Etwa zehn Prozent mehr

Im Homeoffice steigen die Energiekosten

Durch Homeoffice steigt der Energieverbrauch. Der Bremer Energieversorger SWB geht davon, dass beispielsweise die privaten Haushalte dadurch etwa zehn Prozent mehr verbrauchen.
29.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Im Homeoffice steigen die Energiekosten
Von Peter Hanuschke
Im Homeoffice steigen die Energiekosten

Wer im Homeoffice arbeitet, verbraucht nach Schätzungen des Bremer Energieversorgers SWB etwa zehn Prozent mehr Strom.

Jens Kalaene/DPA

Vorjahr. Und die Rechnung könnte für private Haushalte noch aus einem anderen Grund höher ausfallen. Denn durch das Homeoffice dreht der Stromzähler zusätzliche Runden. Bei Gas hat der Großteil der Energieversorger bundesweit auch die Preise angezogen – die Bremer SWB gehört da allerdings zu den Ausnahmen.

Der Laptop läuft den ganzen Tag und auch die Kaffeemaschine öfter als sonst. Das verbraucht Strom. Wer im Homeoffice tätig ist, wird das an seiner Stromrechnung merken. „Wir gehen davon aus, ohne es belegen zu können, weil die Zählerstände nur einmal im Jahr erfasst werden, dass die Haushalte etwa zehn Prozent mehr verbrauchen als vor der Homeoffice-Zeit“, sagt Angela Dittmer, Sprecherin des Bremer Energieversorgers SWB.

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„Darum empfehlen wir unseren Kunden, gut zehn Prozent des monatlichen Abschlagsbetrags zusätzlich zurückzulegen und sich so ein finanzielles Polster für eine eventuelle Nachzahlung zu schaffen.“ Natürlich könne sich auch jeder selber einen klaren Überblick verschaffen mit einem Blick auf die Zähler jeweils zu Anfang und Ende eines Monats: die errechnete Differenz auf zwölf Monate hochrechnen und mit dem vorherigen Jahresverbrauch vergleichen. An der Gesamtmenge habe sich aber nichts geändert, so Angela Dittmer.

Der Verbrauch verlagere sich lediglich von den Arbeitsstellen in die Haushalte. Der Oldenburger Mutterkonzern EWE geht beim Mehrverbrauch durchs Homeoffice von einer ähnlichen Größenordnung aus. „Wir konnten einen leichten Anstieg erkennen, allerdings in einem eher moderaten Verhältnis von rund fünf bis zehn Prozent“, so ein Sprecher. Einschränkend heißt es: Das seien aber durchaus auch normale Schwankungen während eines Jahres.

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Was die Stromkosten insgesamt in diesem Jahr vor allem steigen lässt, sind die Preisanhebungen, die bundesweit schon vor Beginn der Corona-Krise stattgefunden haben. Auch die Erdgaspreise sind im Durchschnitt gestiegen. Die privaten Haushalte in Deutschland haben laut dem Statistischen Bundesamt im ersten Halbjahr 2020 im Durchschnitt 31,94 Cent je Kilowattstunde Strom gezahlt. Erdgas kostete die Verbraucher durchschnittlich 5,99 Cent je Kilowattstunde. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Strompreise damit gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 um 6,8 Prozent, die Erdgaspreise um 2,7 Prozent.

Die SWB hatte die neuen Preise, die seit Februar gelten, bereits im Dezember angekündigt. „Die höheren Preise für eine Kilowattstunde Strom ergeben sich aus dem im Saldo teureren Kostenblock der staatlich veranlassten Steuern, Abgaben und Umlagen sowie den gestiegenen Beschaffungskosten“, so SWB-Sprecherin Dittmer. So wurde der Verbrauchspreis je Kilowattstunde (kWh) beispielsweise im Produkt SWB-Strom-Basis um 1,9 Cent pro kWh auf künftig 27,89 Cent (brutto) angehoben. Der monatliche Grundpreis ist derweil auf seinem Niveau geblieben. Für einen Beispielhaushalt in Bremen mit einer Jahresverbrauchsmenge von 2015 kWh würden sich laut SWB die Stromkosten dadurch rein rechnerisch um rund 38,29 Euro erhöhen.

