Wirtschaft in Afrika

Ideen für Namibias Kleinunternehmer

Sechs Bremer Studenten machen sich an diesem Sonnabend auf die Reise nach Namibia, um dort Gründer zu unterstützen. Ein Perspektivwechsel, von dem auch die jungen Wissenschaftler profitieren.
03.03.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ideen für Namibias Kleinunternehmer
Von Lisa Boekhoff

An diesem Sonnabend beginnt für sechs Studenten der Universität Bremen eine besondere Reise. Denn drei Wochen lang werden sie in der Nähe von Namibias Hauptstadt Windhoek sein und dort junge Unternehmer mit ihrem Wissen unterstützen. "Das ist eine schöne Möglichkeit für die Studierenden, in einem völlig anderen Kulturraum ihre Expertise umzusetzen und praktische Probleme zu lösen. Das ist die Idee", sagt Aki Harima. Die Bremer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin leitet das Projekt in Katutura. "Die Gründer dort können die Hilfe wirklich gebrauchen."

In der Township Katutura sei eine Förderung für Gründer noch überhaupt nicht etabliert. Jedoch gebe es einen von der Stadt Windhoek initiierten Inkubator, der die unerfahrenen Unternehmer mit Schulungen und günstigen Räumen versorgt. Das sei wichtig: „Das war eine Art Empowerment." Experten, die den mehr als 50 Teilnehmern des Programms bei ihrer Strategie helfen, fehlen vor Ort jedoch noch. Nur eine Frau kümmere sich derzeit um die Unternehmer, was sehr ambitioniert sei.

Potenzial für den europäischen Markt

Drei Studenten und drei Studentinnen der Uni Bremen sollen sie nun unterstützen – zusammen mit Studenten der Universitäten in Windhoek und Südafrika. Manchmal gehe es bei dieser Hilfe um Kleinigkeiten, sagt Harima. Etwa darum, die Unternehmer zu sensibilisieren, ihre Geschäftsmodelle stärker zu variieren, um direkten Wettbewerb zu vermeiden.

„Das ist eine kleine Sache. Die Unternehmer wissen es aber nicht. Als ich den Inkubator besucht habe, traf ich gleich drei Unternehmer, die in unmittelbarer Nähe zueinander die selben Produkte anboten. Das verursacht Wettbewerb direkt innerhalb der Community." Die Produkte der Gründer, zum Beispiel Schmuck, ethnische Kleidung oder landestypische Lebensmittel, hätten durchaus Potenzial für den europäischen Markt.

Doch die jungen Unternehmer in Katutura wüssten teils noch nicht, wie sich ihre Waren international verkaufen lassen. "Da können unsere Studierenden, die Erfahrung mit Logistik haben, Lösungen anbieten und bei den Internationalisierungsprozessen unterstützen – zum Beispiel mit Vertriebsmöglichkeiten durch digitale Technologien.“

Darstellung ist zu vereinfacht

Die Studenten bringen unterschiedliche Expertise ein – zum Marketing, der Finanzstrategie oder eben Logistik. Gegen viele Mitbewerber mussten die Sechs sich durchsetzen und überzeugen, um am Projekt in Namibia teilzunehmen. Die Reise sei ein spannender Prozess für sie, sagt Harima: „Einige Studierende hatten vorher gar keinen Reisepass, weil sie noch nie außerhalb von Europa waren.“

Harima betreibt am Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (Lemex) der Uni Bremen Migrationsforschung. Dabei untersucht sie unternehmerische Tätigkeiten von Migranten und Geflüchteten. „In der Vergangenheit haben viele Forscher die Ursachen für Unternehmensgründungen von Migranten auf den beschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt zurückgeführt.

Diese Darstellung ist aber zu vereinfacht und stimmt nur zum Teil. Denn Migranten besitzen durch ihre Migrationserfahrung einzigartige Kenntnisse und es gibt darüber hinaus sehr qualifizierte Migranten." Das zeige schon die Berliner Start-up-Szene: 50 Prozent der High-Tech-Gründer in der Hauptstadt hätten einen Migrationshintergrund.

Die Zeit der Apartheid

Im Projekt sieht Harima viel Potenzial – auch für ihre Arbeit. "Es gibt bisher noch kaum Forschung zu den unternehmerischen Aktivitäten innerhalb einer Township und welche Vor- und Nachteile das hat." Drei der Bremer Studenten wollen sich in ihrer Masterarbeit dem Thema widmen.

Dabei leidet Katutura immer noch unter den Folgen der Kolonialherrschaft. Der Name zeugt von dieser Geschichte: Denn in der Sprache der Herero bedeutet Katutura so viel wie "der Ort, an dem wir nicht leben wollen". Das Regime in Südafrika zwang die schwarze Bevölkerung in den 50er-Jahren dazu, sich dort anzusiedeln. Es war die Zeit der Apartheid.

Die Wirtschaft in Katutura sei immer noch sehr schwach, sagt Harima. Nicht überall gebe es Zugang zu Strom und Wasser. „Es gibt immer noch eine große Lücke zwischen Township und Stadtzentrum – wirtschaftlich und gesellschaftlich. Wenn man aus Windhoeks Innenstadt Richtung Katutura fährt, werden die Häuser immer kleiner und einfacher." 50 000 Einwohner leben in diesem Teil Windhoeks.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+