Traditionshändler in der Stresemannstraße

Mitarbeiter des Hellweg-Centrums hängen in der Luft

Ende August schickte der bisherige Besitzer des Hellweg-Centrums einen Hilferuf an Bremens Wirtschaftssenatorin. Wenige Tage später verkaufte er das Unternehmen. Nun sind alle 39 Mitarbeiter freigestellt.
07.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Mitarbeiter des Hellweg-Centrums hängen in der Luft
Von Florian Schwiegershausen
Mitarbeiter des Hellweg-Centrums hängen in der Luft

Seit einem Monat hat das Hellweg-Centrum geschlossen. Der bisherige Besitzer hatte im August noch vor einer Insolvenz gewarnt und den Markt dann wenig später an einen Hamburger Unternehmer verkauft.

Christina Kuhaupt

An der Tür ein Zettel. Darauf heißt es: „Heute leider geschlossen“. Doch das Papier am Eingang des Hellweg-Centrums hängt schon länger dort. Der Kunde sieht daneben noch das Werbeplakat für die LED-Lampenaktion. Die Lichter im Geschäft sind allerdings aus, seit der bisherige Besitzer Johannes von der Linde den Groß- und Einzelhandelsmarkt Anfang September an den Hamburger Stefan Rosenkilde verkauft hat. Nach dieser Übernahme hat Rosenkilde die noch 39 Mitarbeiter freigestellt. Sie sollen seit August kein Gehalt mehr bekommen haben. Nach der Freistellung haben die Beschäftigten, von denen so mancher mehr als 30 Jahre im Unternehmen ist, auch nichts mehr vom neuen Chef gehört. So wurde es dem WESER-KURIER beschrieben. Entsprechend wissen sie auch nicht, was der neue Besitzer vorhat.

Ohne Kündigung kein Antrag auf Arbeitslosengeld möglich

Freigestellt bedeutet aber eben nicht gekündigt. Wäre ihnen gekündigt worden, könnten sie Arbeitslosengeld I beantragen. Nun aber hängen die Beschäftigten in der Luft und wissen nicht, woran sie sind. Laut Eintrag im Hamburger Handelsregister ist Rosenkilde gleichzeitig Geschäftsführer des deutschen Büros der internationalen Spedition AN – seit Februar. Büros gibt es laut dem Internetauftritt in Mailand, Verona, Rom und Neapel. Nachrichten an die E-Mail-Adresse des deutschen Büros kommen mit dem Hinweis zurück, dass die Adresse unbekannt ist. Eine Nachricht auf den Anrufbeantworter der Hamburger Telefonnummer wurde nicht erwidert. Auf der Internetseite heißt es, dass die Spedition mit 350 Zugmaschinen und 400 Kühlaufliegern Lebensmittel, darunter Obst und Gemüse, von Italien nach Deutschland bringt. Dem Verein Hamburger Spediteure sagt das Unternehmen trotz dieser Größe nichts.

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Der Sitz des Büros befindet sich an der Grenze zwischen den Hamburger Stadtteilen Harvestehude und Rotherbaum in einem großen Wohnkomplex mit kleinen Läden im Erdgeschoss. Nach Angaben des Bremer Amtsgerichts liegt dort für das Handelsregister die Übernahme von Ende August vor. Laut der Sprecherin seien aber noch einige Dinge nachzuprüfen.

Ende August wandte sich der bisherige Geschäftsführer von Hellweg, Johannes von der Linde, mit einem Hilferuf an Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Im Brief beschrieb er die Situation: Erneut müsse er Insolvenz anmelden, wenn es keine Unterstützung gebe. Die meisten Kunden verließen den Laden in der Stresemannstraße wieder, weil die Regale leer seien. „Wir bluten aus, wir können keine Ware mehr beschaffen.“ Der neue Onlineshop sollte eigentlich im September starten. Der Wirtschaftsförderung Bremen war die Situation bekannt.

Erstmals insolvent im Juli 2019

Durch den Verkauf hat von der Linde die Insolvenz verhindert. Es wäre bereits die zweite Insolvenz des einstigen Metro-Konkurrenten gewesen. Das erste Mal musste der Geschäftsführer im Juli 2019 den Weg zum Amtsgericht gehen. Drei Monate später konnte er verkünden, dass es mit Hellweg weitergeht. Doch durch Corona blieben wichtige Kunden weg, zum Beispiel Friseure, die sonst dort für ihren Betrieb einkauften.

Generationen von Handwerksbetrieben und Familienunternehmen kauften bei Hellweg ein. Für die Mitarbeiter ist offen, ob und wann der Zettel an der Tür wieder verschwindet.

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