Hydraulik-Spezialist will mit neuen Niederlassungen Umsatz deutlich steigern und investiert in Bremer Werk

Hansa-Flex setzt auf weltweite Expansion

Der Bremer Hydraulik-Anbieter konzentriert die Produktion von Schläuchen künftig am Stammsitz in Bremen und investiert eine halbe Million Euro in ein neues Werk. Nach dem Rekordergebnis vom vergangenen Jahr bleibt das Unternehmen auf Expansionskurs. Noch in diesem Jahr sollen weitere 15 bis 20 neue Niederlassungen eröffnet werden. [GRUNDTEXT]
11.06.2012, 13:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Krischan Förster
Hansa-Flex setzt auf weltweite Expansion

Hansa-Flex-Chef Thomas Armerding setzt auf Wachstum und will künftig vor allem die Märkte in Nordafrika und Südamerika erobern.

Nina Weymann-schulz

Der Bremer Hydraulik-Anbieter konzentriert die Produktion von Schläuchen künftig am Stammsitz in Bremen und investiert eine halbe Million Euro in ein neues Werk. Nach dem Rekordergebnis vom vergangenen Jahr bleibt das Unternehmen auf Expansionskurs. Noch in diesem Jahr sollen weitere 15 bis 20 neue Niederlassungen eröffnet werden. [GRUNDTEXT]

Bremen. Die ersten Hydraulik-Schläuche verkaufte Firmengründer Joachim Armerding noch zu Fuß in Bremen-Nord. Später hatte er immerhin einem VW Standard als Firmenwagen, der auf dem Rückweg vom Lieferanten, vollgepackt, mit seinen 26 PS nur mit Mühe über die Kasseler Berge kam. Es war ein schwieriger Anfang für Hansa-Flex, als kleine Firma versorgte sie gerade einmal Bremen samt Umland. Heute, 50 Jahre später, ist Hansa-Flex einer der weltweit führenden Hydraulik-Anbieter mit weltweit 380 Niederlassungen und rund 3000 Mitarbeitern, 300 mehr als noch im Vorjahr. 2011 wurde beim Umsatz erstmals die Marke von 300 Millionen Euro deutlich übertroffen. „Wir hatten ein hervorragendes Jahr“, sagt Thomas Armerding, Sohn des Firmengründers und Vorstandschef der seit fast zwei Jahren als Aktiengesellschaft notierten Hansa-Flex AG.

Als der 49-Jährige vor 27 Jahren ins Familienunternehmen einstieg, gab es 15 Niederlassungen, ausschließlich in Deutschland. Genauso viele will Armerding allein in diesem Jahr neu gründen, in Europa, in Afrika und in Südamerika. Erst am vorigen Wochenende hat das Unternehmen das inzwischen zehnte Hansa-Flex-Fußballturnier mit Mannschaften aus allen Niederlassungen veranstaltet, als Hansa-Flex-Weltmeisterschaft tituliert. Denn es reisten Spieler aus aller Welt an, in 39 Ländern ist der Bremer Hydraulik-Spezialist inzwischen vertreten. „Künftig werden es eher noch mehr“, sagt Armerding, der gemeinsam mit Uwe Buschmann aus der zweiten Gründerfamilie das Unternehmen leitet.

Krisenfolgen schnell überwunden

Denn Hansa-Flex soll weiter wachsen. So, wie es in der Unternehmensgeschichte eigentlich schon immer gewesen ist – mit einer Ausnahme. In den Jahren 2008 und 2009 hatte sich die Krise schmerzhaft auf die Geschäfte ausgewirkt. Quasi über Nacht ließen angesichts der Absatzflaute im deutschen Maschinenbau die Bestellungen nach, das Neugeschäft mit Hydraulikprodukten erlahmte, auch Ersatzteile waren weniger gefragt. 2009 war ein bitteres Jahr: Der Umsatz ging um ein Fünftel zurück, der Gewinn vor Steuern um zwei Drittel, von 18 auf knapp sechs Millionen Euro. „Solche Einbrüche waren völlig neu für uns“, sagte Armerding schon damals.

