Interview mit Vorsitzenden der Interhomes AG

Frank Vierkötter: „Die Grundstückspreise sind explodiert“

Im Interview erläutert der Vorstandsvorsitzende warum die steigenden Grundstückspreise auch eine finanzielle Belastung für die Bauherren sind und wie sich die Corona-Krise auf dem Immobiliemarkt zeigt.
08.06.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Frank Vierkötter: „Die Grundstückspreise sind explodiert“
Von Lisa Boekhoff
Die Immobilienpreise steigen immer weiter. Eine gute Nachricht für alle, die im Geschäft sind?

Frank Vierkötter: Die höheren Preise sind nicht nur schön. Jetzt könnte man denken, die am Bau Beteiligten verdienen alle mehr Geld. Das ist nicht so. In erster Linie hat das was mit steigenden Kosten zu tun. Die Grundstückspreise sind in den letzten Jahren explodiert.

Auch in Bremen?

Ja, natürlich! Man zahlt für baureifes Land mittlerweile exorbitante Preise. Es gibt Firmen, die sich auf das Geschäft Landhandel spezialisiert haben. Die kaufen in Aussicht stehendes Bauland und verdienen damit viel Geld. Preise von 1000 Euro und mehr pro Quadratmeter Wohnfläche sind fast an der Tagesordnung – allein für das Grundstück. Und ich spreche jetzt nicht von Toplagen. Wir bauen bundesweit in den wichtigsten Metropolen. Das ist kein Phänomen von Berlin, München oder Frankfurt, sondern auch Städten wie Bremen. Da liegen wir nicht viel unter diesen 1000 Euro, und es kommt noch die Erschließung hinzu. Parallel sind die Baukosten gestiegen.

Warum ist das Bauen denn teurer geworden?

Es ist ganz schwierig, Handwerker für große Bauvorhaben zu bekommen, ob für Sanitär, Heizung oder Elektro. Und die Auflagen sind gestiegen. Das macht uns als Bauträger dann manchmal traurig, wenn Politik und Verwaltung fragen: Warum nehmt ihr so hohe Preise? Dann würde ich am liebsten zurückrufen: Weil ihr das Wohnen so teuer macht! Es geht um Schallschutz, energetische Auflagen und und und. Als ob wir früher in Papphütten geschlafen hätten... Wir versuchen, aus jedem Gebäude ein optimales Haus zu machen. Doch wir vergessen nicht, dass Wohnen ein Grundgut ist, das vor allem eins sein muss: auch bezahlbar.

Und das sehen Sie in Gefahr, dass Wohnen bezahlbar ist?

Wir selbst kommen aus dem preiswerten Wohnungsbau. Doch durch diese Entwicklung befinden wir uns nun in Segmenten, wo wir nie hin wollten. In Bremen können Sie im Grunde unter 4000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche nichts mehr anbieten. Unmöglich. Das ist nicht kostendeckend.

Das heißt, Sie können nicht günstiger sein, obwohl das eigentlich Ihrer Philosophie entspricht?

Das ist das, was der Markt verlangt. Alle haben Angst vor einer sogenannten Immobilienblase in Deutschland. Blödsinn. Wir bauen selbst in Zeiten der Hochkonjunktur immer noch unter dem Neubaubedarf. Alle Forschungsinstitute gehen davon aus, dass jährlich bundesweit 400.000 bis 450.000 Wohneinheiten nötig sind, um Zuzug und Veränderung in der Demografie abzubilden. Wir bauen aber selbst in dieser Hochphase vielleicht 300.000 Häuser und Wohnungen. Wenn man sich anschaut, wo und was gebaut wird, dann ist klar: Das bezahlbare Segment ist außen vor.

Wie spiegelt sich das in den Mieten in Bremen wider?

Es gibt auf der einen Seite den sozial geförderten Wohnungsbau mit Mieten um sechs Euro pro Quadratmeter. Danach wird es gleich teuer, denn es fehlen Wohnungen für den Mittelbau für acht oder neun Euro. Da werden Sie in einer netten Wohnlage fast kein Angebot finden. Die Mieten resultieren aus den Verkaufspreisen, weil Anleger mit der Immobilie natürlich ein bisschen Geld verdienen wollen. Wir sind wieder bei der Frage, was man besser machen könnte. Wir müssen schneller Bauland ausweisen.

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Wir erleben wegen Corona eine Krise unbekannten Ausmaßes. Was heißt das für die Entwicklung des Immobilienmarkts?

Ich glaube, die Menschen haben erkannt, wie wichtig die eigenen vier Wände sind. Das ist der Ort, an den ich mich zurückziehen kann. Ich verfüge glücklicherweise über einen Garten, wenn auch keinen großen, weil ich in Schwachhausen lebe. Ich könnte mir die zweieinhalb Monate ohne ihn nicht vorstellen – mit kleinen Kindern ohne Schule. Der Wunsch nach schönem Wohnen ist sehr wichtig geworden. Demgegenüber steht eine klare ­wirtschaftliche Entwicklung. Unternehmen haben plötzlich die Grundlage ihres Geschäftsmodells verloren. Dafür gab es ja ­keinen Plan. Doch das Instrument der Kurzarbeit sorgt dafür, dass sie ihre Mitarbeiter trotzdem nicht gleich entlassen müssen. Die deutsche Wirtschaft wird sich gut und relativ schnell erholen. Insgesamt werden die Immobilienpreise aus unserer Sicht nicht fallen, sondern vielleicht sogar leicht konstant steigen.

Interhomes ist in ganz Deutschland aktiv. Haben Sie wegen Corona Zurückhaltung bei Kunden erlebt?

Es gab natürlich Verunsicherung. Es wäre falsch zu sagen, es wäre alles so weitergelaufen. Wir hatten Kunden, die ein Haus kaufen wollten und von jetzt auf gleich vom Notarvertrag zurückgetreten sind. Entweder haben sie ihren Job verloren, oder sie wollten abwarten, was passiert. Auf diese Situation war keiner vorbereitet. Der Zulauf ist etwas geringer, aber wer zu uns kommt, hat klare Vorstellungen, auch bei der Finanzierung.

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Das Gespräch führte Lisa Boekhoff.

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Zur Person

Frank Vierkötter

führt als Vorstandsvor­sitzender die Interhomes AG in Bremen. Der Ökonom hat vier Kinder und ist Vizepräsident im Vorstand des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

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Zur Sache

Bundesweite Projekte

Die Interhomes AG ist nicht nur in Bremen aktiv. Im Jahr erstellt der Bauträger bundesweit 400 bis 500 Wohneinheiten – auch in Hamburg, Berlin, im Ruhrgebiet und Bayern. In der Hansestadt laufen derzeit zwei Projekte: In der Gartenstadt Werdersee entstehen 350 Wohnungen, Reihen- und Doppelhäuser. In Huchting baut Interhomes zudem 55 Reihenhäuser. Bereits umgesetzt hat das Unternehmen in Bremen beispielsweise 80 Wohnungen und Reihenhäuser im „Horner Garten“, 112 Reihenhäuser in Arsten und 219 Wohnungen und Reihenhäuser in Oberneuland.

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