Bremer Erfindung

Ice-Chiller ist der Renner bei den Spitzenhotels

Der Ice-Chiller soll Gläser innerhalb von Sekunden eiskalt machen – und gleichzeitig eine spektakuläre Show liefern. Die Erfindung des Bremers Steve Hergert hat es bis ins Hotel Adlon geschafft.
12.08.2017, 18:53
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Volker Kölling
Ice-Chiller ist der Renner bei den Spitzenhotels

„Man ist immer so lange ein Spinner, bis sich eine Idee durchgesetzt hat“, sagt Ice-Chiller-Erfinder Steve Hergert.

Frank Thomas Koch

Sie sorgen für Show und kalte Gläser: Steve Hergert und seine fünf Mitarbeiter versuchen mit dem Bremer Start-up Ice-Chiller einen Gläserschnellfroster in der Gastronomie bekannt zu machen. Aus einem fingerdicken Metallstift strömt aus sieben Düsen Kohlendioxyd und bringt Gläser aller Art binnen drei Sekunden auf fast vierzig Grad minus. Weltweit sind schon 1800 Geräte im Einsatz – zwischen Las Vegas und Hongkong. Profit macht Hergert wegen teurer Messeteilnahmen aber noch nicht.

Auf den Ice-Chiller ist Hergert durch die Anfrage eines spanischen Edel-Gin-Herstellers gekommen: „Es gibt hochkarätigen Alkohol, der keine Verdünnung verträgt, wie sie durch Eiswürfel automatisch erfolgt.“ Hergert hat ein Jahr entwickelt, CE-Norm und TÜV-Abnahmen hinter sich gebracht und mit Hilfe der Hochschule Bremen sein Patent angemeldet: „Der Gin-Hersteller hat uns gleich in einem ersten Schwung 500 Geräte abgenommen. Die Spanier waren die Ideengeber, wir haben die Technik und die Qualität zu einem guten Preis hinbekommen. Das hat natürlich geholfen.“

Made in Bremen "Ice-Chiller" Steve Hergert

Den Ice-Chiller gibt es auch als Totenkopf mit Leuchteffekt.

Foto: Frank Thomas Koch

Fünf-Sterne-Hotels unter den Kunden

Geholfen hat dem 40-Jährigen auch seine Erfahrung aus 18 Jahren Selbstständigkeit mit vier Firmen, die allesamt Ideenschmieden waren: „Man ist immer so lange ein Spinner, bis sich eine Idee durchgesetzt hat“, sagt er mit einem bittersüßen Lächeln und einem nachdenklichen Blick. Von einem Banker habe er einmal 500.000 Euro für die Produktion einer neuen Reet-Palmenschirmentwicklung haben wollen: „Der sagte nur: Was wollen sie damit. Es regnet hier doch immer. Der Mann wohnte hier in einer kleinen Wohnung, kam nie raus und hatte überhaupt keine Vorstellungskraft. Das merkte man sofort.“ Dabei hatte Hergert einen Patentschirm mit vier Metern Durchmesser entwickelt, der sich ohne Probleme zu den Hotels der Welt transportieren ließ: „Die Idee ist mir beim Tortenessen gekommen: Wir haben die massive Schirmkrone dann in Tortenstücke geschnitten und uns das Bausystem schützen lassen.“ Seine extrem langlebigen Schirme stehen heute selbst im riesigen Freizeitpark Tropical Island in Brandenburg.

Hergert ist eigentlich gelernter Kaufmann. Das und „die Schule des Lebens“, wie er es nennt, helfen ihm heute beim Aufbau von Produktion, Verkauf und Vertrieb für jedes neue Produkt. „Die Mail an das Hotel Adlon in Berlin hat sich schon gelohnt: Dort wünschte man sich einen akkubetriebenen Ice-Chiller zum Vereisen der Gläser direkt vor den Gästen. Dann reden wir natürlich von Flaschenpreisen bei 250 bis 350 Euro“, sagt Hergert. Da fielen die drei Cent Kosten pro Glasvereisung dann doch wirklich nicht mehr ins Gewicht. Auch das Schloss Elmau, bekannt geworden durch den G-8-Gipfel in Bayern, arbeite schon mit dem Ice-Chiller aus Bremen. „Wir zielen natürlich auch genau auf diese Spitzenhäuser im Fünf-Sterne-Sektor, die ihren Gästen wirklich etwas Besonderes bieten wollen“, sagt der Unternehmer.

