Laut Umfrage der Handelskammer Kritische Finanzlage bei vielen Bremer Betrieben

Bei vielen Bremer Unternehmen droht die Insolvenz. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Handelskammer hervor. Der Grund dafür sind die Einschränkungen der Corona-Pandemie.
29.01.2021, 15:02
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Kritische Finanzlage bei vielen Bremer Betrieben
Von Peter Hanuschke

Die Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie machen mit zunehmender Dauer der bremischen Wirtschaft schwer zu schaffen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Handelskammer vor, die an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Die zweite Pandemiewelle mit dem erneuten Lockdown bringt demnach immer mehr Unternehmen in finanzielle Notlagen: 41 Prozent der direkt vom Lockdown betroffenen Unternehmen sind insolvenzgefährdet. Zudem häufen sich die Rückmeldungen, dass Sofort- und Überbrückungshilfen nicht rechtzeitig ankommen.

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„Wir haben Alarmstufe rot erreicht“, sagte Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, auf Nachfrage des WESER-KURIER. „Die Reserven sind größtenteils aufgebraucht. Der Großteil der Unternehmen ist auf schnelle Hilfe angewiesen.“ Die zeitlichen Verzögerungen, die es bei den Auszahlungen der Corona-Hilfen in der Vergangenheit gegeben habe, dürften sich bei den nächsten Überbrückungsprogrammen nicht wiederholen. „Die Wirtschaft kann erwarten, dass der Bund seine Softwareprobleme so langsam in den Griff bekommen hat. Zeit hatte er ja genug.“

In der Umfrage zeige sich, dass besonders bei den Unternehmen eine kritische Finanzlage erreicht sei, die von einer staatlichen Schließungsanordnung betroffen seien. Im Fall einer drohenden Insolvenz bleibe den Betrieben häufig nur noch wenig Zeit. Rund ein Drittel dieser Unternehmen gibt in der Umfrage an, dass der Geschäftsbetrieb unter den derzeitigen Umständen nur noch wenige Wochen aufrechterhalten werden kann. In weiteren 46 Prozent der Fälle könnten die Unternehmen laut eigener Aussage ohne Verbesserung der Lage nur noch ein bis maximal drei Monate durchhalten.

Auf die Unterstützungsmaßnahmen angesprochen, zeigten sich die befragten Unternehmen zumeist unzufrieden, wobei das Kurzarbeitergeld bei der Befragung keine Rolle spielte. 78 Prozent stimmten der Aussage zu, dass häufige Änderungen der Regelungen Planungssicherheit der Unternehmen verhindere. 73 Prozent stimmten zu, dass zu viele unverschuldet in Not geratene Unternehmen durchs Raster fallen. Zumeist keine Zustimmung bekamen die Aussagen, dass die Auszahlung der Mittel zügig erfolge.

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Das Beispiel Novemberhilfe mache wieder deutlich, dass der Bund immer noch schlecht aufgestellt sei, was die Abwicklung der Förderprogramme anging, so Fonger. „Dafür hat die Wirtschaft kein Verständnis.“ Dass es damit beim ersten Lockdown Probleme gegeben habe, sei ja zu entschuldigen gewesen. Doch danach habe man ein halbes Jahr Zeit gehabt, um sich eine funktionsfähige Software zuzulegen. „Wir erwarten, dass die nächsten Hilfen nach der Antragsstellung in wenigen Tagen ausgezahlt werden.“ Besonders der Einzelhandel, Gastronomie, die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft sowie Dienstleister, die wegen des Lockdown ihr Geschäft auf null runterfahren mussten, seien darauf dringend angewiesen. Im Zusammenhang mit künftigen Überbrückungshilfen fordert die Handelskammer außerdem, dass die Genehmigung einfach schneller erteilt werde. „Die Anträge werden über den Steuerberater eingereicht, deshalb sollten die Auszahlungsstellen schneller einen Haken dahinter setzen.“ Die Detailprüfung, ob der Anspruch auf Hilfe auch gerechtfertigt gewesen sei, könne dann später erfolgen.

Laut Umfrage würden die Unternehmen häufig viel zu lange im Unklaren darüber bleiben, in welcher Höhe Mittel bewilligt werden. Dadurch fehle dringend benötigte Planungssicherheit. „Zu viele Unternehmen fallen weiterhin ganz durchs Raster“, so Fonger. „Ohne deutlich verbesserte Unterstützungsangebote werden viele eigentlich gesunde Unternehmen unter den Rahmenbedingungen nicht mehr lange überleben.“

Dem Komplettrunterfahren der Wirtschaft erteilt die Handelskammer eine Absage. „Das wäre nicht finanzierbar und hätte weitreichende Folgen“, so Fonger. „Wir können doch als Exportnation nicht mal eben unsere Lieferungen unterbrechen und das Vertrauen bei unseren Kunden im Ausland verlieren.“ Vielmehr seien gerade jetzt kreative Lösungen gefragt, um ein Wirtschaften zumindest in Teilen wieder zu ermöglichen. „Warum kann beispielsweise ein Einzelhandelsgeschäft nicht Termine mit einzelnen Kunden im Laden vereinbaren dürfen?“ Eine Ansteckung sei da sicherlich auszuschließen.

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