Arcelor-Mittal

Keine Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk

Das Bremer Stahlwerk wird ab Januar nun wohl doch keine Kurzarbeit anmelden. Das hat Arcelor-Mittal am Montag mitgeteilt.
16.12.2019, 16:09
Lesedauer: 2 Min
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Keine Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk
Von Stefan Lakeband
Keine Kurzarbeit im Bremer Stahlwerk

Die Mitarbeiter des Bremer Stahlwerks müssen offenbar doch keine Kurzarbeit für das kommende Jahr fürchten.

Daniel Chatard

Die Beschäftigten im Bremer Stahlwerks müssen erst einmal nicht in die Kurzarbeit gehen. Das hat Arcelor-Mittal am Montag mitgeteilt. Weil es an anderen Standorten des Stahlherstellers zu Produktionsschwierigkeiten gekommen sei, gebe es nun unverhofft Aufträge für die Hütte.

Erst im Oktober hatte der weltweit größte Stahlhersteller Kurzarbeit für seinen Bremer Standort angekündigt. Betroffen davon sollte ein Großteil der rund 3500 Mitarbeiter sein. Die Ankündigung war nur einer von mehreren Schritten, um der aktuellen Stahlkrise zu begegnen. Bereits Anfang des Jahres hatte das Werk die Produktion heruntergefahren und bis Ende des Jahres die Arbeitszeit um vier Prozent reduziert. Das reichte aber nicht aus – die Aufträge gingen weiter zurück.

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Zum Jahreswechsel soll nun der Hochofen 3 der Bremer Hütte wieder in Betrieb genommen werden. „Diese kurzfristige Entscheidung zeigt deutlich, wie unsicher die Situation in der Stahlbranche ist“, sagt eine Sprecherin des Stahlwerks. Die Reaktivierung des Hochofens habe aber lediglich mit der konzerninternen Produktionsplanung zu tun. „Die konjunkturelle und vor allem die strukturelle Situation in der Stahlbranche hat sich bislang nicht verbessert.“

Die Branche kritisiert schon lange Zeit, dass die Importquoten der EU für Stahl in diesem Jahr erhöht wurden. Dabei geht es um das Kontingent, das ohne Zölle in Höhe von 25 Prozent in die EU eingeführt werden darf. Die Stahlwerke in Europa stehen unter Druck, weil wegen der weltweiten Überkapazitäten billiger Stahl auf die Märkte kommt. Die Situation hat sich verschärft, als die USA vergangenes Jahr Importzölle auf ausländischen Stahl verhängten. Die Stahleinfuhren in die EU stiegen in der Folge rasant an. Die EU setzte darum eigene Zölle ein, um den heimischen Markt zu schützen – doch diesen Schutz halten die Stahlkocher für unzureichend.

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Ende Oktober hatten die Ministerpräsidenten der Länder auf ihrer Jahreskonferenz einstimmig Forderungen zur Hilfe der Stahlindustrie beschlossen. Dabei geht es um einen besseren Schutz der Hersteller in der EU vor Importen, aber auch um Förderprojekte, damit die Stahlwerke in Zukunft weitgehend CO2-sparend produzieren. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zeigte sich damals zufrieden: „Der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung einer sozialen und klimafreundlichen deutschen Stahlproduktion.“

Arcelor-Mittal ist längst nicht das einzige Unternehmen, das von der Stahlkrise getroffen wurde. Auch der indische Stahlkonzern Tata Steel spürt die Folgen – und hat daher vor wenigen Wochen angekündigt, bis zu 3000 Stellen in Europa streichen zu wollen. Der Markt werde derzeit von überschüssigem Stahl überschwemmt. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp, dessen Stahlfusion mit Tata Steel die EU-Kommission im Juni gestoppt hatte, steht ebenfalls vor einem Konzernumbau und plant in diesem Zug, 6000 Stellen zu streichen. Daneben will der deutsche Traditionskonzern seine Aufzugssparte an die Börse bringen oder verkaufen.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 19:28 Uhr +++

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