Fazit zum internationalen Astronautenkongress

Virtuelle Stände und digitale Kaffees

Vor zwei Jahren war der Weltraumkongress ein Highlight in Bremen. Dieses Jahr findet die Messe nur virtuell statt. Bremer Aussteller sind trotzdem zufrieden – auch wenn vieles anders war.
15.10.2020, 05:30
Lesedauer: 2 Min
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Virtuelle Stände und digitale Kaffees
Von Stefan Lakeband

Bremen. Das jährliche Treffen der Raumfahrtindustrie war dieses Mal auch ein Schaufenster für Wohnzimmer, Büros, Labore und Bücherregale. Denn die bekamen Teilnehmer des diesjährigen International Astronautical Congress (IAC) häufig zu sehen. Corona macht auch vor der Raumfahrt keinen Halt: Der IAC, der in Dubai hätte stattfinden sollen, wurde ins Internet verlegt. Aufwendige Messestände erhielten ein digitales Abbild und anstatt Vorträge und Diskussionen auf der großen Bühne haben sich die Teilnehmer eben von zu Hause aus präsentiert.

Dass vieles anders war, haben auch die Bremer Aussteller gespürt. Am virtuellen Stand des Landes Bremen standen andere Themen als sonst im Fokus. Über die Chat-Funktion hätten sich vor allem viele junge Leute gemeldet, sagt Luise Weber-Steinhaus, Marketing Managerin beim Verein Aviaspace, der die Luft-und Raumfahrt-Strategie des Landes Bremen umsetzt. Häufig sei es um die Studienangebote oder den Berufseinstieg gegangen. „Der virtuelle IAC öffnete die Türe für viele Studierende“, glaubt Weber-Steinhaus. Denn anders als die Kongresse zuvor, sei der Besuch der diesjährigen Auflage kostenlos.

Etwas, worauf Bremen auch beim Online-IAC nicht verzichten wollten, war das Matchmaking – also Leute mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen. Beim IAC 2018, der in der Hansestadt stattfand, gab es dafür einen großen Bereich mit Tischen direkt neben dem Bremer Messestand. „Statt eines realen Kaffees wurde nun ein virtueller zusammen getrunken“, sagt Weber-Steinhaus. Den persönlichen Kontakt ersetzte der aber natürlich nicht.

Auch Sandra Müller, die sich bei OHB um Messeauftritte kümmert, sagt, dass der virtuelle IAC nicht mit früheren Veranstaltungen vergleichbar sei. „Es ist nicht so interaktiv.“ Spreche sie sonst Besucher des OHB-Stands an, sei das in der Onlinevariante schwieriger – zu Gesprächen komme es trotzdem. Laut Müller haben viele Besucher Fragen zu Jobs, bestimmten Projekten oder wollen sich einfach mal vorstellen – alles per Chat.

Etwa zehn OHB-Mitarbeiter haben die virtuelle Präsenz an den drei IAC-Tagen betreut. Allerdings, sagt Müller, stehe beim IAC die Ausstellung gar nicht mal im Vordergrund. Der Fokus liege auf den Fachvorträgen. Und davon hat es in den vergangenen Tagen etliche gegeben. Laut International Astronautical Federation (IAF), die den IAC ausrichtet, haben Raumfahrtexperten mehr als 1300 Videos aufgenommen und hochgeladen.

Auch sonst ist die IAF mit ihrer Präsidentin Pascale Ehrenfreund sehr zufrieden mit dem Onlinekongress. 13 100 Teilnehmer aus 135 Ländern hätten sich für die virtuelle Schau registriert, die digitalen Messestände hätten mehr als 23 000 Besucher gehabt. „Wirklich ­atemberaubend“, heißt es in einer Mitteilung. Der nächste IAC soll dann aber wieder ganz normal stattfinden. Dann soll Dubai das reale Treffen ausrichten.

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