Möbelriese in Bremen-Osterholz Hoffen auf Höffner beim Weserpark

Vor 14 Jahren erwarb der Möbelkonzern die Fläche auf dem ehemaligen Fernsehgelände von Radio Bremen. Nun soll in den nächsten Tagen die Baugenehmigung erteilt werden.
22.10.2019, 18:55
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Hoffen auf Höffner beim Weserpark
Von Jürgen Hinrichs

Die Baubehörde hat ihre Arbeit erledigt. Der Weg ist frei für den Bau eines großen Möbelzentrums in Osterholz. In diesen Tagen soll die Genehmigung erteilt werden, wie zuverlässige Quellen vermelden. 50.000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf dem ehemaligen Fernsehgelände von Radio Bremen an der Hans-Bredow-Straße. Küchen, Sessel, Sofas und Kleinkram jeder Art. Investor und Betreiber ist die Möbelkette Höffner. Zuletzt war im Juni mit Vertretern des Unternehmens verhandelt worden. Und geht es nun tatsächlich los?

Es ist 14 Jahre her, dass Höffner die elf Hektar große Fläche erworben hat. Der Kaufpreis lag dem Vernehmen nach bei rund fünf Millionen Euro. Geld, das Radio Bremen damals dringend für seinen Neubau im Stephaniviertel benötigte. Eigentlich sollte wenig später mit dem Bau begonnen werden, doch daraus wurde nichts.

Achim in Sorge

Nach Abschluss des Kaufvertrags begann ein jahrelanges Tauziehen, was Höffner in seinem geplanten Einrichtungshaus anbieten darf. Die Stadt Achim war in Sorge, dass dazu mit einem für sie unvertretbar großen Teil Ware gehört, die über Möbel hinausgeht. Solche Produkte, wie sie auch in Achimer Geschäften zu finden sind: Haushaltsgeräte zum Beispiel oder Wohnaccessoires. Höffner, so die Befürchtung, würde bei diesem Sortiment dermaßen viel Kaufkraft absaugen, dass die kleineren Läden in Schieflage geraten könnten.

Achim hat deshalb gegen Bremen geklagt und bis zum Bundesverwaltungsgericht den gesamten Instanzenweg beschritten. Ohne Erfolg. Zuvor war bereits ein Kompromiss gescheitert, den der Kommunalverbund moderiert hatte. Das Einrichtungshaus wäre demnach deutlich kleiner geworden und hätte weniger Nebensortiment gehabt. Doch Bremen hielt sich nicht dran und trieb die Pläne zum Verdruss der Achimer weiter voran. Mehr noch: Als Höffner vor vier Jahren bei der Verkaufsfläche einen Aufschlag wollte, wurde ihm auch das gewährt. Zuletzt war das Unternehmen Anfang 2017 konkret geworden und hatte den Ortsbeirat Osterholz mit einer modifizierten Architektur überzeugt. Seitdem war nicht mehr viel passiert.

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Bewegung in das 100-Millionen-Projekt kommt erst jetzt wieder – sofern Höffner wirklich bereit dazu ist. An Ankündigungen hat es in der Vergangenheit schließlich nicht gemangelt. Als ein Vertreter des Unternehmens den Beirat über die veränderte Bauplanung informierte, wurde als Eröffnungstermin Ende 2019 oder Anfang 2020 genannt. „Wir werden kommen“, versprach Höffner-Eigentümer Kurt Krieger vor vier Jahren in einem Gespräch mit dem WESER-KURIER. Wahr gemacht hat er das bisher nicht.

Krieger ist Milliardär, er versammelt in seinem Imperium, das er sich von Berlin aus in 50 Jahren aufgebaut hat, mittlerweile 21 Einrichtungshäuser. Der Mann, 71 Jahre alt, tritt unkonventionell auf. Lässig und leger, um keinen Spruch verlegen, aber beinhart, wenn es um seine geschäftlichen Interessen geht. Er spielt Klavier, fliegt Hubschrauber und bezeichnet sich als „alter Sozialist“, der im roten Wedding groß geworden ist, dem früheren Arbeiterviertel von Berlin. Die Öffentlichkeit lässt er über seine Absichten geradezu planmäßig im Unklaren. Auch jetzt wieder. Trotz mehrmaliger Anfragen gab es keine Antwort, ob Höffner in Bremen tatsächlich mit dem Bau loslegt. Krieger behält bis zuletzt gerne alles für sich. Bei einem früheren Kontakt zur Firmenzentrale bestätigte ein Mitarbeiter des Unternehmens diesen Eindruck: „Wir erfahren vieles auch erst aus der Zeitung“, sagte der Mann.

Bis zur Eröffnung kann es noch dauern

Dass eine lange Zeit vergehen kann, bis der Möbelriese endlich Platz nimmt, lässt sich nicht nur in Bremen beobachten. Als Höffner 2015 sein Einrichtungszentrum in Altwarmbüchen bei Hannover eröffnete, waren seit dem Start der Planungen 15 Jahre vergangen. Endlos hin zieht sich auch das Projekt in Kiel. Dort gibt es wie demnächst in Bremen seit Kurzem immerhin eine Baugenehmigung. Acht Jahre hat das gedauert.

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Die jüngsten Standorte liegen in Berlin und in Kassel, wo Höffner einen bestehenden Möbelmarkt übernommen hat. Wiedereröffnung war vor knapp vier Wochen. Das Einrichtungszentrum gehörte vorher zur Finke-Gruppe, einem Möbelhändler aus Paderborn. Das Stammhaus dort ist ebenfalls an Höffner gegangen, es wurde bereits abgerissen und soll einem Neubau weichen.

Der Gebäudekomplex von Radio Bremen wurde bereits vor zwölf Jahren plattgemacht. Seitdem ist die Fläche am Osterholzer See eine Brache. Auf der einen Seite der Hans-Bredow-Straße der prosperierende Weserpark, schräg gegenüber die nackte Ödnis. Ein starker Kontrast. Doch nun könnte sich das ändern. In einem ersten Schritt soll die Julius-Faucher-Straße ausgebaut werden. Das will Höffner übernehmen – wenn es denn so weit kommt.

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