Leiterin der Bremer Jugendberufsagentur

„Jugendliche dürfen sich nicht entmutigen lassen“

Corona hat den Ausbildungsmarkt in Bremen durcheinander gebracht. Warum Jugendliche aber auch jetzt noch eine Chance auf eine Lehrstelle haben, erklärt die Leiterin der Jugendberufsagentur im Interview.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Jugendliche dürfen sich nicht entmutigen lassen“
Von Stefan Lakeband
„Jugendliche dürfen sich nicht entmutigen lassen“

Im Bezirk der Arbeitsagentur gebe es noch fast 2000 offene Ausbildungsstellen, so die Leiterin der Jugendberufsagentur Carola Brunotte.

Frank Thomas Koch

Frau Brunotte, befürchten Sie, dass in diesem Jahr wegen der Corona-Krise mehr Jugendliche ohne Ausbildung dastehen werden?

Carola Brunotte: Wir gehen davon aus, dass es mehr sein werden. Wie viele, das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Im Bezirk der Arbeitsagentur gibt es noch fast 2000 offene Ausbildungsstellen. Jugendliche haben also noch viele Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Sie dürfen sich nicht entmutigen lassen.

Was können Jugendliche tun, wenn sie nicht ihre Wunschausbildungen finden?

Die Jugendberufsagentur leitet die offenen Stellen an die Jugendlichen weiter. Wir schauen uns auf Wunsch auch die Bewerbungen an und überlegen, warum es nicht geklappt haben könnte. Und wir schauen, ob es auch noch andere Ausbildungen gibt, die den Jugendlichen interessieren könnten.

Lesen Sie auch

Wie gehen Sie dabei vor?

Jeder von uns hat Interessen, manche sind offensichtlicher, manche eher versteckt. Im gemeinsamen Gespräch versuchen wir daher herauszufinden, was den Jugendlichen interessieren könnte. Wir nennen ihm beispielsweise bestimmte Berufe, die er mit einer Note bewerten soll. Aus diesem Ergebnis lässt sich häufig ableiten, was dem Jugendlichen gefällt und was nicht. Im Internet können sie sich auch selbstständig über Berufsbilder informieren. Unsere Plattform Berufenet zeigt für jede Ausbildung auch Alternativen an.

Und wenn Jugendliche gar nicht wissen, was sie später mal machen sollen?

Dafür gibt es Tests zur Selbsterkundung, aus denen sich Fähigkeiten und Interessen ableiten lassen. Die sind Grundlage für ein Beratungsgespräch. Ein Kurzpraktikum – gerade jetzt in den Sommerferien – ist auch eine Möglichkeit, um Berufsfelder kennenzulernen und so seinen Wunschberuf zu finden. Zudem freuen sich viele Betriebe, wenn Jugendliche Initiative und Interesse zeigen.

Wie lange können Jugendliche noch in die Ausbildung einsteigen?

Ein Ausbildungsstart ist in der Regel noch bis zum 1. November möglich. Wenn es in diesem Jahr trotzdem nicht mehr klappen sollte, können Jugendliche auch eine Einstiegsqualifizierung machen. Sie bereitet auf die Ausbildung vor und eröffnet im kommenden Jahr so neue Chancen.

Lesen Sie auch

Was raten Sie Jugendlichen, die nach einigen Wochen im Beruf feststellen, dass ihnen die Ausbildung nicht gefällt?

Wir versuchen herauszufinden, welche Gründe dahinterstecken. Sind es fachliche oder private? Fällt den Jugendlichen vielleicht der Übergang von der Schule in den Beruf schwer? Natürlich sollte ein Gespräch mit dem Ausbilder geführt werden. Es ist auch möglich, ein ausbildungsbegleitendes Coaching zu organisieren, um die Probleme zu beheben. Manchmal gehen Jugendliche auch mit einer falschen Erwartung an die Ausbildung heran. In solchen Fällen hilft es häufig, etwas Geduld zu haben. Bringt all das keine Besserung, können sie immer noch den Beruf wechseln.

Viele Jugendliche könnten das als Scheitern empfinden?

Ich habe auch mal ein Studium abgebrochen. Na und? Manchmal ist das einfach so. Gerade junge Leute können und sollen ihre Meinung noch einmal ändern dürfen und aus der Erfahrung lernen.

Gleichzeitig werden auch immer wieder Ausbildungen modernisiert oder ganz neue Berufe entstehen.

Ja, da ist es für Bewerber nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Mit dem Elektroniker für Gebäudesystemintegration wird etwa gerade so ein neuer Beruf geschaffen. In dem Feld arbeiten aber schon jetzt viele andere Elektroniker. Es gibt viele Überschneidungen, die die Berufswahl nicht immer einfacher machen. Deswegen lohnt immer ein Blick in die Berufsbeschreibungen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden.

Lesen Sie auch

Info

Zur Person

Carola Brunotte leitet seit 2005 die Berufsberatung der Arbeitsagentur in Bremen, seit 2017 ist sie die Repräsentantin der Jugendberufsagentur. Sie unterstützt Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+