Containerterminal-Kooperation

HHLA will kein Joint Venture mit Eurogate

Die Bremer BLG ist Teilhaber des Terminalbetreibers Eurogate und geht von einem möglichen Joint Venture mit der HHLA im Containergeschäft aus. Doch für die Hamburger sei es nicht mehr als eine Kooperation.
24.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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HHLA will kein Joint Venture mit Eurogate
Von Peter Hanuschke
HHLA will kein Joint Venture mit Eurogate

Eine mögliche Zusammenarbeit ist offensichtlich noch in weiter Ferne: Im Waltershofer Hafen in Hamburg liegen die Terminalbetreiber HHLA (links) und Eurogate (rechts) zumindest in Sichtweite beieinander.

HHM/Peter Glaubitt

Zwischen der Bremer BLG mit ihrer Terminaltochter Eurogate und der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben: Während die Bremer im Containergeschäft von einem möglichen Joint Venture mit den Hamburger ausgehen, können sich die Verantwortlichen bei der HHLA nicht mehr als eine Kooperation vorstellen. Im Falle eines Joint Ventures würden BLG, Eurogate und HHLA ja ein gemeinsames Unternehmen gründen. Bei einer Kooperation wäre das nicht notwendig.

Neuer Anlauf für Zusammenarbeit

Dabei ist die Idee, das Container-Terminalgeschäft in den deutschen Seehäfen zu bündeln, nicht neu. Schon vor über 20 Jahren wollten Bremen, Hamburg und Niedersachsen die Deutsche Bucht AG gründen - auch, um über einen gemeinsamen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven nachzudenken. Zwar wurde aus der Deutschen Bucht AG nichts. Dafür wurde aus der Idee des Tiefwasserhafens etwas: Seit 2012 gibt es den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, allerdings ohne Beteiligung Hamburgs. Zwischendurch gab es immer wieder Gedankenspiele, beim Terminalgeschäft enger zusammen zu arbeiten - etwa in Hamburg am Burchardkai zwischen der HHLA und Eurogate. Passiert ist nichts. Vor fast einem Jahr begannen erneut die Gespräche für einen weiteren Versuch, die Kräfte zu bündeln.

Zumindest hatten die HHLA und Eurokai aus Hamburg sowie die BLG Group - beide sind zu gleichen Anteile Eigentümer von Eurogate - angekündigt, ergebnisoffen Gespräche zu führen, um die Möglichkeit einer engeren Kooperation auszuloten. Das Lot bewegt sich nicht. Seit ein paar Monaten herrscht zwischen den möglichen Kooperationspartnern ein Kommunikationsstillstand.

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Weshalb ein gemeinsames Joint Venture Sinn machen könnte, darüber sind sich die Unternehmen einig: Es geht in der Theorie darum, den Terminal-Standort Deutschland im Wettbewerb mit Rotterdam und Antwerpen zu stärken. Vor allem soll sich ein zusammengeschlossener Terminalbetreiber besser gegenüber der Markt- und Preismacht der großen Containerreederei-Allianzen behaupten, die sich in den vergangenen Jahren gebildet haben.

Politisch gibt es auch volle Unterstützung für eine strategische Zusammenarbeit. Sowohl die HHLA als auch die BLG sind mehrheitlich im Eigentum der jeweiligen Städte. Das spielt bei diesen Unternehmen eine gewisse Rolle, auch wenn die Politik in Hamburg und Bremen bei beiden nichts mit dem operativen Geschäft zu tun haben.

Das Ziel der Gespräche zwischen beiden Unternehmen ist aus Sicht des Bremer Senats klar: Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen zu stärken und damit auch der beiden größten Hafenstandorte Deutschlands. So sagten es das Häfen- und des Finanzressort dem WESER-KURIER.

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Für den Bremer Senat komme ein mögliches Joint Venture nur dann infrage, wenn dies sowohl in Hamburg als auch in Bremen einen Hauptsitz gebe. Bezüglich der Eigentumsverhältnisse sei es so, dass die in Bremen beheimatete Eurogate selbstverständlich eine Beteiligung auf Augenhöhe mit der Hamburger HHLA anstrebe. Das erwarte man klar so, Platz für unterschiedliche Vorstellungsfantasie gebe es nicht.

Ob eine 50:50-Anteilsverteilung Voraussetzung für das Joint Venture sein muss, das wollte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann bei der Anfrage des WESER-KURIER nicht kommentieren. Nur so viel: Er begrüße die Gespräche zwischen den Unternehmen.

Keine Entscheidung vor Jahresende?

Die BLG Group hatte in dieser Woche bei ihrer Vorstellung der Geschäftszahlen für 2020 wie berichtet deutlich gemacht, dass das Joint Venture nur dann Realität werden könne, wenn Eurogate zur Hälfte beteiligt werde, und einer von zwei Firmensitzen in Bremen sei.

Offenbar besteht diesbezüglich noch erheblicher Gesprächsbedarf: Denn die HHLA hat inzwischen offenbar eine etwas andere Sichtweise: „Zunächst weise ich nochmals daraufhin, dass die Gespräche kein Joint Venture zwischen der HHLA und Eurogate zum Ziel haben“, sagte ein HHLA-Sprecher am Freitag dieser Zeitung. In den Gesprächen solle es demnach nur beim Containerumschlag um eine mögliche Kooperation gehen. Dazu gebe es derzeit keinen neuen Sachstand. Bis Jahresende solle absehbar sein, ob eine unternehmerische Lösung machbar sei. So habe es die HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath in dieser Woche bei einem Gespräch im Club Wirtschaftspresse München dargelegt, wie ein Sprecher es weiter ausführte. Titzrath habe bei dem Termin gesagt, dass da sehr unterschiedliche Kulturen miteinander reden würden.

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Was die aktuelle Absage ans Joint Venture angeht, dazu hatte sich die HHLA-Vorstandsvorsitzende vor ein paar Wochen noch anders ausgedrückt: „Wir müssen ein starkes Unternehmen aufbauen“, sagte sie im Januar dem „Hamburger Abendblatt“. Damals gab es auch die Frage, ob sie bei einem Zusammenschluss die unternehmerische Führung beanspruche. Laut Titzrath wird das erst am Ende der Verhandlungen entschieden. Voraussetzung sei, „dass wir ein leistungsfähiges Unternehmen entwickeln.“

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Umschlag auf Augenhöhe

Vom Container-Umschlagsvolumen wären beide möglichen Partner auf jeden Fall auf Augenhöhe: 2019 lag das Volumen an den drei HHLA-Terminals bei etwa 7,6 Millionen Standardcontainern (TEU). Genauso viele TEU hatte Eurogate an seinen fünf Terminals umgeschlagen, von denen jeweils eins in Hamburg und eines in Wilhelmshaven betrieben werden sowie die drei Terminals in Bremerhaven.

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