Viele neue Häuser entstehen in Bremen Hoteliers warnen vor Überangebot

Bremen. An Hotels kein Mangel, an Gästen neuerdings aber schon. Das ist die Situation in Bremen, und sie wird immer krasser. Sicher ist, dass an fünf weiteren Standorten in der Stadt demnächst Hotels entstehen oder bereits im Bau sind.
25.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hoteliers warnen vor Überangebot
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. An Hotels kein Mangel, an Gästen neuerdings aber schon. Das ist die Situation in Bremen, und sie wird immer krasser. Sicher ist, dass an fünf weiteren Standorten in der Stadt demnächst Hotels entstehen oder bereits im Bau sind, möglicherweise auch an sieben.

Sie sind in Aussicht genommen, geplant oder bereits im Bau, lauter Hotels, die meisten davon im Zwei-Sterne-Bereich, also fürs eher kleine Portemonnaie. Ein regelrechter Betten-Boom, der Bremen da ins Haus steht, und das in Zeiten, in denen erstmals nach vielen Jahren die Zahl der Hotel-Übernachtungen in der Stadt wieder sinkt.

Vor sechs Jahren waren es nach Zahlen des Statistischen Landesamtes noch 7500 Betten in 73 Hotels, ein übersichtliches Angebot, das gleichwohl nur bei Anlässen wie großen Kongressen oder Feierlichkeiten voll ausgelastet war. Heute werden 9161 Betten in 87 Hotels gezählt, Tendenz stark steigend. Innerhalb einer relativ kurzen Zeit hat es also einen Sprung von mehr als 20 Prozent gegeben. Solange die Übernachtungszahlen nach oben gingen, und in den vergangenen Jahren war das so, schien es nur logisch, dass die Hotel-Kapazitäten ausgebaut werden.

Allein im vergangenen Jahr waren es mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen, ein kräftiges Plus von noch einmal fast sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr – und Grund, einen gewissen Stolz zu zeigen: "Die Stadt Bremen hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem herausragenden Tourismusstandort entwickelt", hatte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) Ende Februar auf der Jahrespressekonferenz der Bremer Touristikzentrale (BTZ) gesagt. Frohe Gesichter überall, Optimismus, und keine erkennbare Sorge, dass dieser Trend sich auch mal umkehren könnte.

Tat er dann aber, direkt nach dem Monat, in dem die Pressekonferenz stattfand. Von März an sank die Zahl der Buchungen gleichsam über Nacht, und dann auch noch sehr schnell. Der bislang letzte Wert, den die Statistiker ermitteln konnten, ist der vom Mai: Ein Minus von 9,1 Prozent gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr.

Wie auch immer die Erklärungsversuche für den Gäste-Schwund ausfallen: Umweltzone (schlecht für die Reisebusse), Bettensteuer (schreckt die Gäste ab), weniger große Kongresse (mindert vor allem das zahlungskräftigere Publikum) – wirklich befriedigend oder gar erschöpfend sind diese Ansätze nicht. Dafür reicht wahrscheinlich das Datenmaterial noch nicht.

Wachstum trotz Negativtrend

Im August, so viel ist sicher, kommt bei den Übernachtungen eine weitere Delle hinzu. In der Woche vom 6. bis 11. August schließt der Flughafen komplett, die Startbahn muss erneuert werden. Sechs Tage lang kein Städtetourist mehr, der wie sonst gerne mit Ryanair oder einer anderen Fluggesellschaft mal eben nach Bremen einschwebt, um für zwei oder drei Tage in der Stadt zu bleiben.

Genau in diese negative Entwicklung hinein fällt das rapide Wachstum bei Hotels und Betten. Bereits im Bau sind das Projekt der französischen B&B-Kette, das an der Ecke Admiralstraße/Findorffallee entsteht, das Steigenberger-Hotel unterhalb des Weser-Towers am Eingang zur Überseestadt und ein Zwei-Sterne-Haus an der Universitätsallee im Technologiepark in Horn.

Das gut vier Millionen Euro teure Hotel im Uni-Bereich wird von den Brüdern Pauls errichtet, die bereits das Hotel Munte betreiben, ein Haus mit vier Sternen. Detlef Pauls ist Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Bremen, er warnt regelmäßig vor Überkapazitäten in der Hansestadt und baut trotzdem, warum? "Es ist der richtige Ort und die richtige Marktnische", sagt der Hotelier, "außerdem behalte ich das Heft des Handelns lieber selbst in der Hand als dass andere kommen."

Konkret geplant sind außerdem ein Hotel der Kette Motel One im alten Leffers-Gebäude am Brill und ein Ibis-Hotel in dem neuen Gebäude auf dem Bahnhofsvorplatz, mit dem es eigentlich bald losgehen müsste. Eher vage, aber nicht unwahrscheinlich, dass auch am Flughafen und im World-Trade-Center Hotels entstehen könnten. So wird es jedenfalls seit einiger Zeit kolportiert.

"Es reicht", sagt Dehoga-Geschäftsführer Thomas Schlüter. Nach seinen Berechnungen geht die Zahl der Betten in Bremen eher schon an die Marke von 11000 heran. Und nimmt man die neuen Projekte hinzu, sind es schnell noch einmal 2000 Betten mehr. Das wäre ein Panthersprung, grob geschätzt das Doppelte an Betten in nur zehn Jahren.

Schlüter spricht von einer "gnadenlosen Preisschlacht", die im Gange sei: "Die Fünf-Sterne-Häuser tummeln sich mit ihren Angeboten im Drei-Sterne-Segment." Eine verhängnisvolle Entwicklung, findet der Dehoga-Mann. "Das schlägt irgendwann auf die Qualität durch, die großen Häuser können sich bei solchen Preisen nicht mehr vernünftig finanzieren und vernachlässigen dann möglicherweise die Pflege ihres Standards."

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