IG Bau: Regierung soll feindliche Übernahme von Hochtief verhindern

Essen/Madrid (wk). Die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sorgt in Deutschland für Alarmstimmung. Während ACS ausreichend Kapital für den Angriff einsammeln will, sucht der Essener Konzern nach Wegen, sich gegen die Übernahme zu stemmen. Das Kanzleramt ist laut dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' stärker mit dem Fall befasst als bisher bekannt. Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sei dort bereits zweimal zu Gesprächen mit dem Wirtschaftsberater der Regierung vorstellig geworden.
18.10.2010, 05:00
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Von WESER-KURIER

Essen/Madrid (wk). Die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sorgt in Deutschland für Alarmstimmung. Während ACS ausreichend Kapital für den Angriff einsammeln will, sucht der Essener Konzern nach Wegen, sich gegen die Übernahme zu stemmen. Das Kanzleramt ist laut dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' stärker mit dem Fall befasst als bisher bekannt. Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sei dort bereits zweimal zu Gesprächen mit dem Wirtschaftsberater der Regierung vorstellig geworden.

IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Untätigkeit vor und verlangte staatliche Hilfe für Hochtief. 'Die Kanzlerin hat viel zu lange tatenlos zugesehen und Brüderle das Feld überlassen. Jetzt muss sie den Essenern bei ihrem Abwehrkampf schnell helfen', forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. 'Hat ACS erst das Sagen, droht die Zerschlagung eines kerngesunden Unternehmens. Dann sind die Arbeitsplätze weg und wichtiges Know-how geht verloren.'

Merkel hatte am Freitag vor einer Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern gewarnt. Konkrete Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang aber nicht ergriffen. Unterdessen mehrten sich am Wochenende Forderungen nach einer Änderung des deutschen Übernahmerechts. Dies ist aber umstritten, zumal es für Hochtief zu spät kommen könnte. Die nordrhein- westfälische Landesregierung unter Führung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) prüft eine entsprechende Bundesratsinitiative.

Der Darmstädter Wirtschaftsrechtler Uwe Schneider, nur durch eine Gesetzesänderung seien feindliche Übernahmen deutscher Unternehmen zu verhindern: 'Fälle wie Hochtief werden wir in Zukunft häufiger erleben, wenn der Gesetzgeber nichts tut.' Auch der Hauptverband der Bauindustrie drang laut 'Spiegel' in einem Brief an das Wirtschaftsministerium darauf, Lücken im Gesetz zu schließen.

Das ACS-Kontrollgremium hat für den 19. November eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen, auf der eine Kapitalerhöhung beschlossen werden soll. ACS bereite sich auf alle Eventualitäten vor und sichere das Übernahmeangebot gegen jegliche Abwehrmaßnahmen von Hochtief ab, teilte das Unternehmen mit. Die Abgabefrist für das Übernahmeangebot bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin wurde auf Wunsch von ACS um vier Wochen verlängert.

Der Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, Herbert Bodner, würde sich nach eigenen Worten einer koordinierten Hilfe für Hochtief nicht verschließen. 'Natürlich könnten wir uns vorstellen, auch einen Beitrag zu leisten, wenn es eine entsprechende Initiative gäbe', sagte Bodner der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung'.

Als weißer Ritter werde Bilfinger aber nicht auftreten. Allein könnte und würde der Konzern keine Sperrminorität bei Hochtief übernehmen. Den Vorschlag von SPD-Chef Sigmar Gabriel, wonach die Bundesregierung sich aktiv um ein Konsortium für eine Sperrminorität bemühen solle, lehnte Bodner ab. 'Eine politische Lösung wäre der falsche Weg, der Staat kann keinem Unternehmen eine Bestandsgarantie geben.'

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