Immobilienberater: Bremens Markt erholt sich von der Krise "In der Innenstadt fehlen Büroflächen"

Bremen. Der Bremer Büromarkt hat sich seit Sommer vergangenen Jahres so gut erholt, dass der größte Immobilienberater der Stadt, Robert C. Spies, nun mehr Büroflächen in der Bremer Innenstadt fordert: In keiner vergleichbaren deutschen Stadt gibt es so wenig Leerstand wie in Bremen.
31.03.2010, 04:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Sara Sundermann

Bremen. Es ist noch nicht lange her, da ließ die Krise die Grundstücks- und Gebäudepreise purzeln. Doch der Bremer Büromarkt hat sich seit Sommer vergangenen Jahres so gut erholt, dass der größte Immobilienberater der Stadt, Robert C. Spies, nun mehr Büroflächen in der Bremer Innenstadt fordert: Die Nachfrage nach zentral gelegenen Räumen sei deutlich größer als das Angebot. In keiner vergleichbaren deutschen Stadt gibt es so wenig Leerstand wie in Bremen.

'Die Talsohle ist durchschritten', sagt Jens Lütjen, Inhaber des Bremer Immobilienvermittlers Robert C. Spies. 'Seit zehn bis zwölf Monaten genießt die Immobilie wieder ein hohes Vertrauen.' Die Nachfrage von Investoren, die Bürogebäude kaufen wollen, sei im zweiten Halbjahr 2009 deutlich gestiegen. 82000 Quadratmeter Bürofläche wurden in Bremen 2009 nach Berechnungen von Spies insgesamt vermittelt - ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist man noch nicht wieder bei den Werten vor der Krise, doch es geht aufwärts.

'Bremen ist ein außerordentlich verlässlicher und stabiler Markt für Investoren', so Lütjen. Im Verhältnis zu anderen Metropolen sei Bremen nach wie vor sehr günstig. Die wieder gestiegene Nachfrage mache sich sowohl bei Bürogebäuden als auch bei Wohnhäusern bemerkbar: 'Es gibt mittlerweile Bietergefechte bei Zwangsversteigerungen - das hätte es früher nicht gegeben', sagt Lütjens Kollege Stefan Albert, geschäftsführender Gesellschafter bei Robert C. Spies. 'Ein Acht-Familien-Haus in Schwachhausen lässt sich in Tagen oder Stunden vermitteln.'

Energiekosten immer wichtiger

Bei Mietern und Käufern von Büroflächen sind vor allem zentrale Lagen in der Bremer Innenstadt in energieeffizienten Gebäuden gefragt. 'Die Mieter erwarten, dass die Energiekosten deutlich steigen werden', so Albert. Deshalb würden viele Unternehmen gezielt nach Energiespar-Gebäuden suchen. 'Das Thema Nebenkosten wird für Unternehmen immer wichtiger', sagt Jens Lütjen. 'Doch es gibt in der gesamten Bremer Innenstadt nach wie vor kein einziges Haus, das Green-Building-Standards erfüllt.' Green Building ist ein Zertifikat für nachhaltiges Bauen, das nur Gebäude mit guter Dämmung, ungiftigen Baustoffen und einer hohen Energieeffizienz erhalten. In Bremer Randgebieten sind schon mehrere Passivhäuser entstanden. Ein Beispiel für ein Bürohaus mit Green-Building-Zertifikat ist das EnergyOffice in der Überseestadt, das mit Erdwärme heizt und durch intelligente Lamellensysteme blendendes Sonnenlicht in eine sanfte Innenraumbeleuchtung umwandelt.

Das EnergyOffice ist bereits komplett vermietet - bezeichnend für die aktuelle Situation in der Überseestadt. 'Es gibt quasi keine freien Flächen mehr in der Überseestadt - besonders Wasserlagen werden knapp', sagt Lütjen. Auch im Technologiepark neben der Universität hat seine Immobilienberatung gerade 4000 Quadratmeter vermittelt. Dort hat unter anderem der Cerealien-Hersteller Kellogg?s Büroflächen gemietet. Rund um den Bremer Flughafen wurden 2009 ebenfalls viele neue Räume an Unternehmen vermittelt: Beispielsweise an die Firma Atlas Elektronik, die elektronische Systeme für maritime Streitkräfte herstellt und mit einem Teil der Mitarbeiter in die Airport-Stadt zog.

Doch die große Mehrheit der Investoren fragt nach modernen Büroflächen in der Innenstadt. Immobilienberater Jens Lütjen fordert deshalb von der Politik, die Entwicklung der Bremer Innenstadt weiter voranzutreiben. 'Ein Penthouse in der Sögestraße kann man heute sofort vermarkten', so Lütjen. Er kann sich neue Büroflächen vor allem über den Dächern der Innenstadt vorstellen. 'Man könnte ernsthaft darüber nachdenken, bestehende Gebäude in der Innenstadt um eine Etage aufzustocken', so Lütjen. Auch die sogenannten Flusspunkte, zu denen die Spitze des Teerhofs neben der Weserburg, Teile des Uferstreifens im Stephaniviertel und einzelne Grundstücke an der Tiefer gehören, könnten laut Lütjen stärker genutzt werden.

Doch wo Bürogebäude in der Innenstadt stehen, da ist abends nichts los, denn die Angestellten fahren nach Hause. Das sagt Gregor Brendel, Vertriebsvorstand beim Europa Center, der in verschiedenen Städten Gebäude plant, baut und vermietet. 'Die großen Bürotürme müssen nicht zentral in der Stadt stehen', sagt er. Die Nachfrage der Unternehmen nach Innenstadtlagen sei zwar groß, doch das sei nicht immer sinnvoll. 'Ich brauche nicht für alle Mitarbeiter eines Unternehmens Büros in der teuersten Lage der Stadt', so Brendel. Büroräume in der Airport-Stadt seien zum Beispiel von der Innenstadt aus in weniger als zehn Minuten erreichbar.

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