Arbeitsmarkt

Gute Perspektive - viele Bremer fanden 2018 einen Job

Vergangenes Jahr haben viele Bremer einen Job gefunden. 2019 könnte sich dieser Trend fortsetzen. Doch nicht jeder profitiert von der guten Konjunktur.
04.01.2019, 21:57
Lesedauer: 3 Min
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Gute Perspektive - viele Bremer fanden 2018 einen Job
Von Stefan Lakeband
Gute Perspektive - viele Bremer fanden 2018 einen Job

Trainingseinheit für den Lastwagenfahrer: Fachkräfte wie er werden in der boomenden Logistikbranche dringend gesucht.

Bernd Schoelzchen /dpa

Für Joachim Ossmann beginnt das neue Jahr so, wie das alte endete: mit guten Nachrichten. Der Chef der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven hat im vergangenen Jahr Monat für Monat eine sinkende Arbeitslosenquote verkündet. Die Zahlen, die er am Freitag vorstellte, waren da keine Ausnahme. Und auch für die kommenden Monate ist Ossmann optimistisch.

Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk, zu dem neben Bremen und Bremerhaven auch der Landkreis Osterholz gehört, lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 8,9 Prozent. „Damit haben wir zum ersten Mal den Schwellenwert von neun Prozent nach unten durchbrochen“, sagt Ossmann. 2017 waren im Schnitt noch 9,3 Prozent Menschen arbeitslos gemeldet; im Jahr 2012, als die Agenturen zum jetzigen Bezirk zusammengelegt wurden, lag die Durchschnittsquote sogar bei 10,2 Prozent.

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Laut Ossmann ist dieses Ergebnis vor allem der guten Konjunktur zu verdanken. Die Wirtschaft wachse, Firmen hätten expandiert und volle Auftragsbücher – davon profitierten auch die Arbeitnehmer. Im Agenturbezirk habe es daher 2018 insgesamt 1000 Arbeitslose weniger gegeben als noch im Jahr zuvor. Auch in Bremen (-0,4 Prozentpunkt auf 9,3 Prozent) und Bremerhaven (-0,4 Prozentpunkt auf 12,6 Prozent) ist die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten deutlich gesunken.

Dass es jetzt im Dezember gegenüber dem Vormonat nochmal einen leichten Anstieg gegeben hat, führt Ossmann auf saisonale Effekte zurück: Einerseits würde das Wetter viele Branchen wie etwa den Gartenbau einschränken, andererseits würden zum Jahreswechsel viele befristete Arbeitsverhältnisse beendet werden.

Prognose: Immer mehr Bremer finden 2019 Arbeit

„Die insgesamt positiven Daten lassen mich aber optimistisch auf dieses Jahr schauen“, sagt der Agenturchef. Er geht davon aus, dass auch in den kommenden zwölf Monaten immer mehr Bremer arbeiten werden – und beruft sich dabei auf eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Arbeitsagentur gehört. Im Jahresverlauf soll demnach die Arbeitslosigkeit um 4,3 Prozent sinken, die Zahl der Jobs gleichzeitig steigen.

Trüben könnten den positiven Ausblick allerdings die Probleme der Weltwirtschaft: Der Brexit und anderer Handelskonflikte könnten die Konjunkturentwicklung dämpfen – was auch auf dem bremischen Arbeitsmarkt zu spüren wäre.

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Gleichzeitig setzt der Agenturchef aber auch große Hoffnung in zwei Instrumente, um die Lage für Arbeitslose weiter zu verbessern. Mit dem Qualifizierungschancengesetz will die Arbeitsagentur ihre Berufsberatung im laufenden Jahr intensivieren, indem sie vor allem Menschen anspricht, die vom Wandel in der Arbeitswelt betroffen sind. Besonders durch die Digitalisierung wandelten sich viele Berufe, sagt Ossmann. „Wir möchten, dass es keine Verlierer gibt.“

Langzeitarbeitslose sollen Chance erhalten

Als ebenfalls wichtig empfindet Ossmann das Teilhabechancengesetz. Das soll garantieren, dass Langzeitarbeitslose eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, indem sie in geförderten Jobs arbeiten. Hierbei übernehmen die Jobcenter in den ersten zwei Jahren 100 Prozent des Gehalts. Ossmann geht davon aus, dass durch das Gesetz, das im Dezember verabschiedet wurde, etwa 600 Jobs in Bremen und Bremerhaven entstehen werden.

Doch schon ohne das Chancenteilhabegesetz hat sich die Situation für Langzeitarbeitslose in Bremen zuletzt verbessert. Im vergangenen Jahr haben fast 560 einen Job gefunden. Auch hier habe sich die Konjunktur positiv ausgewirkt, so Ossmann.

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Dazu passt auch eine bundesweite Zahl: Erstmals seit Einführung von Hartz IV leben weniger als drei Millionen Haushalte von der Grundsicherung. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete im November knapp drei Millionen sogenannte Bedarfsgemeinschaften. Seit 2008 ist die Zahl der betroffenen Haushalte damit um fast 600 000 oder 17 Prozent gesunken.

Positiv entwickelt sich in Bremen auch die Jugendarbeitslosigkeit. „Weil sich Firmen frühzeitig Fachkräfte sichern wollen, geben sie auch schwächeren Jugendlichen eine Chance“, sagt Ossmann. Ganz im Gegenteil zu einer anderen Personengruppe: Trotz der wirtschaftlich guten Lage hätten Arbeitslose über 50 nicht profitiert. „Sie stoßen bei Arbeitnehmern immer noch auf Vorbehalte“, sagt Ossmann. Dabei seien sie routiniert, qualifiziert und brächten viel Erfahrung mit.

Fachkräfte kaum verfügbar

Gleichzeitig wird es für Unternehmen immer schwieriger, qualifizierte Arbeitnehmer zu finden. Im Dezember waren der Arbeitsagentur mehr als 8000 offene Stellen gemeldet; vor einem Jahr waren es noch knapp 7000. Besonders schwer fällt es den Firmen, Fachkräfte für die Logistik, in Gesundheitsberufen und in der Metall- und Elektroindustrie zu finden. Das sind gleichzeitig die Branchen mit den meisten Beschäftigten in Bremen, sagt Ossmann.

Viele Unternehmen nehmen den Mangel an Fachkräften mittlerweile als Bedrohung für ihr Geschäft war. Das geht aus einer Umfrage der Handelskammer Bremen hervor. Einerseits seien Interessenten für die Jobs oft nicht genügend oder unpassend qualifiziert. Andererseits falle es schwer, überhaupt Bewerber zu finden.

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