Inflation übersteigt 2-Prozent-Grenze

Verbraucherpreise steigen

Die Verbraucherpreise in Bremen sind in den ersten drei Monaten gestiegen. Der Grund dafür sind vor allem die anziehenden Preise für Heizöl und Benzin. Aber auch Lebensmittel werden immer teurer.
26.04.2021, 05:00
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Verbraucherpreise steigen
Von Tobias Hensel
Verbraucherpreise steigen

Laut Verbraucherzentrale kann es bei einem Verbrauch von 2000 Litern Heizöl pro Jahr im Jahr 2021 zu Mehrkosten von etwa 159 Euro kommen.

Patrick Pleul /dpa

In den ersten drei Monaten des Jahres haben sich die Verbraucherpreise deutlich erhöht. Nicht nur Benzin und Heizöl sind teurer geworden, auch bei Lebensmitteln wie Blumenkohl oder Paprika sind die Preise teils erheblich gestiegen. Als Grund werden Ernteausfälle angeführt, die das Lebensmittel-Angebot insgesamt verknappen und die Preise auch saisonal bedingt steigen lassen.

Verbraucher werden sich auf weiter steigende Preise für Benzin, Heizöl, Erdgas und Strom einstellen müssen. „Hauseigentümer müssen in den nächsten Jahren mit deutlich steigenden Heizenergiekosten rechnen“, erklärt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen.

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Die Europäische Zentralbank sieht für Deutschland eine Teuerungsrate von zwei Prozent und für die Euro-Zone von 1,3 Prozent. Der „Spiegel“ berichtet über den Monat März: „Die Inflationsrate lag bei 1,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte. Im Februar hatte die Rate noch bei 1,3 Prozent gelegen.“

So könne es laut Verbraucherzentrale bei einem Verbrauch von 2000 Litern Heizöl pro Jahr im Jahr 2021 zu Mehrkosten von etwa 159 Euro kommen. „Bei gleicher Heizölmenge sind dies im Jahr 2025 bereits 350 Euro“, rechnet Inse Ewen vor. Bei Erdgas sehe es nicht anders aus: Erdgas für 20.000 Kilowattstunden würde demnach in diesem Jahr rund 120 Euro teurer werden als im Vorjahr. Im Jahr 2025 lägen die Mehrkosten bei 264 Euro, so die Berechnung der Verbraucherzentrale.

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Seit Anfang dieses Jahres wird eine höhere CO2-Abgabe fällig. Mit der Folge, dass die Erdöl produzierenden Länder ihre Fördermengen angepasst haben. Im vergangenen Jahr waren die Preise für Benzin teil drastisch gesunken. Die Nachfrage nach Erdölprodukten bei vollen Tanklagern war allein durch den zeitweise fast komplett ausgefallenen Flugverkehr zum Erliegen gekommen. Diesen Effekt gibt es in diesem Jahr nicht mehr.

Für Friso Schlitte von der Handelskammer Bremen ist die Entwicklung besorgniserregend. „Man muss alles sorgsam beobachten. Aber noch kann man nicht sagen, ob die Inflation auf Einmaleffekten beruht.“ Gemeint sind damit beispielsweise die Folgen der Pandemie und andere statistische Ausreißer.

Die Verbraucherzentrale bereitet sich auf einen gesteigerten Beratungsbedarf vor. Das betreffe besonders das Verhindern von Stromsperren. „Gerade die finanziell benachteiligten Bremer und Bremerinnen bekommen die aktuelle Krise stark zu spüren“, sagt Katja Nonnenkamp-Klüting von der Verbraucherzentrale.

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Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer gesenkt, um die Folgen von Corona zu dämpfen. Oelmann meint, dass die Senkung und anschließende Wiedererhöhung gerade für kleinere Betriebe mehr Aufwand als Ertrag gebracht habe. Sie hätte andere Hilfen für sinnvoller gehalten. „Zur Entlastung der Verbraucher hätte es bessere Mittel gegeben, zum Beispiel mehr Kinderbonus oder eine Strompreissenkung. Das wäre bei vielen schnell gelandet und nicht so ein bürokratisches Monster gewesen“, so Oelmann weiter.

Die Industrie steht laut Friso Schlitte vor anderen Problemen. „Noch ist die Nachfrage aus dem Ausland gut, aber man weiß eben nicht, wie die Zahlungsbereitschaft nach der Pandemie sein wird“, sagt er. Steigende Energiepreise hätten zudem unmittelbare Auswirkungen auf den Endpreis der Produkte. Die Folge: Im Preis gestiegene Waren könnten womöglich nicht mehr verkauft werden und es komme zu Überschüssen. So versucht die Textilindustrie weiterhin, ihre Kollektion aus dem vergangenen Winter zu verkaufen. Klappt das nicht, landet ungetragene Kleidung in der Müllverbrennung.

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Bremer Kaufleute erklären zudem, dass allein die gestiegenen Kosten für die Logistik zu Preissteigerungen führen. So werden beispielsweise Fahrräder, die vor der Pandemie 1200 Euro gekostet hätten, heute für bis zu 1500 Euro angeboten. Die Handelskammer hat deshalb gemeinsam mit der Wirtschaftssenatorin eine Kontaktstelle für Lieferketten-Probleme eingerichtet.

„Im vergangenen Jahr entstand wegen der Pandemie ein Transport-Rückstau“, sagt Torsten Grünewald von der Handelskammer. Der sei mittlerweile zwar abgebaut, „aber es gibt weiter starke regionale Unterschiede“, erklärt Grünewald. So seien die Verbindungen zu den asiatischen Ländern zwar wieder hergestellt, das Südamerika-Geschäft laufe aber noch immer nicht wie erhofft. „Wir nehmen Teuerungen vom Fünf- bis Siebenfachen wahr“, so Grünewald weiter. Das bekomme der Verbraucher zu spüren.

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Teure Warenkörbe

Die statistischen Ämter der Europäischen Union, der Bundesrepublik und ihrer Länder packen jeden Monat einen Warenkorb zusammen. Der unterscheidet sich nicht zwischen den Ämtern, aber er wird verschieden gewichtet. Das schafft vergleichbare Werte. Dass im März die Inflation in Bremen sogar bei 2,4 Prozent gesehen wird, hängt mit der Größe des Bundeslandes zusammen: „Auf kleine statistischen Einheiten schlagen die Einzelentwicklungen stärker auf Gesamtmonatsergebnisse durch“, sagt Joanna Ronowski vom Statistischen Landesamt. Bremen ist eine kleine statistische Einheit, sagt das Amt.

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