1000 freie Plätze in Bremen Hilfe bei Heimplatz-Suche

Bremen. Etwa 7000 Pflegeplätze gibt es in Bremen, knapp 1000 davon sind nicht belegt. Die Suche nach einem geeigneten Heimplatz hat Gerrit Krause zu einer Geschäftsidee gemacht.
04.03.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Britta Schlesselmann

Bremen. Oma muss ins Heim – doch in welches? Wo wird auf ihre Erkrankung eingegangen? Und wo wird am besten auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen? Familien haben die Qual der Wahl: Etwa 7000 Pflegeplätze gibt es in Bremen, knapp 1000 davon sind nicht belegt. Die Suche nach einem geeigneten Heimplatz hat Gerrit Krause zu einer Geschäftsidee gemacht: Er hat das "Care Concierge Konzept" entwickelt, bei dem Anbieter und Nutzer von Pflegeplätzen zusammengebracht werden.

Unterstützt wird die Idee von der Bremer Wirtschaftsförderung. Das Angebot von Krauses Unternehmen Hecama existiert offiziell seit dem 1. Januar 2013, doch erstmals angewandt wurde es bereits ein paar Wochen zuvor: "Mich rief eine völlig verzweifelte Frau an, deren Mutter dement ist – und die in Folge dessen sehr aggressiv war. Die Familie hatte schon mehrere Nächte nicht geschlafen", erinnert er sich. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin fand Krause innerhalb von 24 Stunden eine Pflegeeinrichtung, die sich auf Demenz spezialisiert hat.

Die Probleme im Pflegealltag beschäftigen Krause schon lange. Er sitzt im Vorstand des Bremer Pflegerates, in dem sich acht an der Pflege beteiligte Berufsverbände organisiert haben. Außerdem ist er Leiter der Pflegeentwicklung bei den Ameos Kliniken, zu denen auch die Dr.-Heines-Klinik in Oberneuland gehört.

"Mir sind zwei Dinge aufgefallen: Zum einen steigt die Zahl der offenen Heimplätze, zum anderen steigt der Kostendruck", sagt der 39-Jährige. Im Internet gibt es Portale, die Pflegeplätze vermakeln. Diese Internet-Anbieter schließen Verträge mit Pflegeeinrichtungen und bekommen für die Vermittlung eines Bewohners von den Heimen laut Krause etwa 1500 Euro: "Da achtet keiner mehr auf die Qualität der Pflege. Nach der Vermittlung wird die Maklergebühr kassiert und der Fall ist erledigt."

Krause will es mit dem "Care Concierge Konzept" besser machen. Vermittelt wird nur an Heime, die vorher genau begutachtet werden und denen ein entsprechendes Zertifikat ausgestellt wird. Voraussetzungen dafür seien eine gute personelle und räumliche Ausstattung sowie transparente pflegerische Prozesse, sagt Krause.

Die Angebote dieser Heime werden mit den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen abgeglichen. "Angebot und Nachfrage werden dann als Datensatz im PC miteinander abgeglichen", erläutert Krause. Dadurch solle ausgeschlossen werden, dass bestimmte Einrichtungen bevorzugt behandelt werden.

Bislang sind vier Einrichtungen in Bremen für das "Care Concierge Konzept" zertifiziert, weitere sollen folgen. Auch diese Heime zahlen für die Vermittlung eines Bewohners, allerdings weniger als bei den Internet-Anbietern, betont Krause. Für die Pflegebedürftigen ist das Angebot kostenlos. Die Vermittlung schließt eine halbjährige Betreuung mit ein. In dieser Zeit haben Pflegebedürftige die Möglichkeit, sich bei Problemen an die Hecama-Referentin zu wenden. "Es gibt Studien, die belegen, dass sich Angehörige nicht trauen, Kritik in den Heimen zu äußern", sagt Krause. In dem Fall werde die Mitarbeiterin alle notwendigen Gespräche mit dem Heim führen.

"Für die Heime ist unser Einsatz eine Art Qualitätskontrolle", ist der Pflegerats-Vorsitzende überzeugt. "Wenn wir von Missständen erfahren, vereinbaren wir Maßnahmen, und wenn diese nicht eingehalten werden, dann werden wir unser Zertifikat entziehen." Bremen ist für das Vermittlungskonzept ein Pilotprojekt, es soll künftig aber auch in anderen Städten angeboten werden.

Einige Pflegeanbieter betrachten das Angebot allerdings mit Skepsis: "Der persönliche Blick kann meiner Meinung nach durch nichts ersetzt werden", sagt beispielsweise Alexander Künzel, Vorstand der Bremer Heimstiftungen.

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