Übergabe verweigert

Türkischer Pass nicht akzeptiert: Hermesshop rückt Pakete nicht raus

Als eine Bremerin von einem Hermesshop ihr Paket abholen will, wird ihr die Übergabe verweigert. Mit ihrem türkischen Reisepass sei die Abgabe nicht erlaubt. Darüber hat sich die Frau nun beschwert.
04.04.2020, 05:00
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Von Florian Schwiegershausen und Larissa Schwedes
Türkischer Pass nicht akzeptiert: Hermesshop rückt Pakete nicht raus

Durch die Corona-Krise haben die Boten von Hermes und anderen Paketdiensten allerhand zu tun. Bei der Übergabe wird nun darauf geachtet, dass zwischen Kunden und Zusteller genug Abstand ist.

Hermes

Für Gözde Güney sollte es vergangenen Samstag eigentlich wie immer sein: Sie hatte etwas im Internet bestellt und wollte das Paket abholen. Dieses Mal war es eine Sendung von Otto. Das bedeutet, dass die Ware von der Konzerntochter Hermes zugestellt wird. Normalerweise lässt sich Güney die Pakete dann an den Kiosk am Weserwehr schicken, der als Paketshop Hermes-Sendungen ausgibt und auch annimmt. Doch weil Güney nicht genau wusste, ob der Kiosk wegen der Corona-Einschränkungen geöffnet hat, ließ sie sich ihre Bestellung an die Esso-Tankstelle in der Stresemannstraße schicken.

Als sie dort aber am Samstag ihr Paket abholen wollte, konnte sie nicht so recht glauben, was man ihr sagte: „Pakete gibt es hier nicht mit einem türkischen Reisepass. Sendungen kann man nur abholen mit einem Personalausweis oder einem Reisepass, der in einem Mitgliedsland der Europäischen Union ausgestellt ist.“ Güney sagt, dass die Mitarbeiterin vor Ort selbst einen türkischen Pass habe und das Problem wohl kennen würde. „Zwei Tage zuvor habe ich woanders problemlos mit meinem Pass ein anderes Paket abgeholt“, wundert sich Güney, die die türkische Staatsbürgerschaft hat und seit 2003 in Bremen lebt.

Otto bestätigt diese Handhabe

Güney setzte sich schockiert per E-Mail sowohl mit Hermes als auch mit Otto in Verbindung. Sollte es womöglich irgendeine kurzfristige Änderung wegen Corona sein? Vom Kundendienst beim Versandhaus Otto erhielt sie direkt am Sonntag eine E-Mail, die das bestätigte, was ihr die Mitarbeiterin in der Tankstelle bereits gesagt hatte: "Meine Kollegin hatte sich bei Hermes nach Ihrer Lieferung erkundigt. Heute haben wir die Antwort erhalten. Die Abholung kann nur mit einem deutschen Personalausweis oder Reisepass erfolgen.

Es tut mir leid, Ihnen keine andere Auskunft geben zu können." So ähnlich lautete auch die Antwort vom Hermes-Kundendienst. Dort hatte der Service-Mitarbeiter aber eine Alternatividee: "Laden Sie aus dem Internet eine Vollmacht herunter und beauftragen Sie zum Abholen jemanden, der einen Personalausweis oder einen Reisepass aus der EU hat." Wenn der dann zusätzlich zur Vollmacht auch noch eine Kopie von Güneys türkischem Reisepass habe, dann würde er das Paket ausgehändigt bekommen.

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Das reichte Güney. Zum Wochenanfang schrieb sie an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Auf der Internetseite von Hermes heißt es offiziell, dass man seine Sendung im Paketshop auch mit einem Reisepass abholen kann, der in einem Nicht-EU-Land ausgestellt wurde – sofern der Kunde eben keinen Pass oder Ausweis aus der EU hat. Als der WESER-KURIER in der Pressestelle von Hermes nachfragte, hieß es, dass es sich um ein Missverständnis bei den Mitarbeitern vor Ort handele. Ein Sprecher bedauerte diesen Vorfall und sagte: „Wir sind sofort mit den zuständigen Personen vor Ort in den Dialog gegangen, damit sich dies nicht noch einmal wiederholt.“

Gözde Güney kann diese Entschuldigung nicht so richtig akzeptieren: „Schließlich hat man mir ja schriftlich per E-Mail bestätigt, dass die Mitarbeiterin im Paketshop an der Tankstelle richtig gehandelt hat.“ Deshalb findet sie es nicht in Ordnung, das jetzt auf den Paketshop abzuwälzen.

Paketdienste spüren Corona-Effekt

Beim Mitbewerber DHL heißt es im Internet, dass zur Abholung einer Sendung in einer Postbankfiliale oder einem Shop ein Lichtbildausweis reicht. Eine Einschränkung, aus welchem Land dieser Ausweis sein darf, gibt es nicht. Übrigens sind Postfilialen und DHL-Paketshops auch von den Geschäftsschließungen ausgenommen. So hat es das Bundeskabinett verfügt. Laut DHL kann es aber bei der einen oder anderen Filiale oder einem Paketshop zu Einschränkungen bei den Öffnungszeiten kommen. Das sei der Tatsache geschuldet, dass Mitarbeiter krank seien oder ihnen eine Betreuung für ihre Kinder fehle.

Um möglichst den Abstand einhalten zu können, müssen Kunden in diesen Tagen, wenn sie ein Paket an der Haustür überreicht bekommen, es auch nicht mehr quittieren. Das gilt sowohl bei DHL als auch bei Hermes. Grundsätzlich scheint sich das Paketgeschäft in diesen Wochen, in denen eine Reihe von Geschäften geschlossen bleiben muss, zu lohnen. So steigen mittlerweile bei DHL die Paketzahlen. Zu Beginn der Einschränkungen hatte sich zunächst kein nennenswerter Effekt bemerkbar gemacht.

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Man sehe nun „eine täglich steigende Zahl von Sendungen, deren Menge mittlerweile sehr spürbar über der des Vorjahres zu dieser Zeit liegt“, sagte ein DHL-Sprecher. Über Ostern werde die Menge voraussichtlich weiter steigen. Demnach setzten wohl auch kleine Händler vor Ort verstärkt auf den Versand. Aufgrund der Zunahme, könne es vereinzelt zu Verzögerungen beim Abholen des Pakets kommen.

Bei Hermes sei das Aufkommen etwa gleich. Momentan werde verstärkt Spielzeug und Elektronik bestellt, dafür weniger aus anderen Warengruppen. So wird sich auch Güney weiterhin Ware von Hermes schicken lassen – in Zukunft aber lieber wieder in den Kiosk ihres Vertrauens am Weserwehr. Ihr Otto-Paket soll sie dieser Tage dann doch noch erhalten.

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