Lürssen-Gruppe favorisiert Zusammenschluss

Auf dem Weg zur Super-Werft

Nach Informationen des WESER-KURIER führen die Unternehmen seit Januar Gespräche über die Zusammenlegung ihres Marineschiffbaus. Die Werften wollen damit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.
17.04.2020, 12:00
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Auf dem Weg zur Super-Werft
Von Peter Hanuschke
Auf dem Weg zur Super-Werft

Die Lürssen-Gruppe, Thyssen-Krupp Marine Systems und German Naval Yards sprechen über einen möglichen Zusammenschluss.

Norbert Fellechner

Die Bremer Lürssen-Gruppe sowie Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards, die beide ihren Hauptsitz in Kiel haben, sind in Deutschland die Schwergewichte unter den auf Rüstungsaufträge für die Marine spezialisierten Werften. Alle drei Unternehmen könnten jetzt noch eine Gewichtsklasse aufsteigen – und gemeinsam eine neue Großwerft gründen.

Die drei Werften signalisierten auf Nachfrage des WESER-KURIER, dass sie ein solches Szenario für sinnvoll halten. Nach Informationen des NDR führen die Unternehmen bereits seit Januar Gespräche über die Zusammenlegung ihres Marineschiffbaus. Die Bundesregierung unterstütze das Vorhaben und fungiere als Moderator. Ziel sei die Gründung eines neuen Werftkonzerns, der sich ausschließlich auf den Marineschiffbau konzentrieren soll, wie der NDR unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete.

Auf Augenhöhe mit den europäischen Werften

Über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen der drei großen deutschen Rüstungswerften war in der Vergangenheit schon mehrfach spekuliert worden. Hintergrund des Vorstoßes ist die Absicht der Schiffbauer, weiterhin auf Augenhöhe mit anderen europäischen Werften agieren zu können – gerade wenn es um internationale Rüstungsaufträge geht. „Wir halten eine Konsolidierung der Systemhäuser im deutschen Marineschiffbau für sinnvoll und erforderlich, um dadurch nachhaltig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, sagte Oliver Grün, Sprecher der Lürssen-­Gruppe, dieser Zeitung.

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Dass über einen Zusammenschluss der drei Werften erneut gesprochen wird, liegt auch daran, dass der jüngste Großauftrag der Bundesmarine nicht komplett in Deutschland geblieben ist. So hatte Anfang dieses Jahres ein niederländisch geführtes Konsortium unter maßgeblicher Beteiligung der Lürssen-­Gruppe den Zuschlag für den Bau der vier deutschen Kampfschiffe MKS 180 erhalten. Europaweit hätte das Verteidigungsministerium diesen 5,3-Milliarden-Euro-Auftrag gar nicht ausschreiben müssen, denn bei Rüstungsgütern reicht laut Regeln der Europäischen Union die nationale Ausschreibung. Bislang haben es auch andere europäische Staaten so gehandhabt.

Um den Auftrag hatte sich anfangs Lürssen zusammen mit TKMS beworben, doch die Unternehmen waren als Erste aus dem Rennen. Es bildeten sich auch neue Allianzen: German Naval Yards ging in dem Bieterverfahren eine Kooperation mit TKMS ein. Außerdem war noch die niederländische Werft Damen im Rennen, die zusammen mit der Lürssen-Gruppe schließlich den Zuschlag erhielt.

Klare Haltung des Verteidigungsministeriums gefordert

Auf Twitter schrieb der TKMS-Vorstand Oliver Burkhard als Reaktion auf die Medienberichte vom Donnerstag, dass eine Konsolidierung gegebenenfalls Sinn mache. Dazu gebe es auch Gespräche. Doch eine klare Haltung gegenüber der Industrie seitens des Verteidigungsministeriums müsse dafür Bedingung sein. Fehler wie bei MKS 180 dürften „künftig nicht mehr gemacht werden“. Es könne ein „nationaler Champion“ die Antwort sein. Das gelte es nun auszuloten. Die Spekulationen über aktuell geführte Gespräche wolle man nicht kommentieren, sagte dagegen TKMS-Sprecher Stefan Ettwig auf Nachfrage. „Wir haben aber immer gesagt, dass wir offen sind für mögliche Konsolidierungsszenarien, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll und politisch gewollt sind.“

Ähnlich formulierte es Jörg Herwig, Vorstand von German Navel Yards. Die Notwendigkeit und die Chancen einer deutschen Konsolidierung im Marineschiffbau seien in den vergangenen zwei Jahren immer wieder betont worden. „Nur ein starker deutscher Player wird künftig international wettbewerbsfähiger sein und den maritimen deutschen Hochtechnologiesektor sichern und ausbauen; zugleich ist es ein guter Weg zum Erhalt Tausender Arbeitsplätze und der Werft-­Standorte in Deutschland.“

Auch aus Sicht der Gewerkschaft IG Metall kann ein Zusammenschluss im Marineschiffbau sinnvoll sein, wenn damit eine Stärkung der Branche einhergeht und so die Schlüsseltechnologie in Deutschland gesichert wird. Dies hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. „Die Konsolidierung darf aber nicht auf Kosten von Beschäftigten und Standorten gehen“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Das Know-how im deutschen Marineschiffbau müsse gesichert werden. Es gehe um Tausende Arbeitsplätze auf den Werften an der Küste und bei Zulieferern, die ihre Werke teils auch in Bayern oder Baden-Württemberg hätten. Parallel müssten Bundesregierung, Länder, Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsam eine strategische Perspektive für den deutschen Marineschiffbau in Europa entwickeln, wie es IG Metall, der Verband für Schiffbau und Meerestechnik und Landesregierungen forderten. „Dazu ist der von uns vorgeschlagene Marine-Gipfel dringend nötig“, so Friedrich.

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