Zinssenkung der EZB Harte Zeiten für Sparer

Bremen/Frankfurt. Die Zinssenkung der EZB hat Sparer verunsichert Bei normalen Sparkonten gibt es nicht mehr viel zu holen, sagen Experten.
09.11.2013, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Harte Zeiten für Sparer
Von Stefan Lakeband

Die Zinssenkung der EZB hat Sparer verunsichert: Wie legt man sein Geld derzeit am besten an? Bei normalen Sparkonten und Lebensversicherungen gibt es nicht mehr viel zu holen, sagen Experten. Sie raten zur Schadensminimierung.

Nach der Senkung des Europäischen Leitzins am Donnerstag auf ein Rekordtief, machen sich vor allem Sparer Sorgen um ihre Einlagen. Experten wie der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolph Hickel sprechen von einer „finanziellen Repression“, was nichts anderes als einen schleichenden Vermögensverlust bedeutet.

„Das ist eine Katastrophe für Sparer“, sagt Hickel. Wer jetzt 1000 Euro zu einem Zinssatz von 0.8 Prozent und einer Inflation von 1,6 Prozent anlege, der habe innerhalb von 19 Jahren sein Vermögen glatt halbiert, rechnet er vor.

„Für Leute, die ihr Erspartes sicher anlegen wollen, geht es jetzt vor allem um eine Verlustminimierung“, erklärt auch Arno Gottschalk, Verbraucherschützer und Mitglied der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Der Inflationsverlust müsse so gering wie möglich gehalten werde. Jetzt lohne sich ganz besonders ein Vergleich. Teilweise seien die angebotenen Zinssätze immer noch sehr unterschiedlich. „Bei Angebote, die noch sechs oder sieben Prozent Zinsen bieten, sollte man jedoch stutzig werden“, warnt Gottschalk. Hier drohe Betrug.

Als alternative Anlagen schlägt Petros Tossios von der Bremer Landesbank Aktien und Immobilien vor. „Allerdings gab es auch schon Warnungen vor einer möglichen Blase“, erklärt der Analyst. Auch Hickel betrachtet Wertpapiere skeptisch. Zwar seien die Aktienkurse nach Bekanntwerden der erneuten Zinssenkung kurzzeitig gestiegen, das sei jedoch nicht unbedingt nachhaltig. „Die Kurse sind bereits spekulativ übertrieben und nicht begründet“, so Hickel. Die Banken – vor allem der Bankenverband – kritisieren seiner Ansicht nach heuchlerisch. Die EZB wolle die Kreditversorgung erleichtern. Die Banken seien bei der Kreditvergabe aber weiter sehr zurückhaltend. „Bei einer gesicherten Hypothek werden in Bremen bis zu sieben Prozent Zinsen verlangt.“

Doch nicht nur Spareinlagen leiden unter dem Fluch des billigen Geldes. Auch Versicherung sind längst keine attraktiven Anlagemöglichkeiten mehr. Lebensversicherungen geraten weiter unter Druck. Sie sind seit Jahrzehnten der „Liebling“ für die Altersvorsorge, weil sie feste Zinsen für Jahrzehnte garantieren. Mit rund 90 Millionen Verträgen gibt es sogar mehr Lebensversicherungen in Deutschland als Einwohner. Weil Lebensversicherungen das Geld nicht mehr so profitabel angelegen können wie früher, sind die Garantiezinsen kaum noch zu erwirschaften. Die erneute Leitzinssenkung könnte diese Problematik noch weiter verschärfen.

„Alte Produkte mit einer Garantieverzinsung können für die Versichere zu einem echten Problem werden“, warnt beispielsweise Gottschalk. Diese Verträge hätten teilweise noch Zinsen von vier Prozent. Verbraucher mit so einem Altvertrag können sich freuen – so lange die Versicherung noch zahlen kann.

Gottschalk rät, auch seinen eigenen Kredite zu überprüfen und nachzurechnen. Gerade bei Konsumkrediten könnte man durch eine Umschuldung deutlich sparen.

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