe abgefertigt.

Was den künftigen Containerumschlag angehe, sei es schwierig, Prognosen abzugeben, so Dreeke. Das sei von den Fahrplänen der Linienreedereien abhängig - und da werde es noch weitere Veränderungen durch weitere Fusionen geben. Der BLG-Chef ist aber überzeugt davon, dass das nicht zum Nachteil für Bremerhaven ausfallen wird. Denn in Bremerhaven betreiben die zwei größten Containerlinien-Reedereien Joint-Venture-Terminals.

Was die Ergebnisse in den stadtbremischen Häfen angeht, ist Senator Günthner sehr zufrieden: "Ihre Bedeutung für die Entwicklung von Wirtschaft und Beschäftigung in Bremen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“. Immerhin hänge jede fünfte Arbeitsplatz in Bremen an der Hafenwirtschaft. Als südlichste Seehäfen Deutschlands hätten sowohl der Industriehafen als auch der Neustädter Hafen für viele Kunden erhebliche Wettbewerbsvorteile.

Zuwachs von über 25 Prozent

Zum Neustädter Hafen, Europas größtem Terminal für Stück- und Schwergut, das von der BLG betrieben wird, sagte Dreeke: „In den vergangenen 15 Jahren hatte der Neustädter Hafen fünf schwierige Jahre gesehen, aktuell spüren wir aber die guten konjunkturellen Entwicklungen in Europa und den USA.“ Die Umschlagsmengen seien nach oben geschnellt.

Im Neustädter Hafen wird mit einem Umschlag von 1,3 Millionen Tonnen gerechnet – ein Zuwachs von über 25 Prozent im Vergleich zu 2016. Die sogenannte High-und-Heavy-Ladung läuft auch gut in Bremerhaven: Mit einem Umschlag von 1,35 Millionen Tonnen (15 Prozent mehr als 2016) wird es in der Seestadt einen neuen Rekord geben.

Allerdings müssten für den Schwerlasttransport die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden, fordert Hans-Joachim Schnitger, Präsident der Bremischen Hafenvertretung. Es sei zwar erfreulich, dass man seit Ende November wieder bei einer Genehmigungsdauer für Schwertransporte auf der Straße bei 14 Tagen angelangt sei. Aber das sei kein Erfolg, sondern ein Mindeststandard.

Kreuzfahrtverkehr boomt

Zuvor hatte es wochenlange Wartezeiten gegeben. „Wir von der Anwenderseite wünschen uns eine Bearbeitungszeit von acht bis zehn Tagen.“ Das sollte das Ziel der Verwaltung und durch Digitalisierung auch umsetzbar sein. Laut Günthner entwickelte sich auch der Kreuzfahrtverkehr ausgesprochen positiv: Nicht nur die Anzahl der Schiffsabfertigungen – 84 Anläufe, ein Plus von 21,7 Prozent – stieg deutlich, sondern es wurden insgesamt 165.644 Passagiere in Bremerhaven abgefertigt – ein Zuwachs von 68,1 Prozent.

Auch in den kommenden Jahren geht Günthner von weiteren positiven Entwicklungen im Kreuzfahrtbereich aus. Robert Howe erinnerte an den Auftrag des Wirtschaftsressorts, die Planungen für einen Neubau des Kreuzfahrtterminals Columbuskaje weiter vorzubereiten. Gebe es für diese Infrastrukturmaßnahme das politische Okay, könne mit der Umsetzung 2020 begonnen werden, so der Chef der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports.

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