Bei Überfällen oder Havarien

Helikopter gegen Piratenangriffe

Der Hubschrauber vom DLR ist klein und fliegt autonom - ein Pilot im Cockpit ist nicht erforderlich. Wie das Fluggerät bei Überfällen und Havarien Bilder aus der Luft liefern soll, um sich ein Bild zu machen.
25.10.2018, 18:26
Lesedauer: 3 Min
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Helikopter gegen Piratenangriffe
Von Peter Hanuschke
Helikopter gegen Piratenangriffe

Der unbemannte Helikopter Super-Artis bei der Landung: Dazu wird von der Seilwinde am Fluggerät ein Seil auf das Deck herabgelassen und dort mittels Magnet fixiert.

DLR

Piraten versuchen, mit Schnellbooten an ein Containerschiff heranzufahren, um an Bord zu gelangen. Wie viele Angreifer sind es? Wie sind sie bewaffnet? Antworten darauf helfen, die Gefahrenlage einzuordnen, um von außen mit geeigneten Mitteln zu reagieren. Je schneller solche Informationen den entsprechenden Einrichtungen zur Verfügung stehen desto besser. Genau dabei will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) helfen und hat einen unbemannten Helikopter entwickelt, der vom Schiff startet, um schnell Bilder von der Situation zu machen und zu übertragen.

Es geht dabei um den Schutz der globalen Seewege, die das Rückgrat des Welthandels darstellen und zugleich eine hochsensible Infrastruktur sind. Schiffe sind dabei nicht nur Piratenangriffen ausgesetzt, auch Extremwetter und Havarie können die Risiken für das Schiff erhöhen. Bei einer potenziellen Gefahrenlage ist es wichtig, schnell einen Überblick zu gewinnen. Genau dafür das geeignete Mittel zu finden, sei die Motivation gewesen, den Helikopter zu entwickeln, so DLR-Sprecher Falk Dambowsky. Denn die nötige Reaktionsgeschwindigkeit können in einem solchen Fall unbemannte Luftfahrzeuge bieten, die schiffgestützt eingesetzt werden, das heißt direkt von einem Schiff aus starten, um automatisiert Lagebilder aus der Luft zu erstellen.

Im Projekt Maritimer RPAS-Betrieb (MaRPAS) forschen die DLR-Institute für Flugführung und Flugsystemtechnik aus Braunschweig zusammen mit ihrem Kooperationspartner der Bundespolizei See seit 2016 an unbemannten Flugsystemen (RPAS - Remotely Piloted Aircraft Systems) und den Einsatzmöglichkeiten und -bedingungen für den Einsatz auf See. Mit Flugversuchen im Oktober wurde das Projekt abgeschlossen.

Die Flugerprobungen fanden im Hafen Hohe Düne in Rostock-Warnemünde statt und präsentierten eine Start- und Landetechnologie für unbemannte Hubschrauber, um diese in maritimen Einsatzszenarien zu unterstützen. Der unbemannte DLR-Hubschrauber Super-Artis startete von und landete auf dem Deck des Schiffs „Bredstedt“ der Bundespolizei See. An seiner Unterseite war die neuartige Landevorrichtung aus Seilwinde und Elektromagnet befestigt, die ihn zunächst an das Helideck des Bundespolizeischiffes „fesselte“. Dann hob der Super-Artis ab, löste die Magnetverbindung zum Schiff und zog das Seil ein. Für die Landung wurde das Seil über die Seilwinde vom fliegenden Helikopter zum Schiffsdeck abgelassen und dort mittels Magneten fixiert. Durch die Fesselung und ein automatisiertes Einholen des Seils wurde der Hubschrauber anschließend zum Schiffsdeck geleitet. “Es ist eine Herausforderung, denn Luftverwirbelungen durch die Aufbauten des Schiffes, aber auch plötzlich auftretende Böen und die Eigenbewegungen des Schiffes erschweren den Präzisionsanflug“, sagt Stefan Krause vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik, welches die Landevorrichtung entwickelt hat.

Aus Sicht des DLR ist das Projekt erfolgreich verlaufen. Ob der Super-Artis deshalb einmal auf einem Containerschiff zum Einsatz kommt, bedeutet das aber noch lange nicht. „Wir als DLR betreiben in diesem Fall Grundlagenforschung und zeigen, dass so etwas möglich ist“, so Dambowsky. Ob aus einem solchen Projekt auch ein Produkt für den kommerziellen Bereich entsteht, das müssten andere entscheiden – etwa die Industrie. Insofern sei es auch nicht möglich, Kosten für einen solchen Hubschrauber zu benennen. Das hänge ja immer von der Stückzahl ab.

Zurück zum ersten Helikopter-Einsatz: In die Flugplanung wurden Echtzeitparameter zu Wind und Wetter einbezogen. Für die notwendige Präzisionsnavigation und die Flugplanung war das DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig verantwortlich, welches auch die Projektleitung innehatte. Das Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten –- Schiffsplattform, Fluggerät mit Seilwinde und Bodenstation – konnte dabei laut DLR erfolgreich erprobt werden. Bereits im Juni 2017 hatten die DLR-Wissenschaftler ein Wind-, ein Wettermessgerät sowie ein Antennensystem auf der „Bredstedt“ installiert, um auf einer fünftägigen Patrouillenfahrt reale Daten der Bedingungen auf See zu erheben, mit denen bei einer Landung auf einem Schiffsdeck typischerweise gerechnet werden muss. Sie bildeten die Grundlage für die Planung der abschließenden Flugversuche.

Ein ferngesteuertes Luftfahrzeug sicher fliegen und auch wieder landen zu lassen, sei bereits an Land ein anspruchsvolles Vorhaben, so das DLR. Sollen unbemannte Flugsysteme im maritimen Bereich eingesetzt werden, ist der Vorgang durch den Seegang und hochdynamische Entwicklungen von Wind- und Wetterbedingungen deutlich komplexer. Im Projekt MaRPAS vereinen im DLR die Institute für Flugführung und Flugsystemtechnik aus Braunschweig ihre Kräfte für die Konzeption und Umsetzung einer genauen Navigation und präzisen Flugregelungstechnik für schiffsgebundene RPAS. Im Folgeprojekt MaRPAS 2, das für 2019 bis 2021 geplant ist, wollen die Wissenschaftler die weiterentwickelten Systeme auch auf See testen.

Ob statt Bildern vom Helikopter nicht auch Satellitenbilder ausreichen würden, dazu sagt Dambowsky: „Satellitenbilder stellen natürlich eine sinnvolle Ergänzung dar.“ Allerdings sei der Nachteil, dass Satelliten auf ihrer Umlaufbahn vielleicht gerade nicht am richtigen Ort sind und die Datenübertragung länger dauert als vom Helikopter aus.

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