Lokale Produktion, weltweiter Vertrieb

Der Aufwand für einige dieser Referenzen jenseits der deutschen Grenze ist enorm. Steve Hergert und sein Team haben in den vergangenen Monaten Messen in Dubai (zwei Mal), Las Vegas, Mailand und Hongkong (drei Mal) besucht. Hergert spricht von einem sechsstelligen Betrag, den die Marktdurchsetzung des Ice-Chillers bisher gekostet hat: „Eine Messeteilnahme kostet netto rund 15000 Euro plus den Kosten für Hotels, Transporte und der Verpflegung vor Ort. Aber man muss raus, um in den jeweiligen Ländern Vertriebspartner zu gewinnen. Ohne die geht es nicht. Wir können nicht alles von Deutschland aus machen.“

Was vor Ort aber sehr wohl geht, ist der Bauteileeinkauf. Weil das „Made in Germany“ auf dem Ice-Chiller wirklich stimmt, bekommen die Bremer für die internationalen Messen sogar Fördergelder vom Bund. In sozialen Betrieben in Bremervörde wird produziert. „Wir organisieren das regional und mit Partnern auf Augenhöhe, an die man sich auch sofort wenden kann, wenn es einmal irgendwo klemmt und man ein Problem lösen muss“, sagt Steve Hergert. Gegen Lieferschwierigkeiten hat Hergert vorgesorgt: 800 Eis-Chiller verschiedener Modelle hat er in Habenhausen in der Zentrale in der Scipiostraße immer auf Lager.

Nebeneffekt: Das Glas wird desinfiziert

Showtime. Der Fotograf ist da und will es dampfen sehen. Hergert gibt alles und macht sogar den Lippentest: „Viele verwechseln unser Kühlmittel mit Stickstoff und haben Angst, dass das Glas vielleicht an der Lippe hängen bleibt, wenn es gefrostet worden ist. Aber bei dem Lebensmittelgas CO2 passiert das nicht.“ Sehr wohl hätten die Minus 40 Grad aber einen anderen Effekt: Sie desinfizierten ein Glas komplett. Hergert drückt auf den Knopf und stellt sich selbst in den Nebel. Die weiße Schutzplexiglasscheibe kann sich jeder Kunde mit seinem eigenen Logo gravieren lassen.

So schnell, wie sich der Nebel gebildet hat, verschwindet er wieder – auch aus dem Glas, in dem sich kleine Plättchen aus Rauhreif abgesetzt haben. Aber das Glas bleibt wirklich einige Minuten eiskalt. Steve Hergert: „Sie kennen das, wenn Sie im Biergarten gerade auf siebzig Grad plus in der Maschine gespülte Gläser serviert bekommen. Furchtbar! Das passiert dem Gastronomen mit dem Ice-Chiller nicht mehr.“ In Bremen hat er mit der Produkt-Show unter anderem schon The Grill in der Vahr und Kangaroo Island an der Schlachte auf seine Referenzliste setzen können.

Die Möbel für den Ice-Chiller werden ganz nach Kundenwunsch gefertigt. Meistens kommt das Gerät als Einbau in einen Barschrank daher, in dem dann gleich auch noch die CO2-Flasche für die jeweils bis zu 500 Frostungen Platz findet. Die edelste Ausführung liegt im Preis bei 1700 Euro. Es gibt aber auch schon eine Grusel-Ice-Chiller-Version für nur knapp tausend Euro: Dabei kann man sich sein Glas über einem riesigen Gips-Totenkopf vereisen lassen, dessen Augen diabolisch durch den Nebel leuchten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+