Insolvenzantrag ist da

Hellweg-Centrum startet Räumungsverkauf

Auf diesen Insolvenzantrag haben Mitarbeiter und Gläubiger des Hellweg-Centrums schon gewartet. Seit August haben sie kein Geld mehr erhalten. 15 Beschäftigte werden nun ab Montag beim Räumungsverkauf helfen.
28.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Hellweg-Centrum startet Räumungsverkauf
Von Florian Schwiegershausen
Hellweg-Centrum startet Räumungsverkauf

Ab Montag gibt es den ganzen November durch einen Räumungsverkauf beim Hellweg-Centrum. Dann wird der Fachmarkt, der inzwischen auch für Privatkunden geöffnet ist, nach 54 Jahren Geschichte sein.

Christina Kuhaupt

Gehalt haben die Mitarbeiter des Hellweg-Centrums seit August nicht mehr bekommen. Dennoch werden 15 von ihnen ab kommenden Montag wieder im Fachmarkt an der Stresemannstraße stehen und beim Räumungsverkauf helfen. Sie hoffen, dass dabei Geld zusammenkommt, von dem sie vielleicht auch etwas erhalten werden. „Wir wollen hier erhobenen Hauptes rausgehen und uns auch von den Kunden verabschieden“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Angelika Maluvius.

Mit dem Räumungsverkauf kann es jetzt nur starten, weil am vergangenen Freitag das Bremer Amtsgericht den Antrag auf Insolvenz angenommen hatte. Auf den hatte einer der Gläubiger gedrungen. Der vorläufig eingesetzte Insolvenzverwalter Berend Böhme gab an, dass er eine solche Situation so noch nicht erlebt habe. Bisher vergeblich hat er versucht, über Telefon, Fax, E-Mail und Brief einen Kontakt zum Geschäftsführer zu bekommen. Der hatte am letzten Augusttag das Hellweg-Centrum übernommen und sich den Mitarbeitern vorgestellt. Am Tag darauf stellte er alle Beschäftigten frei.

Lesen Sie auch

Beim ersten Treffen dachten Maluvius und ihre Kollegen noch, er wolle den Fachmarkt weiterführen: „Der machte so einen seriösen Eindruck – wie man sich von so einem blenden lassen kann.“ Von da an hingen die Beschäftigten in der Luft. Denn als sie bei der Arbeitsagentur Antrag auf Arbeitslosengeld stellten, akzeptierte manche Sachbearbeiter die Freistellung nicht als Kündigung. Auch jetzt hätten einige Kollegen noch immer kein Arbeitslosengeld erhalten.

Auch ist die Frist nun verstrichen, in der sie Insolvenzgeld hätten bekommen können. Dafür hätte der Insolvenzantrag umfassend und zeitnah gestellt werden müssen. So sieht es auch Insolvenzverwalter Böhme. Für ihn ist das Hellweg-Centrum nicht neu. Bei der Insolvenz im vergangenen Jahr war er bereits zuständig und konnte im Herbst 2019 verkünden, dass es weitergeht mit dem Hellweg-Centrum. Doch es gestaltete sich schwierig, wie Maluvius am Dienstag Blick auf die Ware sagte: „Wir lebten von der Hand in den Mund.“ Denn so einige Lieferanten blieben skeptisch und gaben Ware nur gegen direkte Zahlung aus. Seitdem kam es in dem einen oder anderen Regal immer wieder zu einer Lücke.

Lesen Sie auch

Ende August sagte schließlich der damalige Geschäftsführer Johannes von der Linde dem WESER-KURIER, es müsse ein „Wunder von der Weser“ her, sonst müsse Hellweg schließen. Mit einem Brief wandte er sich an Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Dort im Ressort und mit der Wirtschaftsförderung habe es auch Gespräche gegeben. Man war dort alles andere als erfreut, dass für das Ressort völlig unvermittelt der Fachmarkt verkauft wurde. Der neue Geschäftsführer stellte sich im Nachhinein als sogenannter „Firmenbestatter“ heraus. Vor dem Insolvenzantrag vom Freitag habe es bereits andere Insolvenzanträge gegeben, die aber als unzureichend abgelehnt wurden.

Da die Mitarbeiter bereits ihr August-Gehalt nicht bekommen hatten, muss nun festgestellt werden, ob hier eine Insolvenzverschleppung vorliegt. Insolvenzverwalter Böhme kommentierte das so: „Das hat die Staatsanwaltschaft zu klären.“ Böhme versucht nun, für Gläubiger und Mitarbeiter liquide Mittel aufzutun. Der Räumungsverkauf den November durch, immer von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 17 Uhr, soll dazu beitragen. „Hier ist das eine oder anderen Schnäppchen machen“, ergänzt Böhme. Worüber sich Betriebsrätin Maluvius freuen würde: „Vielleicht ist ja unter den Kunden auch jemand, der für uns Mitarbeiter eine neue Tätigkeit hat.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+