Es wurde zwar ein rigides Sparprogramm verhängt, doch es gab keine Entlassungen, und auch Investitionen wurden nicht aufgeschoben. Insgesamt 20 Millionen Euro gab Hansa-Flex inmitten der Krise aus – für neue Niederlassungen, für ein zweites Zentrallager im oberbayerischen Geisenfeld und für eine neue Asienzentrale in Schanghai. „Das war unser Glück, sonst wären wir der im Aufschwung wieder steigenden Nachfrage gar nicht nachgekommen“, berichtet der Firmenchef. Seitdem die Nachfrage der Industrie nach Hydraulik-Teilen wieder angezogen hat, geht es für die Nummer vier unter den weltweit größten Anbietern wieder nur noch aufwärts. „In diesem Jahr wachsen wir bislang mit mehr als zehn Prozent.“ Bleibt es dabei, könnte der Umsatz in laufenden Geschäftsjahr auf 340 bis 350 Millionen Euro und damit auf eine neuerliche Rekordmarke steigen.

So ist aus Krisenzeiten eigentlich nur eine späte Folge geblieben: Anders als zehn Jahre zuvor wird auf eine große Feier zum 50. Firmenjubiläum verzichtet, das dafür nötige Geld wollte der Vorstand, der den Mitarbeitern damals gerade das Weihnachtsgeld gestrichen hatte, nicht mehr ausgeben. „Wir feiern zwar trotzdem, aber es wird alles eine Nummer kleiner“, sagt Armerding.

Das eingesparte Geld bleibt stattdessen im Unternehmen. Es wird nicht nur in ein gutes Dutzend an neuen Dependancen in aller Welt, zum Beispiel in Italien – „damit wagen wir uns erstmals über die Alpen“–, sondern auch in eine neue Produktionsstrecke in Bremen investiert. In Sichtweite zur Unternehmenszentrale dicht beim Weserpark in Hemelingen soll in einer 3000 Quadratmeter großen Halle eine Schlauch-Fertigung aufgezogen werden. Bislang sei die Produktion auf mehrere Standorte verteilt gewesen, nun werde sie direkt neben dem Bremer Zentrallager konzentriert. „Das spart Kosten und Zeit“, sagt Armerding. 15 neue Arbeitsplätze würden neu entstehen, „fürs Erste, es kann noch mehr werden“.

Expansion in Nordafrika geplant

Denn der Markt wachse weiter, selbst in Deutschland mit der höchsten Dichte an Niederlassungen. China oder auch Mittel- und Osteuropa gehörten zu den vielversprechendsten Absatzgebieten von Hansa-Flex. Expandieren will das Unternehmen künftig aber auch in Nordafrika, wo sich gerade eine Kooperation zwischen der von Hansa-Flex mitbegründeten Internationalen Hydraulikakademie in Dresden und der Universität im ägyptischen Kairo anbahnt. „Auch Südamerika ist für uns hochinteressant“, sagt Armerding.

Das Hauptgeschäft macht Hansa-Flex noch immer mit dem „Tresengeschäft“, dem Verkauf von Hydraulik-Teilen über die 380 Niederlassungen. Auch im Ausbau der mobilen Werkstätten sieht der Vorstand großes Potenzial. Denn immer mehr Kunden kommen nicht mehr ins Geschäft, sie erwarten, dass man zu ihnen kommt. Deutschlandweit sind mittlerweile mehr als 140 Service-Wagen im Einsatz, die Flotte soll weiterwachsen. „Wir müssen vor allem mit unserer Schnelligkeit und unserer Qualität punkten“, so Armerding. Da zahle sich das dichte Netz an eigenen Niederlassungen aus.

Zunehmend biete Hansa-Flex aber auch Erstausrüstungen sowie die Montage und Wartung ganzer Anlagen an, Projekte, bei denen schon mal 20 Mitarbeiter eine Woche lang beschäftigt sein können. Als beim Wolfsburger Autohersteller VW mal eine Produktionshalle abbrannte, wurde sie von Hansa-Flex übers Wochenende wieder neu ausgestattet, „das schaffen nicht viele“, sagt der Firmenchef stolz.

Eigentlich steht alles zum Besten, findet Armerding. Er hat nur ein Problem: Händeringend sucht das Unternehmen neues Personal, „aber es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu finden“. Auch deshalb wurde in Kassel eine Ausbildungs-Niederlassung gegründet, die vom Firmennachwuchs in Eigenregie geführt wird. „Wir müssen uns die Leute selbst heranziehen.“

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