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Beim Erdgas profitieren Kunden von günstigeren Beschaffungskosten. So hat die SWB im Produktbeispiel SWB-Erdgas-plus den Preis für die Kilowattstunde um 0,39 Cent auf 5,71 Cent (brutto) gesenkt. Auch in diesem Tarif blieb der monatliche Grundpreis stabil. Dadurch kann ein Bremer Haushalt beispielsweise mit einer durchschnittlichen Jahresverbrauchsmenge von 18 000 kWh und bei einem unveränderten Verbrauchsverhalten rein rechnerisch 70,20 Euro sparen.

Beim Strom sind bei der EWE die Preise für Kernprodukte wie Zuhause+ nach eigenen Angaben um etwa drei bis vier Prozent gestiegen. Bei der Grundversorgung liege der Anstieg bei sieben bis acht Prozent. Die wesentlichen Gründe dafür seien höhere Kosten für die Beschaffung und Netzentgelte gewesen. Beim Erdgas seien die Preise für Kern­produkte um etwa ein Prozent gestiegen. Bei der Grundversorgung seien es rund drei Prozent.

Wie sich die Preise im nächsten Jahr entwickeln, dazu können SWB und EWE noch keine konkreten Angaben machen. Es lägen zwar seit Anfang dieser Woche Veröffentlichungen über künftige Steuern, Abgaben und Umlagen vor, „aber derzeit befinden wir uns noch in der Überprüfung, was das für die Preisentwicklung bei der EWE bedeutet“, so der Sprecher. „Für 2021 sind meine Kollegen am Kalkulieren“, so Angela Dittmer. „Für die Strompreiskalkulation haben wir noch nicht alle Werte im Haus, beim Erdgas kommt ja zum 1. Januar die CO2-Steuer zum Tragen und die Mehrwertsteuerabsenkung läuft aus.“

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Zur Sache

Hürden bei der Steuererklärung

Wer den Küchen- oder Wohnzimmertisch in Homeoffice-Zeiten zum Arbeitsplatz umgewandelt hat, der wird Kosten, die durch einen höheren Stromverbrauch oder Heizbedarf entstehen, steuerlich nicht geltend machen können. Gleiches gilt für einen Anteil an der Miete. Denn ein solcher Arbeitsplatz erfüllt dafür nicht die Voraussetzungen: Dafür müsste er sich in einem separaten Raum befinden, der zu 90 Prozent für die Arbeit genutzt wird und keine privaten Dinge enthält.

Laut Stiftung Warentest sind die Voraus­setzungen für den Steuer­abzug in der Steuererklärung grundsätzlich streng: Ein häusliches Arbeits­zimmer dürfe nur abgesetzt werden, wenn am eigentlichen Arbeits­platz nicht alle beruflichen Tätigkeiten ausgeführt werden können - etwa bei Lehrern, Förs­tern oder Außen­dienst­mit­arbeitern. Eine Voraussetzung für Arbeitnehmer, die durch die Corona-Pandemie von zu Hause arbeiten müssen und ihr Arbeitszimmer absetzen wollen, ist, dass das Unternehmen Home­office ange­ordnet hat.

Da nur wenige der vielen Corona-Homeoffice-Arbeitnehmer über ein separates Arbeitszimmer verfügen, werden derzeit verschiedene politische Vorschläge diskutiert, wie die finanzielle Belastung dennoch teilweise kompensiert werden könne. So gibt es unter anderem einen Vorschlag der Länder Bayern und Hessen, dass Arbeitnehmer im Homeoffice ohne separates Arbeitszimmer eine Pauschale von fünf Euro pro Tag bis zu einem Maximalbetrag von 600 Euro geltend machen können.

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