Zukunft des Bremer Sechs-Tage-Rennens Hickhack um den Betreiber geht weiter

Bremen. Wie geht es weiter mit den Bremer Sixdays? Die Stadt sucht einen neuen Betreiber und hat sich dabei in eine Sackgasse manövriert. Das könnte unabsehbare Folgen für eine der populärsten Veranstaltungen haben, die Bremen zu bieten hat.
16.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Hickhack um den Betreiber geht weiter
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Halbzeit beim Bremer Sechstagerennen. Die Fahrer drehen ihre Runden, die Besucher trinken ihr Bier, alles wie immer, und trotzdem ganz anders. Denn wer schaut schon groß auf die sportlichen Ergebnisse, wenn mehr auf dem Spiel steht als Platz und Sieg? Es geht um die Sixdays im Ganzen. Wer soll sie in Zukunft betreiben? Wie es aussieht, hat sich die Stadt bei dieser Frage in eine Sackgasse manövriert, mit unabsehbaren Folgen für eine der populärsten und größten Veranstaltungen, die Bremen zu bieten hat.

Seit 40 Jahren steht ein Mann für die Sixdays, der nicht unumstritten ist, es aber immerhin geschafft hat, das weltgrößte Sechstagerennen am Leben zu erhalten und Bremen damit Profit zu bescheren: Frank Minder, 64 Jahre alt und Inhaber der Firma Bremer Sportmarketing GmbH. Minder hat auch für das laufende Rennen wieder die Sponsoren besorgt, gemeinsam mit seinem Sportlichen Leiter das Fahrerfeld zusammengestellt, die Holzbahn aufbauen lassen und das Bühnenprogramm organisiert.

Gut möglich, fast wahrscheinlich, dass es für ihn das letzte Mal war. Die Stadt hat Minders Vertrag nicht verlängert und das Rennen stattdessen ausgeschrieben. Vier Bewerbungen gibt es, darunter auch die von Minder. Die Sache sollte längst entschieden sein, doch zum einen ist offenbar unterschätzt worden, wie kompliziert das Vergabeverfahren ist. Zum anderen herrscht hinter den Kulissen dem Vernehmen nach schlicht Ratlosigkeit, mit welchem Betreiber man das Sechstagerennen in eine rosige Zukunft führen kann.

Neben Minder bewerben sich der Bremer Gastronom Achim Grunert, der Marketingexperte Reiner Schnorfeil aus Harpstedt, früher bei der Bremer Stadthalle beschäftigt und heute einer der Organisatoren des Berliner Sechstagerennens, und schließlich Elko, eine Tochterfirma des Müllriesen Nehlsen, die sich zusammen mit der Bremer Veranstaltungs- und Event GmbH (BVE) um den Zuschlag bemüht.

Für Minder sind das Konkurrenten, die er nicht ernst nehmen kann: "Wo ist deren Know-how?", fragt der Sixdays-Macher. Die Stadt sieht das offenbar ähnlich, sie wünscht sich deshalb, dass Minder weiter macht - auf einmal und ziemlich überraschend, denn warum das ganze Theater, wenn doch wieder der bisherige Veranstalter ausgewählt wird?

"Wir sollten die Erfahrung, das Know-how und das Engagement von Herrn Minder in irgendeiner Form einbeziehen", sagte Wirtschafts-Staatsrat Heiner Heseler (SPD) in einem Interview mit Center-TV, "Minder hat das Rennen immer am überzeugendsten verkörpert."

Gleichzeitig fordert der Staatsrat aber, dass sich bei den Sixdays grundlegend etwas ändert: "Wir brauchen einen Neuanfang." Es habe in der Vergangenheit zunehmend Probleme gegeben, Sponsoren zu finden, außerdem seien die Besucherzahlen gesunken. Minder hält dagegen: "Das Rennen im vergangenen Jahr war mit 125000 Besuchern eines der erfolgreichsten überhaupt", sagte er dem WESER-KURIER. Kein Grund also für ihn, sein Konzept über den Haufen zu werfen, "ein bisschen was verändert haben wir ja immer schon."

Minder schließt kategorisch aus, sich mit einem der anderen Bewerber zusammenspannen zu lassen. "Nein", sagt er, "die kenne ich. Das ist nicht meine Welt." Die Stadt aber will genau das: Einen neuen Betreiber als Partner von Minder, der wegen seiner Kontakte noch gebraucht wird und den Übergang moderieren soll.

Unterm Strich eine völlig verfahrene Situation, die für das Bremer Sechstagerennen ernste Gefahren heraufbeschwört. Schon jetzt hat es nach Minders Darstellung große Einbußen bei den Sponsorengeldern gegeben, weil nicht klar gewesen sei, wer die Sixdays weiter führt. Und das bei einer Veranstaltung, die von den Verantwortlichen unisono als unverzichtbare Marke gelobt wird. "Für die Messehallen und die Stadt insgesamt hat das Sechstagerennen eine Riesenbedeutung", sagt Marketing-Chef Klaus Sondergeld, "es wäre ein großer Jammer, wenn es das Rennen nicht mehr gäbe."

Hans-Peter Schneider, Chef der Messe Bremen und designierter Hallenchef, hat angekündigt, dass allen Widrigkeiten zum Trotz bis zum Dienstag, wenn das laufende Sechstagerennen zu Ende geht, eine Entscheidung getroffen wird. Minder, der an kein gerechtes Auswahlverfahren glaubt und den Verantwortlichen die sportliche Kompetenz abspricht, macht sich mit seiner Crew auf alles gefasst: "Wir werden jeden Abend Abschied feiern und uns beim Publikum bedanken."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+