Konkurrenz zu Starlink geplant

Bremer OHB will mit Satelliten im All für schnelleres Internet sorgen

Satelliten von OHB könnten Europa bald mit Internet aus dem All versorgen. Die EU hat ein entsprechendes Projekt in Planung. Doch SpaceX ist da schon deutlich weiter.
01.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer OHB will mit Satelliten im All für schnelleres Internet sorgen
Von Stefan Lakeband
Bremer OHB will mit Satelliten im All für schnelleres Internet sorgen

Ein Streif am Nachthimmel: In der Langzeitbelichtung werden die Starlink-Satelliten zu einer leuchtenden Spur.

Peter Komka / dpa

Wer zuletzt in den wolkenlosen Nachthimmel geschaut hat, wird sie eventuell entdeckt haben: kleine helle Punkte, die wie Perlen an einer Schnur durch die Luft fliegen. Hinter diesen Lichtern stecken keine Sternschnuppen oder Flugzeuge, sondern ein ehrgeiziges Projekt von Milliardär Elon Musk. Er will schnelles Internet an jeden Ort der Welt bringen. Auch die EU plant so etwas – das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB könnte sie dabei unterstützen.

Musk hat sein Projekt Starlink genannt und will in den nächsten Jahren bis zu 42.000 kleine Satelliten ins All schießen. So sollen die Menschen mit schnellem Internet versorgt werden, ohne dass aufwendig Kabel in der Erde verlegt werden müssen. Was jetzt schon durch den Himmel flitzt, sind die ersten Vorboten des Projekts; mittlerweile sind mehr als 900 Satelliten für Starlink im All. In den USA laufen bereits erste Testphasen mit Kunden und auch in Deutschland könnte es bald soweit sein.

Die Europäische Union will da nicht hinterherhinken und plant daher eine eigene Satellitenkonstellation – so nennt man es, wenn mehrere Satelliten einem gemeinsamen Ziel dienen. Eine solche Konstellation ist das Herzstück bei Projekten dieser Art: Tausende Satelliten, die die Erde umkreisen und Daten übertragen. Laut Medienberichten soll das europäische Projekt rund sechs Milliarden Euro kosten.

Kurz vor Weihnachten hat die Europäische Kommission eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Industrieunternehmen sollen prüfen, wie die europäische Antwort auf Starlink aussehen kann. Ziel sei es, die „Souveränität der EU“ zu stärken, indem die sichere Kommunikation von Behörden und Wirtschaft garantiert wird. Ein Konsortium aus Industrieunternehmen hat nun ein Jahr Zeit dafür, um die Grundlagen zu schaffen. Neben Airbus und Arianespace ist auch OHB dabei. Das Bremer Raumfahrtunternehmen soll vor allem seine Expertise im Satellitenbau einbringen.

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Schon vergangenes Jahr hatte sich OHB-Chef Marco Fuchs für eine europäische Satellitenkonstellation ausgesprochen und die „weißen Flecken“ in der Versorgung mit schnellem Internet beklagt. „Das ist für ein Land wie Deutschland ein Armutszeugnis“, schrieb er in einem Beitrag auf der Unternehmenswebsite. Der Zugang zum Internet sei wichtig für die Souveränität und die strategische Absicherung der Europäischen Union. „Bislang besteht die Gefahr, dass solche Satellitenkonstellationen an Europa vorbei aufgebaut werden“, warnt Fuchs und rät zu einer schnellen Umsetzung – am besten noch in dieser Amtszeit der Europäischen Kommission. Die endet 2024. „Nur so halte ich es für wahrscheinlich, auf Projekte wie etwa Starlink von SpaceX noch aufzuschließen.“

Dass hinter diesen Worten tatsächlich eine Absicht steckt und die Bremer Expertise haben, ließ sich Mitte Januar in Neuseeland beobachten. Von dort aus brachte eine Rakete einen OHB-Satelliten ins All: einen Prototyp für eine geplante neue Konstellation von mehreren Hundert Telekommunikationssatelliten.

Doch selbst wenn OHB und die EU ihre Projekte schnell umsetzen sollten, könnten sie dennoch zu spät kommen. Konkrete Pläne für eine Konstellation gibt es auch von Amazon-Gründer Jeff Bezos und in China. Elon Musk hat mit Starlink schon einen riesigen Vorsprung. Aktuell läuft eine Testphase mit Hunderten Kunden in eher ländlichen US-Bundesstaaten wie Washington, Wisconsin und Idaho.

In Internetforen berichten Nutzer, dass das Internet per Satellit teils 20 Mal schneller ist als ihr alter Internetanschluss; Starlink selbst verspricht Downloadgeschwindigkeiten von 50 bis 150 Megabit pro Sekunde. Dafür zahlen die Kunden bislang aber noch – zumindest aus deutscher Sicht – einen stolzen Preis: Um Daten über Starlink zu übertragen, brauchen Kunden ein Hardware-Set inklusive Satellitenschüssel für einmalig 499 Dollar; monatlich kostet der Anschluss 99 Dollar. Wie teuer der Service sein wird, wenn Starlink in den kommenden Wochen regulär an den Markt geht, ist noch nicht klar.

Momentan deutet vieles darauf hin, dass das Satelliten-Internet der Amerikaner auch bald deutschen Kunden zur Verfügung stehen wird. Im Dezember hat die Bundesnetzagentur Starlink Frequenzen zugeteilt, auf denen die Satelliten mit den Empfängern am Boden funken können. Bereits im Sommer wurde eine Starlink-Tochter mit Sitz in Frankfurt gegründet. Und auf der Website von SpaceX, dem Unternehmen hinter Starlink, wird per Stellenausschreibung nach deutschsprachigen Mitarbeitern für den Kundensupport gesucht – die sollen allerdings von Kalifornien aus arbeiten.

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Zur Sache

Ärger über Starlink

Die Satelliten von Elon Musk stehen in der Kritik. Astronomen warnen davor, dass es immer schwieriger wird, den Sternenhimmel zu beobachten, weil die Kleinsatelliten als leuchtende Punkte zu sehen sind. Die Satelliten für Starlink fliegen in einer Höhe von 550 Kilometern über der Erde und sind damit deutlich niedriger als andere Satelliten, etwa solche für Satellitennavigation. Lichtverschmutzung ist aber nicht das einzige Problem: 2019 hätte es beinahe einen Zusammenstoß zwischen einer europäischen Sonde und einem Starlink-Satelliten gegeben. Experten befürchten, dass solche Situationen zunehmen werden je mehr Satellitenkonstellationen es gibt.

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