Umsatzsteigerungen Handwerker profitieren von Finanzkrise

Bremen. Den Handwerksbetrieben geht es so gut wie lange nicht mehr. Laut Statistischem Bundesamt wuchs der Umsatz der Betriebe 2011 um gut sieben Prozent. Eine Entwicklung, die auch in Bremen und Niedersachsen beobachtet wird.
13.03.2012, 08:54
Lesedauer: 3 Min
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Handwerker profitieren von Finanzkrise
Von Timo Sczuplinski

Bremen. Den Handwerksbetrieben geht es so gut wie lange nicht mehr. Laut Statistischem Bundesamt wuchs der Umsatz der Betriebe 2011 um gut sieben Prozent. Eine Entwicklung, die auch in Bremen und Niedersachsen beobachtet wird.

Nein, klagen kann Tim Stöwahse nun wirklich nicht. „Unsere Auftragsbücher sind richtig gut gefüllt“, sagt der Geschäftsführer der Gebrüder Mahn GmbH. Der Umsatz des Bremer Elektro- und Maschinenbaubetriebs sei im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Positive Erfahrungen dieser Art hat Stöwahse nicht exklusiv, denn sein Familienbetrieb ist kein Einzelfall. Das deutsche Handwerkist 2011 so stark gewachsen wie zuletzt in den Boomjahren nach der Wiedervereinigung.

Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden veröffentlichte, waren beeindruckend: Die Umsätze deutscher Handwerksbetriebe legten 2011 um gleich 7,1 Prozent zu. 2010 hatte das Plus gegenüber dem Krisenjahr 2009 nur 0,6 Prozent betragen. Der Umsatzzuwachs sei vergleichbar mit dem Anfang der 90er-Jahre, sagte ein Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Handwerks(ZDH).

Überraschende Entwicklung

Auch in Norddeutschland wird der bundesweite Trend bestätigt. Die Konjunktur-Umfrage der Handwerkskammer Bremen für den Frühling läuft derzeit zwar noch, und konkrete Ergebnisse können erst kurz nach Ostern bekannt gegeben werden. Zahlen der bislang jüngsten Konjunktur-Umfrage aus dem Herbst des Vorjahres zeigten jedoch schon deutlich, dass die Grundstimmung in der Bremer Handwerksbranche durchaus positiv ist. Im November 2011 hatten von 39 stichprobenartig befragten Bremer Gewerken 89,5 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage, mit „gut“ oder „befriedigend“ eingeschätzt, deutlich mehr als noch 2010.

Fast identische Zahlen kommen aus Niedersachsen. In einer Umfrage des dortigen Handwerkstages bewerteten im Januar 90 Prozent der 772 antwortenden niedersächsischen Handwerksunternehmen ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend.“ Den stärksten Umsatzanstieg erzielten laut ZDH deutschlandweit mit 12,7 Prozent übrigens die sogenannten industrienahen Handwerke, zu denen beispielsweise Feinwerkmechaniker zählen.

In diese Rubrik gehört auch die Gebrüder Mahn GmbH in Bremen. Das Unternehmen arbeitet fast ausschließlich für gewerbliche Kunden, ist auf Reparaturarbeiten, Montage und Wartung von Geräten spezialisiert. Und vielleicht gerade deswegen derzeit so gut gebucht, schätzt Mahn-Geschäftsführerin Katrin Roßmüller. So würden in konjunkturell schlechteren Zeiten viele Industrieunternehmen eher ihr Reparaturbudget in Anspruch nehmen, als in neue Geräte zu investieren.

Eine stichhaltigere Erklärung für den Aufschwung in der Handwerks-Branche findet sie spontan nicht. Vielmehr käme das große Umsatzplus etwas überraschend, da sich die Weltfinanz- und Wirtschaftslage ja eher gegensätzlich darstelle.

Etwas leichter mit Erklärungsansätzen für die allgemein positiven Werte tut sich Heiko Henke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg. „Die Menschen in Deutschland haben in der Finanz- und Staatsschuldenkrise ihr Geld in feste Werte investiert. Das Handwerkhat davon profitiert, dass viele Immobilienbesitzer ihre Häuser saniert haben.“ Passend zu dieser Aussage legte laut ZDH das sogenannte Bauhauptgewerbe, welches unter anderem Hoch- und Tiefbauunternehmen sowie Zimmerei-Betriebe umfasst, im vergangenen Jahr ebenfalls im zweistelligen Bereich an Umsatz zu (10,3 Prozent). „Die Binnennachfrage ist gut, die Zinsen sind niedrig – das bringt eine vermehrte Nachfrage nach Bauleistungen“, sagt auch Joachim Feldmann, Präses der Bremer Handwerkskammer. Vor allem die Baugewerbe-Branche profitierte demnach vom vergleichsweise milden Wetter zum Jahresende.

Fachkräftemängel bleibt

Das vermeintlich gestiegene Bewusstsein der Menschen, Energie zu sparen und einen modernen Haushalt zu führen, sollen weitere Gründe für den Aufschwung sein: „Diese Lebensweisen bescherten gleich mehreren Gewerken neue Aufträge“. sagt Heiko Henke. Das Kfz-Gewerbe legte so ebenfalls zu – die Leute leisten sich die Anschaffung von sparsamen Autos. Demografische Gründe begünstigten die guten Zahlen zudem für das Gesundheitshandwerk, zu dem beispielsweise die Hörgeräteakustiker zählen. Einen neuen Trend stellen laut Henke technische Hilfen im Haushalt dar, die für mehr Bequemlichkeit sorgen.

In Sachen Auftragslage haben auch die Geschwister Tim Stöwahse und Katrin Roßmüller in ihrem Montage-Betrieb keine Schwierigkeiten. Auch in diesem Jahr dürfte der Umsatz leicht steigen, wagt Roßmüller einen vorsichtig optimistischen Blick nach vorn. Das Problem der Branche liege eher darin, neue Fachkräfte ins Unternehmen zu bringen, um die vielen Aufträge überhaupt annehmen und ausführen zu können. Andere allgemeine Problemfelder der Handwerksbranche wie Steuer- und Sozialabgaben, Schwarzarbeit und selbst die Kreditbeschaffung treten angesichts dieses Fachkräftemangels in den Hintergrund.

Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich 2011 im Schnitt immerhin schon einmal um 0,6 Prozent – rund 24 000 neue Jobs wurden dem ZDH zufolge geschaffen. Und so soll es nach Möglichkeit auch weitergehen.

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