Innenstadtentwicklung

Jacobs mahnt City-Planer

Der Investor Christian Jacobs sieht bei der Umgestaltung der Bremer Innenstadt Gefahren durch möglicherweise überforderte Behörden. Vor allem ein Projekt hält er für unverzichtbar.
14.11.2017, 19:05
Lesedauer: 3 Min
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Jacobs mahnt City-Planer
Von Jürgen Hinrichs

Die Dynamik ist enorm, da waren sich am Dienstag alle Beteiligten einer Veranstaltung der Immobilien-Zeitung zur Bremer Innenstadt einig. Doch kann die rasante Entwicklung, manifestiert durch verschiedene Großprojekte, auch verarbeitet werden? Sind die städtischen Planer gerüstet? „Es wäre sehr gefährlich, wenn der gute Impuls daran scheitert, dass die Behörden zu wenig Leute haben oder nicht kompetent genug sind“, sagte Christian Jacobs, einer der maßgeblichen Treiber in der City.

Sein zweiter Hinweis zielte auf die Pläne von Kurt Zech. Der Bremer Unternehmer will im Bereich Karstadt, Kaufhof und Parkhaus-Mitte neue Einkaufspassagen entwickeln, die City-Galerie. „Das ist ein Muss“, mahnte Jacobs, „wenn das nicht kommt, hat Bremen ein wirkliches Problem.“ Die anderen Projekte könnten ein Scheitern der Zech-Pläne nicht kompensieren.

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Zum sogenannten Heuer-Dialog kamen Vertreter aus der Immobilienwirtschaft, der Politik, der Behörden, der Wissenschaft und von Planungsbüros zusammen. Jacobs nahm die Gelegenheit wahr, seine Projekte in der Innenstadt vorzustellen, erstmals ging er dabei ausführlich auch auf das Kontorhaus in der Langenstraße ein.

Der prominent am Marktplatz gelegene Geschäfts- und Bürokomplex wird zurzeit unter anderem von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) genutzt. Jacobs will das Gebäude kaufen und neu entwickeln, die Verhandlungen mit dem Senat sind nach seiner Darstellung auf gutem Wege. Das Kontorhaus war früher mal ein Bankhaus mit einer repräsentativen Kundenhalle, prachtvoller noch als die der früheren Bremer Bank am Domshof. Dieser Charakter soll wieder hergestellt werden.

Ein breites Angebot an Gastronomie

„Wir werden das Hochparterre absenken“, kündigte Jacobs an. Auch deshalb, um das Haus wieder durchlässiger zu machen und eine Verbindung zwischen Langenstraße und Bredenstraße zu schaffen. „Im Erdgeschoss wird es ein breites Angebot an Gastronomie geben“, so der Unternehmer. Innen und Außen sollen dabei stark miteinander verbunden sein; Stühle und Tische rund ums Haus, damit Leben in der Straße ist.

„Zurzeit reicht die Frequenz nicht aus“, stellte Jacobs fest. Und das an der Ecke zum belebten Marktplatz. Bleibe es so, könne man im Kontorhaus allenfalls Mieten im Bereich zwischen zehn und 22 Euro für den Quadratmeter erlösen. „Dafür können sie an der Fassade nicht viel machen.“ Auch am Dach nicht. Jacobs plant zur Langenstraße hin einen neuen Giebel.

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Mehr Lauf von der Obernstraße bis zur Weser – das Credo aller Pläne von Jacobs. Er wird in der Obernstraße in den nächsten Monaten zwei Häuser abreißen lassen, am Stammsitz seiner Familie. Ein großer Neubau entsteht, der auf seiner Rückseite am geplanten Jacobshof liegen wird, mit einem Laden, der die Kaffee-Tradition der Bremer Familie aufnimmt. Nächster Baustein ist direkt angrenzend die historische Stadtwaage in der Langenstraße. Jacobs hat sie von der Bremer Sparkasse übernommen und will dort ein Restaurant einrichten.

Das neue Haus in der Obernstraße wird eine Verkaufsfläche von etwas mehr als 800 Quadratmetern haben. Beachtlich viel für so ein Gebäude, findet Jacobs. Wenig freilich im Vergleich zu den anderen Vorhaben, die in der Bremer Innenstadt gerade verwirklicht oder angeschoben werden. City-Gate vor dem Bahnhof, die geplante City-Galerie, das Sparkassen-Areal am Brill, das jetzt an einen Investor aus Israel verkauft wurde: Zusammen könnte das bei der Ladenfläche ein Plus von rund 30.000 Quadratmetern ergeben.

„Bremen braucht mehr Vielfalt“

„Ist das schon genug?“, fragte Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative. Halves vertritt die Innenstadt-Kaufleute und saß im Publikum. „Noch nicht“, so die Antwort von Olaf Petersen, Immobilien- und Handelsexperte aus Hamburg. Petersen, der eines der Referate hielt, verglich Bremen mit Hannover, das etwa gleich viele Einwohner hat: „In der Bremer Innenstadt sind es knapp 150.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, in der City von Hannover mehr als 260.000 Quadratmeter.“ Da sei deutlich mehr drin, bei Quantität und Qualität. „Bremen braucht mehr Vielfalt.“ Und andere Formate. Das Kaufhaus Karstadt sei tendenziell zu groß, gleiches gelte für den Kaufhof und für C&A.

Bremen auf dem letzten Platz, wenn man die Stadt mit Hannover, Nürnberg, Leipzig, Essen, Dresden und Dortmund vergleicht, die von der Größe her ungefähr in derselben Liga spielen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Petersen mit seiner Firma Comfort angestellt hat. Eingeflossen sind darin die demografische Entwicklung, der Einzelhandel und die Qualität von Standort und Immobilien. Für die Bremer unter den Teilnehmern der Veranstaltung war das nichts Neues, sie hatten die Tabelle vor drei Wochen bereits beim Innenstadt-Forum in der Bremischen Bürgerschaft präsentiert bekommen. Besser wurde der Befund dadurch aber nicht.

Der Referent hob noch den Unterschied zwischen Bremen und Hannover bei den Einzelhandelsmieten in 1-A-Lagen hervor. Im Bereich bis 120 Quadratmetern bezahlen die Geschäftsleute in Hannover durchschnittlich 185 Euro/qm, in Bremen sind es 127 Euro/qm. Bei Flächen bis zu 500 Quadratmetern ist die Differenz etwas geringer: 112 Euro/qm in Hannover, 82 Euro/qm in Bremen. Für den Referenten untermauerte das sein Gesamturteil: „Bremen hat Potenzial, da ist viel Luft nach oben."

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