Ex-Apple-Manager

Klappe zu, Buch auf

Tom Sadowski war Skilehrer, Musiker, Unternehmensberater und Manager bei Apple. Nun hat er ein Buch geschrieben und erklärt, worauf es bei einer guten App ankommt.
23.02.2020, 09:23
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Klappe zu, Buch auf
Von Stefan Lakeband

Es klingt wie der Traum eines jeden Autors: Die Idee kommt in der Nacht, in den Tiefschlaf reingeplatzt und ist dann so präsent, dass man sich noch am nächsten Tag an sie erinnert. Genau so sei es bei ihm gewesen, sagt Tom Sadowski. Vor gut einem Jahr war es plötzlich da: das Inhaltsverzeichnis seines Buches. „Ich habe es aufgeschrieben, um es aus dem Kopf zu bekommen.“ Denn eigentlich wollte der Bremer gar kein Buch schreiben.

Dass er es doch gemacht hat, hängt mit einem anderen Ereignis zusammen. 2019 war er zehn Jahre bei seinem Arbeitgeber. Und jetzt? Sadowski fragte sich, wie es weitergehen soll. „Ich habe sehr lange darüber nachgedacht“, sagt er heute. Das Ergebnis: Zum Ende des Jahres kündigte er seinen Job – und das hat es ihm ermöglicht, ein Buch zu schreiben. Darin geht es ein bisschen um Sadowski selbst und ganz viel um seinen alten Arbeitgeber. Denn der ist kein Nullachtfünfzehn-Unternehmen, sondern der Weltkonzern Apple.

Das Technologieunternehmen ist für viele ein Traumarbeitgeber. Und so hat Sadowski oft die Frage gehört, warum er denn kündige. „Ich fühlte mich nicht komplett, ich verspürte diesen inneren Drang, weiterzugehen und nicht einfach weiterzumachen“, schreibt er in seinem Buch. Es heißt „App Store Confidential“ und ist – anders als der Name vermuten lässt – keine Abrechnung mit seinem alten Job. „Im Buchgeschäft braucht man einen Titel, der funktioniert“, gibt der gebürtige Bremer zu. Echte Geheimnisse verrate er nicht. Dennoch würde der Konzern das Buch am liebsten verbieten lassen, ist vor Erscheinen mit einstweiligen Verfügungen dagegen vorgegangen.

Der 46-Jährige hat viel erlebt. Bevor er zu Apple kam, hat er beim Facebook-Konkurrenten StudiVZ gearbeitet, er war Skilehrer und Unternehmensberater. Als er noch in Bremen wohnte, lief alles auf eine Musikkarriere hinaus. Einen seiner ersten Auftritte hatte er als Teenager mit seiner Band Jucy Fruit in der Aula des Kippenberg-Gymnasiums. So voll sei es gewesen, schreibt Sadowski, dass sich der Fußboden gesenkt habe. Später machte er deutschsprachigen Rap – in den 90er-Jahren noch etwas Besonderes. Doch trotz Plattenvertrags blieb der große Durchbruch aus. „Wer weiß, wo ich dann heute wäre?“, fragt Sadowski.

Als er 2009 bei Apple anfängt, verantwortet er zuerst das Marketing von iTunes, einer Plattform, auf der Nutzer Lieder herunterladen können. Nach einigen Jahren wird er Chef des deutschsprachigen App-Stores. Daher auch der Titel des Buchs. „Alle reden immer über das iPhone“, sagt Sadowski, „aber niemand hat eine Vorstellung davon, wie das App-Geschäft funktioniert.“ Das, so der ehemalige Manager, sei riesig. 2018 hätten Apps dem Konzern rund 46 Milliarden Dollar Umsatz beschert – mehr als er mit Macs oder iPads eingenommen hat. An jeder Transaktion, die über den Store getätigt wird, verdient Apple 30 Prozent.

Sadowskis Job war es, das Geschäft weiter auszubauen, neue Apps zu entdecken und zu fördern. In dieser Funktion hat er unzählige Programme gesehen, gute und schlechte, und er weiß, was es braucht, um erfolgreich zu sein. „Persönlich mag ich Apps, die nicht nur ein konkretes Problem lösen, sondern alles, was kompliziert ist, verstecken“, sagt Sadowski. Shazam sei so ein Beispiel. Hier gehe es nur um ein Problem: Welches Lied läuft gerade? Der Nutzer müsse nur einen Button in der App drücken, der Rest geschehe im Hintergrund.

Nutzen, Design, Zeitpunkt, Zielgruppe – Sadowski, der mit seiner Familie mittlerweile in München lebt, kennt sich aus. Ob es nicht nahe liegt, mit diesem Wissen selbst eine App auf den Markt zu bringen? „Hin und wieder kommen mir Ideen“, sagt er. Aber es sei nicht das, was er machen wolle. Er will Start-ups helfen, Impulse geben. Sadowski nennt sich selbst Wofür-Mensch, weil er immer wissen muss, wofür er etwas macht, welchen Sinn und Zweck das hat. Wenn einem das klar sei, könne man Berge versetzen.

Am Dienstag ist Sadowskis Buch im Murmann-Verlag erschienen. Wenn sich der Trubel gelegt habe, wolle er sich als Berater selbstständig machen. Ganz so, als würde er dem Rat des Apple-Gründers Steve Jobs folgen. Der sagte 2006: „Ich denke, wenn ihr etwas tut, was gut funktioniert, dann solltet ihr etwas Neues verfolgen; bleibt nicht zu lange bei einer Sache. Findet heraus, was als Nächstes kommt.“

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