Kein Verwöhnaroma Jacobs kündigt Tarifverträge

Das Kaffeeimperium Jacobs Douwe Egberts hat an seinem Bremer Verwaltungsstandort die Tarifverträge zum 30. April gekündigt. Die Gewerkschaft NGG gewinnt dadurch Zulauf und fordert neue Verhandlungen.
11.04.2018, 19:24
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Jacobs kündigt Tarifverträge
Von Florian Schwiegershausen

Jacobs Douwe Egberts Deutschland hat zum 30. April alle Tarifverträge gekündigt. Das hat die für die Nahrungsmittelbranche zuständige Gewerkschaft NGG mitgeteilt. Als Grund dafür sieht die Gewerkschaft, dass zum Mai 2018 ein Großteil der Jacobs Douwe Egberts Pro Office DE GmbH in die Jacobs Douwe Egberts DE GmbH übernommen werden soll. Hier handele es sich um mehr als 100 Mitarbeiter. Der Unternehmensteil Pro Office bietet Kaffeemaschinen und Automaten für Unternehmen an, um dort die Mitarbeiter mit Kaffee zu versorgen, auf Wunsch auch mit Service und Wartung.

Lesen Sie auch

Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Bremen-Weser-Elbe sagte: "Man ist offensichtlich nicht bereit, für diese Beschäftigten, die teils tariflos sind, teils unter einen erheblich niedriger dotierten Tarifvertrag fallen, nach Eingliederung den Bremer Tarif zu zahlen." Nach Bekanntwerden dieser Kündigung habe sich eine große Anzahl der Beschäftigten in der Gewerkschaft NGG organisiert, um gemeinsam die Tarifverträge zu erhalten. Nickel fordert den Konzern auf, neu zu verhandeln: „Jacobs Douwe Egberts soll mit uns die Tarifverträge wieder abschließen beziehungsweise über Verbesserungen verhandeln. Wir können nicht zulassen, dass ein Konzern im Besitz der reichsten Familie Deutschlands sich jeglicher sozialer Verantwortung entledigt."

Laut Nickel könne es sich JDE sehr wohl leisten, alle Beschäftigten ordentlich und tariflich abgesichert zu bezahlen. "Davon wird die Familie Reimann nicht ärmer. Sollte sich JDE Verhandlungen verweigern, werden wir geeignete Maßnahmen ergreifen", ergänzte Nickel. Der NGG-Geschäftsführer spielt bei seinen Aussagen auf die Unternehmerfamilie Reimann aus der Region Mannheim an. Sie gehört zu den reichsten Familien Deutschlands und dominiert über die JAB-Holding neben wenigen anderen Unternehmen den weltweiten Kaffeemarkt.

Tarifverträge in den Werken bleiben

JDE-Sprecher Dirk Friedrichs bestätigte dem WESER-KURIER ebenso, dass das Unternehmen aus dem mit NGG geschlossenen Tarifvertrag aussteigt: "Im Januar haben wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den Ausstieg informiert. In unseren Werken bleiben die jeweiligen Tarifverträge bestehen. Wir gehen diesen Schritt, um die dringend notwendige Integration unseres Außer-Haus-Geschäfts abzuschließen." Die Integration ist laut Friedrichs zwingend, um das Fortbestehen dieses Geschäftszweiges heute und auch in Zukunft grundsätzlich zu ermöglichen. Alle geltenden, tarifvertraglich vereinbarten Leistungen würden den Mitarbeitern erhalten bleiben.

Bereits im Januar hat JDE den Mitarbeitern am Bremer Verwaltungsstandort in der Langemarckstraße über die Integration der verschiedenen Geschäftsbereiche in eine gemeinsame Gesellschaft informiert. JDE-Sprecher Friedrichs sagt dazu: "Damit stärken wir unseren Bremer Standort, der damit zum zentralen deutschen Verwaltungsstandort wird. Künftig werden in dieser Gesellschaft rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sein."

Die JAB-Holding hält mit 51 Prozent die Mehrheit am Kaffeeunternehmen JDE, die restlichen Anteile gehören dem Mondelez-Konzern, der seinen Deutschlandsitz ebenfalls in der Hansestadt hat. Jacobs Douwe Egberts produziert in Bremen und ist beispielsweise für die Marken Jacobs, Kaffee Hag und Senseo bekannt.

Milliardenschweres Familienunternehmen

Hinter JAB stehen vier Mitglieder der Familie Reimann, die durch den ehemaligen Ludwigshafener Chemiekonzern Benckiser reich geworden ist. In der Holding steckt ein Großteil des Familienvermögens, nach Unternehmensangaben etwa 18 Milliarden Euro. Zum Jahresanfang wurde bekannt, dass die Reimanns für ihre Unternehmungen Geld bei weiteren Investoren einwerben.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+