Aufatmen bei Getränkeherstellern

Haustrunk für Brauerei-Mitarbeiter bleibt steuerfrei

Eigentlich hatte das Bundesfinanzministerium überlegt, in Zukunft den sogenannten Haustrunk für Brauerei-Mitarbeiter zu besteuern. Warum der Plan nun doch verworfen wurde.
11.01.2020, 06:30
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Haustrunk für Brauerei-Mitarbeiter bleibt steuerfrei
Von Florian Schwiegershausen
Haustrunk für Brauerei-Mitarbeiter bleibt steuerfrei

Aufatmen für Deutschlands Brauereien und deren Beschäftigte: Das Bundesfinanzministerium hat den Plan verworfen, den Haustrunk für Brauereimitarbeiter zu versteuern.

Björn Hake

Aufatmen für Deutschlands Brauereien und deren Beschäftigte: Das Bundesfinanzministerium hat den Plan verworfen, den Haustrunk für Brauereimitarbeiter zu versteuern. Das hat das Ministerium dem WESER-KURIER mitgeteilt. Beim Haustrunk handelt es sich um die Getränke, die die Mitarbeiter als Teil ihres Lohns tarifvertraglich verankert in Form von Naturalien jeden Monat mit nach Hause nehmen dürfen. Darauf müssen die Brauereien keine Biersteuer zahlen. Das wollte das Bundesfinanzministerium eigentlich ändern.

Votum der Finanzminister ausschlaggebend

Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin habe auch das Votum der Finanzminister aus den Ländern den Ausschlag für das Umlenken gegeben. Denn die wurden um eine Stellungnahme gebeten, weil die Biersteuer eine Ländersteuer ist und entsprechend in ihre Etats fließt. So habe sich die Mehrheit gegen die Besteuerung ausgesprochen. Während Bremens Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) für die Besteuerung war, sprach sich Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) dagegen aus. Er wolle diese in Deutschland bestehende Tradition beibehalten: „Dafür spricht auch, dass das zu erwartende Mehraufkommen an Biersteuer sehr überschaubar ausfallen dürfte.“

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Ähnlich sieht es auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Sarah Ryglewski (SPD): „Ich bin froh, dass wir uns mit den Ländern einigen konnten und der traditionelle Haustrunk erhalten bleibt, der ja Bestandteil vieler betrieblicher und tariflicher Vereinbarungen ist und von den Beschäftigten auch geschätzt wird.“

AB-Inbev-Mitarbeiter erhalten Biermarken

Entsprechend dürften sich auch die Mitarbeiter von AB Inbev in Bremen freuen. Ihr Tarifvertrag sieht vor, dass jeder von ihnen pro Monat fünf Biermarken erhält. Jede Marke kann gegen einen Getränkekasten eingetauscht werden – egal ob alkoholisch oder nicht. Um dem Vorurteil des bierseligen Mitarbeiters entgegenzuwirken, wies die Sprecherin von AB Inbev Deutschland darauf hin, dass Haustrunk nicht automatisch mit Bier gleichzusetzen sei. So entscheiden sich die Mitarbeiter in Bremen bei ihrem monatlichen Deputat auch häufig für alkoholfreie Erfrischungsgetränke. Mit Unverständnis auf die Pläne reagierte Dieter Nickel, Bremer Chef der Gewerkschaft NGG. Er verwies auf die lange Tradition des Haustrunks – genauso, wie es in anderen Bereichen der Lebensmittelbranchen ein monatliches Deputat gebe. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben die Brauereien in Deutschland 2018 rund 131 000 Hektoliter Bier als Haustrunk an ihre Mitarbeiter abgegeben. Verkauft haben sie insgesamt etwa 94 Millionen Hektoliter.

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Nicht vom Tisch ist die unterschiedliche Behandlung von Pfandflaschen. Das Bundesfinanzministerium überlegt, die herkömmlichen Standardpfandflaschen in der Unternehmensbilanz anders zu bewerten als die Reliefflaschen, auf die ein spezieller Schriftzug oder ein besonderes Logo ins Glas eingearbeitet sind. Nur für Reliefflaschen sollen Brauereien in Zukunft in der Bilanz Rückstellungen bilden dürfen. Die Begründung: Nur hier sei ja eindeutig der Besitzer erkennbar. Die Sorge besteht, dass dadurch in Zukunft der Anteil der Standardflaschen sinken werde. Hier sei das Ministerium weiter im Gespräch mit dem Deutschen Brauer-Bund.

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