Sanierung wäre zu teuer

In Bremen und Niedersachsen müssen 50 Eisenbahnbrücken ersetzt werden

Viele deutsche Eisenbahnbrücken sind so kaputt, dass eine Sanierung zu teuer wäre. Daher werden Neubauten notwendig. In Bremen und Niedersachsen betrifft das 50 Brücken.
07.04.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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In Bremen und Niedersachsen müssen 50 Eisenbahnbrücken ersetzt werden
Von Carolin Henkenberens
In Bremen und Niedersachsen müssen 50 Eisenbahnbrücken ersetzt werden

Ein ICE fährt über die älteste noch in Betrieb befindliche Eisenbahnbrücke Deutschlands bei Wurzen.

Jan Woitas/zb/dpa

Von den etwa 25.700 Eisenbahnbrücken deutschlandweit sind mehr als tausend so beschädigt oder alt, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden müssen. Eine Sanierung wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll. Dies geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die dem WESER-KURIER vorliegt. In Niedersachsen betrifft das 48 und in Bremen zwei Bahnbrücken. Sie sind so marode, dass über kurz oder lang ein Neubau her muss.

Das Ministerium stützt sich bei seiner Auskunft auf Angaben der Deutschen Bahn für das Jahr 2019. Diese gibt den Eisenbahnbrücken regelmäßig Schulnoten von eins bis vier. Eine Eins erhalten Brücken ohne Sanierungsbedarf (7964), sie machen etwa 31 Prozent aller Bahnbrücken aus. Eine Zwei bedeutet, dass Instandsetzungen nötig sind (9558). Mit einer Drei werden Brücken bewertet, bei denen eine Erneuerung geprüft wird (7145) und die schlechteste Note zeigt an, dass eine Erneuerung notwendig ist und geplant werden muss. Das betrifft vier Prozent beziehungsweise 1004 aller Eisenbahnbrücken in Deutschland.

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In Bremen liegt die Quote mit zwei von 155 Eisenbahnbrücken bei einem Prozent, in Niedersachsen sind es zwei Prozent (48 von 2172). Spitzenreiter ist Brandenburg, wo neun Prozent der mehr als 800 Brücken ersetzt werden müssen. Verhältnismäßig viele marode Brücken stehen auch in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland. Bei den zwei Brücken in Bremen handelt es sich der Bahn zufolge um eine in Gröpelingen (Am Mählandsweg) und eine in Bremerhaven (Zur Hexenbrücke). Die in Bremerhaven solle 2022 erneuert werden, über jene in Bremen lägen keine Informationen vor. Dem Papier zufolge kosten die neuen Bremer Brücken 8,6 Millionen Euro. Für alle gut 1000 Bauten werden rund 7,3 Milliarden Euro fällig, schätzt die Bundesregierung.

Ein Blick auf Kategorie drei

Bremens gutes Abschneiden bei den mit einer Vier bewerteten Eisenbahnbrücken relativiert sich etwas mit Blick auf Kategorie drei. Dort sind 57 der 155 Brücken eingruppiert, was einem Anteil von 37 Prozent entspricht – und deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 28 Prozent liegt. 47 Eisenbahnbrücken in Bremen haben eine Eins erhalten, 49 eine Zwei.

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„Die Zustandskategorie trifft keine Aussage über die Betriebssicherheit“, stellt eine Sprecherin der Deutschen Bahn klar. Selbst Brücken der schlechtesten Zustandskategorie seien für die Nutzung des Eisenbahnbetriebs sicher, sonst würde kein Betrieb zugelassen. „Entsprechend kann die Verweildauer in der Kategorie vier bis zu 15 Jahre und teilweise länger sein“, sagt die Sprecherin. FDP-Politiker Torsten Herbst, der die Anfrage ans Ministerium mit formuliert hatte, kritisiert: „Es ist ein bedenklicher Zustand, dass gegenwärtig über 1000 Eisenbahnbrücken in Deutschland sanierungsbedürftig sind. Hier rächen sich die langjährigen Defizite bei Erhalt und Modernisierung des Schienennetzes.“ Er warnt vor Folgen für den Personen- und Güterverkehr, wenn Brücken nur beschränkt befahrbar sind.

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Eine Eisenbahnbrücke, die in Bremen in den kommenden Jahren weichen und durch einen Neubau ersetzt werden soll, ist die über der Sebaldsbrücker Heerstraße. Der sogenannte Zeppelintunnel nahe der Zeppelinstraße in Sebaldsbrück, auf dem die Bahnstrecke Bremen-Hannover verläuft, ist nicht nur marode, sondern mit 3,65 Metern Höhe auch zu niedrig für viele Fahrzeuge. Zudem steht er regelmäßig unter Wasser. Der Deutschen Bahn zufolge ist die Eisenbahnbrücke seit 1913 in Betrieb. Seit einigen Jahren ist ein Neubau in Planung. Derzeit fänden vorbereitende Maßnahmen statt, berichtet Beiratspolitiker Alfred Kothe (CDU). Die heiße Bauphase werde wohl erst 2022/23 beginnen, schätzt Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD).

Viele Eisenbahnbrücken über 100 Jahre alt

Die Brücke in Sebaldsbrück ist bezüglich ihres Alters absolut keine Ausnahme: Mehr als die Hälfte aller deutschen Eisenbahnbrücken wurde vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs gebaut, 45 Prozent sogar vor über 100 Jahren. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der erneuerten Brücken gestiegen. Waren es 2015 noch 60, waren es laut Ministerium zuletzt rund 280 Neubauten im Jahr.

Eine Karte mit allen Eisenbahnbrücken in Deutschland und der jeweiligen Eingruppierung ist auf www.bruecken.deutschebahn.com/brueckenkarte abrufbar. Die dargestellten Daten sind noch auf dem Stand von Ende 2018, werden einer Bahnsprecherin zufolge aber in Kürze aktualisiert.

Zeppelintunnel

Alt, älter, deutsche Eisenbahnbrücken: Die Brücke nahe der Zeppelinstraße in Sebaldsbrück muss ersetzt werden.

Foto: Petra Stubbe
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